Student: Ausnahmeregelungen... / Sozialversicherung

1 20-Stunden-Grenze

In der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sind Studenten im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung grundsätzlich versicherungsfrei. Darüber hinaus sind sie in diesen Versicherungszweigen durch Anwendung des Werkstudentenprivilegs auch versicherungsfrei, wenn die Beschäftigung an nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich ausgeübt wird.

Die Versicherungsfreiheit kann in bestimmten Ausnahmefällen sogar bei einer Überschreitung der 20-Stunden-Grenze bestehen bleiben. In der Rentenversicherung unterliegt der beschäftigte Student hingegen der Versicherungspflicht. Nur bei Ausübung einer geringfügig entlohnten Beschäftigung kann er sich hiervon befreien lassen.

2 Arbeit am Wochenende, in den Abend- und Nachtstunden und während der Semesterferien

Eine unbefristete (Dauer-)Beschäftigung oder eine auf mehr als 26 Wochen befristete Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden schließt das Werkstudentenprivileg aus. In Einzelfällen, bei Beschäftigungen am Wochenende sowie in den Abend- und Nachtstunden oder während der Semesterferien, kann Versicherungsfreiheit allerdings auch noch bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden in Betracht kommen. Voraussetzung dafür ist, dass Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Die 20-Stunden-Grenze darf jedoch weder zeitlich unbefristet noch auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen im Jahr befristet überschritten werden.

 

Praxis-Beispiel

Beschäftigung über 20 Stunden in der Abend- und Nachtzeit

Eine Studentin arbeitet ab 1.3. ausschließlich als Nachtwache für unbestimmte Zeit in einem Krankenhaus. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 24 Stunden. Das monatliche Arbeitsentgelt beträgt 750 EUR.

Lösung: Die Werkstudentenregelung findet keine Anwendung. Die Beschäftigung ist daher nicht versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Zwar wird die Beschäftigung mit mehr als 20 Wochenstunden ausschließlich in den Abend- und Nachtstunden ausgeübt. Allerdings arbeitet die Studentin in der Beschäftigung – da unbefristet – über einen längeren Zeitraum als 26 Wochen mehr als 20 Stunden wöchentlich. Es besteht daher Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

2.1 Befristete Überschreitung der 20-Stunden-Grenze

Sofern im Rahmen einer unbefristeten oder auf mehr als 26 Wochen befristeten Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von bis zu 20 Stunden

  • aufgrund von im Voraus befristeten Beschäftigungszeiten,
  • bei demselben oder anderen Arbeitgebern,
  • am Wochenende, in den Abend- und Nachtstunden oder den Semesterferien,

die 20-Stunden-Grenze im Laufe eines Jahres an nicht mehr als 26 Wochen überschritten wird, bleibt die Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs erhalten. Der Jahreszeitraum wird ermittelt, indem vom Ende des "Überschreitenszeitraums" ein Jahr zurückgerechnet wird.

 

Praxis-Beispiel

Befristetes Überschreiten der 20-Stunden-Grenze wegen zusätzlicher Wochenendarbeit

Eine Studentin arbeitet in einer unbefristeten Beschäftigung immer montags bis freitags tagsüber an insgesamt 20 Stunden in der Woche. Das monatliche Arbeitsentgelt beträgt 900 EUR. Aufgrund des Werkstudentenprivilegs besteht Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. In der Rentenversicherung ist die Studentin versicherungspflichtig.

Ab dem 1.4. muss die Studentin für eine erkrankte Kollegin einspringen, sodass sie bis 30.4. an den Samstagen jeweils 5 Stunden zusätzlich arbeiten wird. Innerhalb des letzten Jahres war die Studentin nicht mehr als 20 Stunden in der Woche beschäftigt gewesen.

Lösung: Die Werkstudentenregelung findet durchgehend Anwendung, da das Überschreiten der 20-Stunden-Grenze aufgrund der zusätzlichen Wochenendarbeit im Voraus befristet ist und innerhalb des Jahreszeitraums (30.4. lfd. Jahr bis 1.5. des Vorjahres) insgesamt nicht mehr als 26 Wochen betragen wird.

 

Praxis-Beispiel

Befristetes Überschreiten der 20-Stunden-Grenze durch Aufnahme einer Nebenbeschäftigung

Ein Student arbeitet unbefristet bei Arbeitgeber A montags bis freitags tagsüber 10 Stunden gegen ein monatliches Arbeitsentgelt von 1.000 EUR. Aufgrund des Werkstudentenprivilegs besteht Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. In der Rentenversicherung ist der Student versicherungspflichtig.

Vom 1.6. bis 31.7. arbeitet er außerdem bei Arbeitgeber B für 22 Wochenstunden nachts gegen ein monatliches Arbeitsentgelt von 1.500 EUR. Die Beschäftigung bei Arbeitgeber B ist eine versicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung.

Außer diesen beiden Beschäftigungen ist der Student innerhalb des letzten Jahres keinen weiteren Beschäftigungen nachgegangen.

Lösung: Die Werkstudentenregelung findet in der Beschäftigung bei Arbeitgeber A weiterhin Anwendung. Innerhalb des Jahreszeitraums (31.7. lfd. Jahr bis 1.8. des Vorjahres) wird die 20-Stunden-Grenze durch die im Voraus befristeten zusätzlichen Arbeitszeiten in den Nachtstunden lediglich für die Dauer von 2 Monaten und damit nicht länger als 26 Wochen überschritten.

2.2 Wiederholtes Überschreiten der 20-Stunden-Grenze

Wiederholt sich das zeitweise bzw. befristet...

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