Thüsing, v. Steinau-Steinrü... / 4.1.5.3 Nachschieben von Kündigungsgründen
 

Rz. 35

Da ein Kündigungsgrund dem Erklärenden nicht im Zeitpunkt des Zugangs der Kündigungserklärung bekannt sein muss[1], können Kündigungsgründe grds. auch noch im Kündigungsrechtsstreit bis zum Abschluss der letzten Tatsacheninstanz nachgeschoben werden (BAG, Urteil v. 11.4.1985, 2 AZR 239/84[2]). Daran hindert auch Abs. 2 selbst dann nicht, wenn der Kündigende nach Bekanntwerden des Grundes länger als 2 Wochen wartet, bis er ihn in den Rechtsstreit einbringt.[3] Freilich darf der Grund nicht verfristet sein, d. h. er darf dem Kündigenden nicht länger als 2 Wochen vor Zugang der Kündigungserklärung bekannt geworden sein.[4] Allerdings muss der Arbeitgeber, will er Kündigungsgründe nachträglich einführen, den Betriebsrat – sofern vorhanden – regelmäßig erneut anhören.[5]

[1] S. Rz. 25.
[2] NZA 1986 S. 674; BAG, Urteil v. 6.9.2007, 2 AZR 264/06, NZA 2008 S. 1097; ausführlich zum Nachschieben von Kündigungsgründen Gabrys, § 1 KSchG, Rz. 312 ff.; Thüsing, § 102 BetrVG, Rz. 61 f.
[3] Das BAG hat in einem BAG, Urteil v. 4.6.1997, 2 AZR 362/96, NZA 1997 S. 1158, 1159 f., auch eine analoge Anwendung des Abs. 2 abgelehnt.
[4] S. hierzu Rz. 70 ff.
[5] Hierzu Thüsing, § 102 BetrVG, Rz. 61 f.

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