Telearbeitsplatz / 1 Grundlegende Begriffe

1.1 Telearbeit

Man spricht von Telearbeitsplatz, wenn

  • ein Unternehmen den Büroarbeitsplatz ganz oder teilweise in das Haus oder die Wohnung eines Mitarbeiters verlagert,
  • diesen über Telekommunikationsmittel anbindet und
  • der Bildschirmarbeitsplatz vom Unternehmen eingerichtet und installiert ist und
  • die Bedingungen in einer Vereinbarung geregelt sind.

Wenn die Arbeit nur an einem Telearbeitsplatz verrichtet wird, bezeichnet man das in der Wissenschaft auch als isolierte Telearbeit.

Telearbeit kann von einem Selbstständigen oder einem Arbeitnehmer als Organisationsform seiner Arbeit gewählt werden (vgl. Tab. 1).[1]

 
  Begrifflichkeiten Wo wird die Arbeitsleistung erbracht?
1 Isolierte Telearbeit ausschließlich im Haus oder der Wohnung des Mitarbeiters
2 Alternierende Telearbeit wechselweise am Telearbeitsplatz und in einem Büro der betrieblichen Arbeitsstätte. Dies ist die gängigste Form.
3 Mobile Telearbeit an wechselnden Einsatzorten (z. B. von Außendienstmitarbeitern)
4 Telearbeit im Satellitenbüro in einem wohnortnahen Büro außerhalb des Firmensitzes
5 On-site-Telearbeit im Betrieb des Kunden (z. B. bei Beratungstätigkeiten)

Tab. 1: Formen der Telearbeit in der Literatur[2] Telearbeit im Sinne der ArbStättV ist nur die, die im Privatbereich der Beschäftigten 1 + 2 stattfindet und durch eine Vereinbarung geregelt und vom Arbeitgeber installiert und eingerichtet wurde.

Keine Telearbeit im Sinne der ArbStättV sind folgende Fälle:

  1. wenn nicht alle für den Telearbeitsplatz geforderten Merkmale vorliegen;[3]
  2. Mitarbeiter, die zeitweise von zu Hause z. B. mit einem tragbaren Bildschirm arbeiten;
  3. Mitarbeiter, die in einem Satellitenbüro[4] oder Coworking-Center[5] arbeiten.
[1] Für eine eindeutige rechtliche Verantwortlichkeit muss u. a. geregelt sein, ob die Arbeit im Homeoffice im Arbeitnehmerstatus oder freiberuflich ausgeführt wird. Selbstständigkeit oder Arbeitnehmerschaft hängen vom Grad der persönlichen Abhängigkeit ab (BAG, Urteil v. 16.7.1997, 5 AZR 312/96).
[2] z. B. Telearbeit – Ein Leitfaden für die Praxis, www.dlr.de/dlr-sicherheit/Portaldata/65/Resources/dokumente/ergonomie/telearbeit.pdf.
[3] In § 2 Abs. 7 ArbStättV sind die Bedingungen klar mit "und-Verknüpfungen" formuliert.
[4] Satellitenbüro ist ein wohnortnah eingerichtetes Büro, damit Wege und Wegzeiten minimiert werden.
[5] Coworking Space ist mehr als eine klassische Bürogemeinschaft. Zusammen arbeiten – gemeinsam statt einsam mehr bewegen, so der Slogan. Auch bewusst mit Kunden, wie z. B. App-House von SAP. Das Ganze auf Zeit von Tagen (z. B. bestimmtes Projekt), Monaten oder länger.

1.2 Andere Begriffe für abhängige Erwerbstätigkeit außerhalb der Betriebsräume des Arbeitgebers

1.2.1 Mobile Arbeit

Mobile Arbeit bezeichnet das Arbeiten an beliebigen Orten, unabhängig davon, ob sich ein Mitarbeiter dort aus tätigkeitsbezogenen oder im weitesten Sinne privaten Gründen aufhält. Mobiles Arbeiten kann danach sowohl in Räumen des Arbeitgebers stattfinden (aber außerhalb eines persönlich zugewiesenen Arbeitsplatzes) als auch zu Hause (aber ohne die Kennzeichen der Telearbeit: dem vom Arbeitgeber eingerichteten Arbeitsplatz und eine entsprechende vertragliche Regelung), v. a. aber auch unterwegs, z. B. während der Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Hotel, beim Kunden oder einfach an einem Ort der Wahl.

Weil es erst durch die digitale Vernetzung umfassend möglich geworden ist, von zu Hause oder unterwegs für den Arbeitgeber tätig zu sein, wird unter mobiler Arbeit i. d. R. die Arbeit mit (meist mobilen) Bildschirmgeräten (Notebook, Smartphone usw.) verstanden.

1.2.2 Homeoffice

Der englische Begriff meint einen Arbeitsplatz oder ein Arbeitszimmer im privaten Umfeld. In der Wohnung des sog. Telearbeiters ist ein Büro mit einem Bildschirmarbeitsplatz eingerichtet. Homeoffice wird daher umgangssprachlich als eine Art Oberbegriff für alle Formen von bürobezogener Erwerbsarbeit von zu Hause aus benutzt, manchmal auch als ein synonymer Begriff für Telearbeit. Die Arbeitsstättenverordnung von 2016 hat den Begriff allerdings nicht aufgenommen und spricht von Telearbeit.

In der Corona-Pandemie von 2020/21 erfuhr der Begriff Homeoffice spontan eine sehr große Verbreitung, allerdings für mobile Arbeit von zu Hause aus, die aus Infektionsschutzgründen plötzlich für eine große Zahl von Beschäftigten Teil der Arbeitswirklichkeit wurde. Echte Telearbeitsvereinbarungen konnten, wo nicht bereits zuvor vorhanden, wegen der fehlenden Vorlaufzeit beim Ausbruch der Pandemie kaum getroffen werden, sodass für dieses Phänomen der Begriff Telearbeit richtigerweise nicht zu verwenden war.

Dass der Gesetzgeber den Begriff Homeoffice in den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard vom April 2020 aufgenommen hat, kam dem allgemeinen Sprachgebrauch entgegen, nicht aber der eindeutigen Begriffsstellung im Arbeitsschutzrecht. In der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel vom August 2020 wird dann aber wieder klargestellt, dass Homeoffice im arbeitsschutzrechtlichen Sinne eine Form mobilen Arbeitens ist. Seit April 2021 regelt darüber hinaus für die Dauer der Corona-Pandemie § 28b Abs. 7 Infektionsschutzgesetz (IfSG), dass Arbeitgeber und Arbeitnehme...

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