Thüsing/Rachor/Lembke, KSch... / 4.2.2.2.2 Überbrückungsmaßnahmen
 

Rz. 724

Als weitere Überbrückungsmaßnahmen und mildere Mittel im Vergleich zur Beendigungskündigung werden die Arbeitsstreckung oder das Arbeiten auf Vorrat diskutiert.[1] Sie stellen bei einem dringenden betrieblichen Erfordernis zur Kündigung jedoch keine ebenso geeignete Maßnahme dar, um einen Arbeitskräfteüberhang abzubauen. Durch das Strecken vorhandener Arbeit wird die Produktivität und Leistungsfähigkeit des Betriebs geschwächt. Ein solcher Eingriff in die unternehmerische Entscheidungsfreiheit kann nicht mit dem ultima-ratio-Grundsatz gerechtfertigt werden.[2] Das Arbeitsgericht kann lediglich prüfen, ob auf der Grundlage der getroffenen unternehmerischen Entscheidung die Kündigung dringend erforderlich ist.[3] Steht im Übrigen fest, dass der Arbeitskräfteüberhang nur vorübergehender Natur ist, stellt sich vorrangig die Frage, ob die Kündigung dringend erforderlich ist. Denn bei einer vorhersehbaren vorübergehenden Bedarfsschwankung fehlt es häufig bereits an betrieblichen Kündigungsgründen.

[1] MünchArbR/Berkowsky, 3. Aufl. 2009, § 138, Rz. 138 f.; ErfK/Oetker, 18. Aufl. 2018, § 1 KSchG, Rz. 272; Preis, NZA 1998, S. 449, 455.
[2] APS/Kiel, 5. Aufl. 2017, § 1 KSchG, Rz. 539.
[3] Dornbusch/Wolff/Volk, KSchG, 2. Aufl. 2007, § 1 KSchG, Rz. 377.

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