1 Übersicht der Steuerklassen

Die persönlichen Verhältnisse bestimmen, welche Steuerklasse und welche Freibeträge beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich, ob für die Lohnsteuerberechnung der Grundtarif oder der Splittingtarif für verheiratete Arbeitnehmer zugrunde zu legen ist.

Steuerklassen und Freibeträge 2022

Die folgende Tabelle gibt für die jeweilige Steuerklasse an, welche Freibeträge (in EUR) in den entsprechenden Lohnsteuertarif 2022 eingearbeitet sind.

 
Steuerklassen I II III IV V VI
Grundfreibetrag 10.347 10.347 20.694 10.347 0 0
Arbeitnehmer-Pauschbetrag 1.200 1.200 1.200 1.200 1.200 0
Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 36 36 36 36 0
Vorsorgepauschale ja ja ja ja ja ja
Entlastungsbetrag für Alleinerziehende 0 4.008 0 0 0 0

Die Vorsorgepauschale wird bei allen Steuerklassen berücksichtigt. Die Höhe der Vorsorgepauschale hängt von der Höhe des Arbeitslohns ab. Bei privat versicherten Arbeitnehmern außerdem davon, welche Beiträge (ggf. auch Zusatzbeiträge) zur Krankenversicherung und zur privaten Pflegepflichtversicherung für die Basisversorgung tatsächlich zu zahlen sind.

2 Einordnung in Lohnsteuerklassen

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2.1 Steuerklasse I (alleinstehend, getrennt lebend)

Die Steuerklasse I gilt für alleinstehende Arbeitnehmer, z. B. ledige, dauernd getrennt lebende oder geschiedene Personen. Sie gilt auch für verwitwete Arbeitnehmer, wenn der Ehe-/Lebenspartner nicht erst im Vorjahr verstorben ist. Ebenso in die Steuerklasse I einzureihen sind ausländische Arbeitnehmer, deren Ehepartner im Ausland wohnen, sofern es sich nicht um EU- bzw. EWR-Staaten handelt.

2.2 Steuerklasse II (alleinerziehend)

In die Steuerklasse II sind Arbeitnehmer einzureihen, die den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende erhalten.[1] Dies sind die unter der Steuerklasse I bezeichneten Personen, wenn zu deren Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das der Arbeitnehmer einen Kinderfreibetrag oder Kindergeld erhalten kann. Die Haushaltszugehörigkeit wird an die Wohnung des Alleinerziehenden geknüpft, in der das Kind gemeldet ist.[2] Sie ist anzunehmen, wenn das Kind in der Wohnung des allein erziehenden Arbeitnehmers mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet ist.

Erhöhungsbetrag für Alleinerziehende mit mehreren Kindern

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird in Form eines Grundbetrags von 4.008 EUR plus einem Erhöhungsbetrag ab dem zweiten Kind gewährt. Neben dem (Grund-)Entlastungsbetrag, der durch den Ansatz der Steuerklasse II im Lohnsteuerverfahren automatisch berücksichtigt wird, kommt für das zweite und jedes weitere Kind, das zum Haushalt des Alleinerziehenden gehört, ein zusätzlicher Freibetrag von je 240 EUR jährlich in Betracht.[3] Dieser reduziert sich um 1/12 für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen für den Erhöhungsbetrag nicht vorgelegen haben.

Anhebung des Steuerentlastungsbetrags ab 2022

Zur Abmilderung der für Alleinerziehende durch die Corona-Pandemie entstehenden Zusatzkosten wurde der Grund-Entlastungsbetrag von 1.908 EUR durch einen Zusatzfreibetrag von 2.100 EUR zeitlich befristet für 2020 und 2021 angehoben, der verfahrenstechnisch durch die Freibetragsgewährung im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren beim Lohnsteuerabzug zur Anwendung kam.[4] Die Berücksichtigung des Grund-Entlastungsbetrags von 1.908 EUR für das erste Kind erfolgte dagegen im Lohnsteuerverfahren über die Steuerklasse II. Für die beiden Jahre ergab sich dadurch ein Steuerentlastungsbetrag von insgesamt 4.008 EUR.[5]

Der Corona-Zusatzfreibetrag wurde für den Zeitraum ab 2022 nicht verlängert. Um gleichwohl Nachteile bei den Betroffenen zu vermeiden, wurde im Rahmen des JStG 2020 die bisherige Grundentlastung für das erste Kind um 2.100 EUR erhöht. Der Steuerentlastungsbetrag beläuft sich somit für die Jahre ab 2022 auf 4.008 EUR.[6] Durch die Aufstockung gleicht der Gesetzgeber den Wegfall des Zusatzfreibetrags betragsmäßig in voller Höhe aus. Die Anhebung hat im Übrigen den Vorteil, dass der Steuerentlastungsbetrag beim Lohnsteuerabzug des Alleinerziehenden wieder in vollem Umfang über die Steuerklasse II berücksichtigt werden kann.

Der Erhöhungsbetrag von 240 EUR für das zweite und jedes weitere Kind bleibt unverändert. Ein Abzug bei der Lohnabrechnung durch den Arbeitgeber kommt wie bisher ausschließlich über die Eintragung als Freibetrag in die ELStAM-Datenbank infrage.

 
Wichtig

Erhöhungsbetrag für weitere Kinder nur im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren

Über die Steuerklasse II wird nur der (Grund-)Entlastungsbetrag von 4.008 EUR für das erste Kind im Lohnsteuerverfahren berücksichtigt. Der Erhöhungsbetrag von 240 EUR für jedes weitere haushaltszugehörige Kind kann vom Arbeitnehmer nur als Freibetrag im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren geltend gemacht werden.

[7]

Der zusätzliche Entlastungsbetrag ab dem zweiten zum Haushalt gehörenden Kind wird als Freibetrag für bis zu 2 Jahre als ELStAM im elektronischen Datenpool gespeichert und bescheinigt.[8]

Entlastungsbetrag nur für echte Alleinerziehende

Der Entlastungsbetrag soll ausschließlich echten Alleinerziehenden zugutekommen. Weitere Voraussetzung für die Steuerklasse II ist deshalb, dass neben den eigenen Kindern keine a...

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