Transfersozialpläne – Herausforderung oder Überforderung für das Personalmanagement?

Zusammenfassung

 
Überblick

Abbau von Personal ist nicht nur in sog. Krisenzeiten anzutreffen. Auch nach Unternehmenszusammenschlüssen oder in Folge von Restrukturierungen kommt es häufig zu derlei Maßnahmen. Stets ist dabei der Personalbereich in zentraler Funktion involviert. Im folgenden Beitrag wird ein aktueller Überblick über Transfersozialpläne und den Einsatz des Beschäftigtentransfers als ein Instrument des "sozialverträglichen" Personalabbaus vorgestellt und gibt dem Personalmanagement Einblicke auf wesentliche Erfolgsfaktoren für eine Umsetzung. Gleichzeitig soll das oftmals anzutreffende Informationsdefizit zu diesem Thema behoben werden. Neben der Betrachtung von Funktionen und Aufbau erhalten Sie Vorschläge zur Umsetzung in die Praxis. Finanzierungsaspekte und der Einsatz von Förderinstrumenten werden ebenso behandelt wie die Darstellung spezieller Fälle, wie z. B. die Nutzung von Transfergesellschaften im Rahmen einer betrieblichen Sanierung. Abschließend erfolgt ein Ausblick auf weitere Entwicklungsmöglichkeiten und Erfahrungen aus dem Ausland.

1 Aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Bedeutung des Beschäftigtentransfers

Mit dem Gesetz zur Verbesserung der Beschäftigungschancen am Arbeitsmarkt vom 27.10.2010 wurden die Regelungen zu den Transferleistungen erstmals umfangreicher modifiziert. Zum 1.4.2012 wurden durch das Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt vom 20.12.2011 die Bestimmungen zum Transfergeschehen den Bestimmungen zum Kurzarbeitergeld zugeordnet. Ergebnis der gesetzlichen Maßnahmen war offensichtlich die Rolle der Arbeitsverwaltung im Transfer zu stärken z. B. durch die folgenden Regelungen:

  • Inanspruchnahme von Beratung der Arbeitsagentur durch die betrieblichen Sozialpartner im Vorfeld ihrer Entscheidungen über den Sozialplan als Voraussetzung der Förderung;
  • Kontrolle der Arbeitsagentur über die Angemessenheit der Kosten von Transfermaßnahmen;
  • Prüfung der Organisation und Mittelausstattung der Transfergesellschaft durch die Arbeitsagentur;
  • verpflichtende Arbeitsuchendmeldung der Betroffenen vor Übergang in die Transfergesellschaft und Verpflichtung der Arbeitsagentur zur Vermittlung während des Transfers (parallel zur entsprechenden Verpflichtung des Arbeitgebers);
  • Erfordernis der Maßnahme- und Trägerzertifizierung von Qualifizierungsmaßnahmen, ab 2012 auch der Trägerzertifizierung der Transfergesellschaften selbst;
  • gesteigerte Berichts- und Datenübermittlungspflichten für die Transfergesellschaften mit dem Ziel, eine bessere Datenbasis für Monitoring und Evaluation zu schaffen.

Mit Hochdruck wurde vor einigen Jahren an einer Verlängerung der Kurzarbeiterregelung gearbeitet und umgesetzt. Hierdurch konnte der Arbeitsmarkt weiter stabilisiert und den Unternehmen Luft verschafft werden.

Aktuell stellt sich der deutsche Arbeitsmarkt insgesamt so günstig dar wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Arbeitslosenquoten sind so niedrig wie noch nie nach der deutschen Vereinigung, die Zahlen der Erwerbstätigen ebenso wie die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind ebenfalls deutlich gestiegen. Das Schlagwort "Fachkräftemangel" hat dabei ganz deutlich das Thema "Arbeitslosigkeit" aus den Schlagzeilen verdrängt. Schaut man sich die jüngere Arbeitsmarktgesetzgebung an, so stehen ganz klar andere Themen im Vordergrund.

Betrachtet man diese Rahmenbedingungen, könnte man glauben, dass sich das Personalmanagement also verstärkt mit anderen Themen als Personalabbau, Restrukturierung und damit verbunden, Transfersozialplänen oder dem Thema Qualifizierungsgesellschaften beschäftigen kann. Die aktuellsten Zahlen aus Juni 2018 bestätigen diese Sichtweise auch durchaus, sind die Personen in Transferkurzarbeit doch kontinuierlich gesunken.

Abb. 1: Bestand an Personen in Transferkurzarbeit (Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit – Arbeitsmarkt in Zahlen, realisierte Kurzarbeit – Abgang aus Transferkurzarbeit, Nürnberg, Juni 2018 )

Demnach spielt das Thema Beschäftigtentransfer in den Personalabteilungen derzeit eher eine untergeordnete Rolle. Seit Februar diesen Jahres nimmt der Zahl der Personen in Kurzarbeit allerding leicht zu, wie die nachfolgende Abbildung 2 aufzeigt. Dieses könnte ein Anzeichen dafür sein, dass trotz immer noch sehr guter Beschäftigungssituation, erste Tendenzen eines Abflauens der konjunkturellen Nachfrage Auswirkungen zeigt in Teilbereichen der Wirtschaft.

Abb. 2: Personen in Kurzarbeit (Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit – Arbeitsmarkt in Zahlen, Kurzarbeit – aktuelle Daten, Nürnberg, März 2019)

Warum aber könnte das Thema trotzdem weiterhin von Relevanz für das Personalmanagement sein? Die Antwort ist nicht ganz leicht, denn Sie ist quasi nichts anderes, als es schon immer war, wenn ein Zeitalter der Entwicklungen nachhaltig Veränderungen mit sich bringt. Aktuell dürfte dies dem Thema Digitalisierung zuzuschreiben sein und die damit einhergehende Substituierbarkeit die zu Veränderungen in der Arbeitswelt und des Beschäftigung mit sich bringt.

Abb. 3: Substituierbarkeitspotenziale durch Digitalisierung (Quelle: IAB Kurzbe...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge