Das arbeitspsychologische Stressmodell ("BGW-Stresskonzept") baut auf den o. g. Stressmodellen auf und erweitert sie. In diesem Modell werden Stressoren/Risikofaktoren, Ressourcen/Kraftquellen, Bewertung, Bewältigung und Stressfolgen als wichtigste Faktoren angesehen, die miteinander in Wechselwirkung stehen. Stress ist nach diesem Modell ein eindeutig negativer Zustand.

Stressoren und Risikofaktoren können aus den Eigenschaften und Kompetenzen der einzelnen Person oder aus der Umwelt stammen, z. B. Arbeitsaufgabe oder -organisation. Stressoren sind nach diesem Modell Merkmale, die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu Stressfolgen führen können. Auch Ressourcen können sowohl in der Person, als auch in den äußeren Bedingungen liegen. Personenbezogene Ressourcen können z. B. soziale Kompetenzen oder Problemlösestrategien sein. Die wichtigsten bedingungsbezogenen Ressourcen sind Kontrolle, Handlungsspielraum, Autonomie sowie soziale Unterstützung. Das arbeitspsychologische Stressmodell sieht wie das transaktionale Stressmodell auch die primäre ("Ist dieses Ereignis für mich ein Stressfaktor?") und sekundäre Bewertung ("Kann ich dieses Stress auslösende Ereignis bewältigen?") der Ereignisse als zentrale Elemente an.

Es können kurz- oder langfristige Stressfolgen entstehen. Diese Stressfolgen können sich auf 4 Ebenen zeigen (vgl. Tab. 1):

  1. somatische Ebene,
  2. kognitive Ebene,
  3. emotionale Ebene,
  4. Verhaltensebene.
 
  kurzfristige Reaktion langfristige Reaktion
Somatische Ebene Ausschüttung von Stresshormonen, Erhöhung von Blutdruck und Herzfrequenz psychosomatische Erkrankungen, organische Krankheiten
Kognitive Ebene Konzentrationsstörungen, psychische Ermüdung Fehlerhäufigkeit, unüberlegte Entscheidungen
Emotionale Ebene Gereiztheit, Ärger, Frustration Depressivität, Arbeitsunzufriedenheit, Burnout
Verhaltensebene ungünstiges Gesundheitsverhalten, mehr Konflikte, weniger Team-Verhalten Absentismus, Kündigung, Leistungsverweigerung, Einschränkung des Freizeitverhaltens und der sozialen Kontakte, ungünstiges Gesundheitsverhalten

Tab. 1: Beispiele für kurz- und langfristige Stressfolgen auf verschiedenen Ebenen

Stressfolgen betreffen also nicht nur die die gestresste Person selber, sondern auch die Organisation oder den Betrieb und das soziale Umfeld, wie Team, Familie, Partner, Freunde.[1]

[1] Vgl. Bamberger et al., BGW-Stresskonzept – Das arbeitspsychologische Stressmodell, 2006.

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