Steuerklassen / Lohnsteuer

1 Übersicht der Steuerklassen

Die persönlichen Verhältnisse bestimmen, welche Steuerklasse und welche Freibeträge beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich, ob für die Lohnsteuerberechnung der Grundtarif oder der Splittingtarif für verheiratete Arbeitnehmer zugrunde zu legen ist.

Steuerklassen und Freibeträge 2020

Die folgende Tabelle gibt für die jeweilige Steuerklasse an, welche Freibeträge (in EUR) in den entsprechenden Lohnsteuertarif 2020 eingearbeitet sind.

 
Steuerklassen I II III IV V VI
Grundfreibetrag 9.408 9.408 18.816 9.408 0 0
Arbeitnehmer-Pauschbetrag 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 0
Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 36 36 36 36 0
Vorsorgepauschale ja ja ja ja ja ja
Entlastungsbetrag für Alleinerziehende 0 1.908 0 0 0 0

Die Vorsorgepauschale wird bei allen Steuerklassen berücksichtigt. Die Höhe der Vorsorgepauschale hängt von der Höhe des Arbeitslohns ab. Bei privat versicherten Arbeitnehmern außerdem davon, welche Beiträge (ggf. auch Zusatzbeiträge) zur Krankenversicherung und zur privaten Pflegepflichtversicherung für die Basisversorgung tatsächlich zu zahlen sind.

2 Einordnung in Lohnsteuerklassen

2.1 Steuerklasse I (alleinstehend, getrennt lebend)

Die Steuerklasse I gilt für alleinstehende Arbeitnehmer, z. B. ledige, dauernd getrennt lebende oder geschiedene Personen. Sie gilt auch für verwitwete Arbeitnehmer, wenn der Ehe-/Lebenspartner nicht erst im Vorjahr verstorben ist. Ebenso in die Steuerklasse I einzureihen sind ausländische Arbeitnehmer, deren Ehepartner im Ausland wohnen, sofern es sich nicht um EU- bzw. EWR-Staaten handelt.

2.2 Steuerklasse II (alleinerziehend)

In die Steuerklasse II sind Arbeitnehmer einzureihen, die den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende erhalten.[1] Dies sind die unter der Steuerklasse I bezeichneten Personen, wenn zu deren Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das der Arbeitnehmer einen Kinderfreibetrag oder Kindergeld erhalten kann. Die Haushaltszugehörigkeit wird an die Wohnung des Alleinerziehenden geknüpft, in der das Kind gemeldet ist.[2] Sie ist anzunehmen, wenn das Kind in der Wohnung des allein erziehenden Arbeitnehmers mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet ist.

Erhöhungsbetrag für Alleinerziehende mit mehreren Kindern

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird in Form eines Grundbetrags von 1.908 EUR plus einem Erhöhungsbetrag ab dem zweiten Kind gewährt. Neben dem (Grund-)Entlastungsbetrag, der durch den Ansatz der Steuerklasse II im Lohnsteuerverfahren automatisch berücksichtigt wird, kommt für das zweite und jedes weitere Kind, das zum Haushalt des Alleinerziehenden gehört, ein zusätzlicher Freibetrag von je 240 EUR jährlich in Betracht.[3] Dieser reduziert sich um 1/12 für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen für den Erhöhungsbetrag nicht vorgelegen haben.

"Corona-Erhöhungsbetrag" für 2020 und 2021

Zur Abmilderung der für Alleinerziehende durch die Corona-Pandemie entstehenden Zusatzkosten wird der Grund-Entlastungsbetrag durch einen Zusatzfreibetrag von 2.100 EUR zeitlich befristet für 2020 und 2021 angehoben. Für die beiden Jahre ergibt sich dadurch ein Steuerentlastungsbetrag in der Steuerklasse II von insgesamt 4.008 EUR.[4] Der Erhöhungsbetrag von 240 EUR pro weiterem Kind bleibt unverändert.

 
Hinweis

Erhöhungsbetrag für Kinder und Corona-Erhöhungsbetrag nur im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren

Über die Steuerklasse II wird nur der (Grund-)Entlastungsbetrag von 1.908 EUR für das erste Kind berücksichtigt. Die Erhöhungsbeträge von 2.100 EUR für die Corona-Jahre 2020 und 2021 sowie von 240 EUR für jedes weitere haushaltszugehörige Kind können nur als Freibetrag im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren geltend gemacht werden.[5] Für den "Corona-Zusatzentlastungsbetrag" beinhaltet das Gesetz eine Verfahrensvereinfachung, die es dem Finanzamt ermöglicht, den Freibetrag von 2.100 EUR auch ohne Antrag des Arbeitnehmers von Amts wegen als Freibetrag in die ELStAM einzutragen. Die zusätzlichen Freibeträge werden für bis zu 2 Jahre als ELStAM im elektronischen Datenpool gespeichert und bescheinigt.[6]

Entlastungsbetrag nur für echte Alleinerziehende

Der Entlastungsbetrag soll ausschließlich echten Alleinerziehenden zugutekommen. Weitere Voraussetzung für die Steuerklasse II ist deshalb, dass neben den eigenen Kindern keine anderen volljährigen Personen zur Haushaltsführung in tatsächlicher oder finanzieller Hinsicht beitragen. Bezüglich des Ausschlusses nicht verheirateter, zusammenlebender Eltern vom Entlastungsbetrag bestehen keine verfassungsrechtlichen Bedenken.[7]

Unschädlich sind Haushaltsgemeinschaften mit über 18 Jahre alten eigenen Kindern, die

  • in Form des Kinderfreibetrags oder Kindergelds beim Alleinerziehenden steuerlich zu berücksichtigen sind oder
  • den Bundesfreiwilligendienst sowie
  • einen bis zu 3-jährigen Dienst als Zeitsoldat leisten.

Steuerpflichtige, die eine Haushaltsgemeinschaft mit solchen Kindern bilden, werden als alleinstehend angesehen.[8]

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