Arbeitslohn, der für eine mehrjährige Tätigkeit – also für Zeiträume, die zu mehreren Kalenderjahren gehören, – gezahlt wird, ist ebenfalls begünstigt.[1] Mehrjährigkeit bedeutet regelmäßig, dass die Tätigkeit zumindest in 2 Kalenderjahren ausgeübt werden muss. Die Dauer muss einen Zeitraum von mehr als 12 Monaten umfassen. Nach Auffassung des FG Berlin-Brandenburg ist für die Berechnung des 12-Monatszeitraums nicht auf das formelle Arbeitsverhältnis abzustellen, sondern darauf wie lange das Beschäftigungsverhältnis nach seinem wirtschaftlichen Gehalt unverändert fortbesteht. In Fällen des Betriebsübergangs nach § 613a BGB wird die mehrjährige Tätigkeit durch den formellen Arbeitgeberwechsel nicht unterbrochen. Dasselbe gilt für einen Arbeitgeberwechsel innerhalb eines Konzernverbunds zwischen Tochter- und Muttergesellschaft, wenn die Beschäftigung im wesentlichen inhaltsgleich fortgeführt wird.[2] Für die Berechnung der Lohnsteuer ist dieser sonstige Bezug mit einem Fünftel bei der Ermittlung des voraussichtlichen Jahresarbeitslohns anzusetzen. Die sich ergebende Lohnsteuer für den Teilbetrag des sonstigen Bezugs ist sodann mit dem 5-fachen Betrag anzusetzen.

 
Praxis-Beispiel

Gehaltsnachzahlung und Fünftelregelung

Ein gesetzlich kranken- und rentenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer mit der Steuerklasse I erhält im März 2022 eine Gehaltsnachzahlung von 3.000 EUR für die Zeit von September 2020 bis Februar 2022.

Ergebnis: Der maßgebende Jahresarbeitslohn beträgt in 2022 voraussichtlich 30.000 EUR. Der Jahresarbeitslohn wird um 1/5 der Gehaltsnachzahlung (um 600 EUR) erhöht. Es ergibt sich ein Betrag von 30.600 EUR.

 
Jahreslohnsteuer v. 30.600 EUR 3.254 EUR
Jahreslohnsteuer v. 30.000 EUR 3.116 EUR
Differenzbetrag 138 EUR
Von der Gehaltsnachzahlung zu erhebende Lohnsteuer (138 EUR × 5) 690 EUR

Für Arbeitslöhne ist zur ermäßigten Besteuerung nach der Fünftelregelung eine Zusammenballung von Einkünften zwar Voraussetzung, ein Vergleich ist jedoch nicht vorzunehmen. Entscheidend ist der einheitliche (geballte) Zufluss. Hat der Arbeitgeber den Lohnsteuerabzug ohne Anwendung der Fünftelregelung vorgenommen, kann der Arbeitnehmer die Steuerermäßigung im Rahmen einer Einkommensteuer-Veranlagung geltend machen.[3]

[2] BFH, Beschluss v. 2.3.2020, IX R 17/19; Vorinstanz: FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 9.4.2019, 8 K 8153/15.

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