Shared Responsibility Approach – Mobbing im Unternehmen stoppen

Zusammenfassung

 
Überblick

Mobbing kann in jedem Unternehmen oder jeder Organisation auftreten. Die Ursache für Mobbing liegt nicht allein in den beteiltigten Personen, sondern kann auch systemische und organisatorische Aspekte beinhalten.

Mobbing ist eine inakzeptable Situation und muss gestoppt werden. Um das möglichst adäquat und erfolgreich zu tun, gehören die Auseinandersetzung mit Mobbing und eine ausreichende Vorbereitung darauf zu den Aufgaben eines jeden Vorgesetzten.

Mit dem Shared Responsibility Approach existiert eine erfolgreiche Methode, akutes Mobbing schnell und wirksam zu stoppen. Dazu sind nur geringe Ressourcen erforderlich und es bedarf keiner besonderen Vorbildung der Vorgesetzten.

1 Mobbing als Tabu-Thema

Bei Schulungen zum Thema Mobbing hört man häufig Aussagen wie: "Mobbing gibt es bei uns nicht" oder "Wir wählen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sehr sorgfältig aus, daher gibt es bei uns keine Mobber". Ein Personalmanager sagte sehr offen: "Ihr Angebot interessiert mich schon, aber wenn ich das Thema aufgreife, denken alle, wir haben ein Mobbing-Problem im Unternehmen". Die Angst eines Imageverlusts sowohl innerhalb des Unternehmens als auch nach außen, führt häufig dazu, sich der Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing zu entziehen.

Das Selbstbild vieler Vorgesetzter sowie die Erwartungshaltung des Unternehmens an die Rolle des Vorgesetzten beinhalten das reibungslose Funktionieren seines Aufgabenbereichs. Kommt es unter seinen Mitarbeitenden zu Mobbing, wird ihm ein Versagen in seiner Führungsaufgabe attestiert. Vermeidungsstrategien, die Vorgesetzte deshalb einsetzen, sind z. B. Bagatellisieren, Ignorieren oder "unter den Teppich kehren".

Hinzu kommt, dass viele Maßnahmen gegen Mobbing im Unternehmen zeitaufwendig, kostenintensiv und in ihren Auswirkungen massive Konsequenzen mit sich bringen. Als einige Beispiele seien hier Versetzungen/Kündigungen, gerichtliche Auseinandersetzungen und Auswirkungen auf die Gruppenstruktur und –dynamik zu nennen.

2 Vorbeugende Maßnahmen gegen Mobbing

Was bei all diesen Argumenten unberücksichtigt bleibt, ist die Tatsache, dass Mobbing ein Phänomen ist, das "… quer durch alle Berufsgruppen, Branchen und Betriebsgrößen…"[1] auftritt. Es gibt also keine "Mobbingfreie Zone".

Hinzukommt, dass die Ursachen für das Auftreten von Mobbing nicht allein in den handelnden Personen liegen, also nicht in bestimmten Täter- oder Opferprofilen, sondern auch systemische und organisatorische Aspekte eine Rolle spielen. So können bestimmte Arbeitsprozesse und Organisationsstrukturen oder Veränderungen derselben ein Klima im Unternehmen schaffen, das Mobbing fördert.

Das macht deutlich, dass ein Vorgesetzter nicht allein für das Auftreten von Mobbing verantwortlich gemacht werden kann oder ihm gar ein Versagen bei seinen Aufgaben als Führungskraft unterstellt werden darf. Er wird erst dann seiner Rolle nicht gerecht, wenn er nichts gegen die Mobbingsituation unternimmt.

Wenn wir der Tatsache ins Auge sehen, dass sich Mobbing im Unternehmen nicht grundsätzlich verhindern lässt, sondern nur Rahmenbedingungen geschaffen werden können, die Mobbing weniger wahrscheinlich machen, sollten vorbeugende Maßnahmen nicht weiter als Imageverlust gesehen werden. So hat das Aufstellen von Pulverlöschern bei keinem Mitarbeiter die Angst vor Bränden im Betrieb geschürt oder Maßnahmen zur Arbeitssicherheit ein Unternehmen als einen besonders unsicheren Arbeitsplatz gebrandmarkt.

Neben dem Aufbau von Wissen zu präventiven Maßnahmen sind im Unternehmen Interventionsmethoden notwendig, die in akuten Mobbing-Situationen angewendet werden können – um im Bild zu bleiben – die eingesetzt werden können, wenn es brennt. Eine dieser Methoden ist der Shared Responsibility Approach.

[1] Mobbing Report (Kurzfassung) Bärbel Meschkutat et.al., Sozialforschungsstelle Dortmund

3 Shared Responsibility Approach

Der Ansatz hat seine Wurzeln im No Blame Approach, der von Barbara Maines und George Robinson in den 80er Jahren in England entwickelt wurde und erfolgreich auch in der Schweiz, den Benelux-Ländern und in Deutschland eingesetzt wird, um Mobbing in Schulen zu stoppen. Genau wie der No Blame Approach setzt der Shared Responsibility Approach auf Lösungsorientierung anstatt auf Schuldzuweisung.

Der Shared Responsibility Approach ist eine Methode, mit der akute Mobbingsituationen bearbeitet werden. Dabei wird bewusst auf eine Ursachenforschung und Aufarbeitung der Historie verzichtet. Der Fokus liegt auf der Suche nach Lösungen, mit denen Mobbing schnell gestoppt werden kann. "Ich muss nicht wissen, wie das Schloss funktioniert – es reicht, einen Schlüssel zu haben, der die Tür öffnet".

Ein ganz entscheidender Aspekt des Interventionsansatzes ist die Einbindung der Mobbing-Akteure in den Lösungsfindungsprozess. "Täter" und "Mitläufer" werden dabei nicht in ihren (negativen) Rollen angesprochen, sondern neutral als Experten für die vorliegende Situation einbezogen und um Mithilfe gebeten. Da es im Prozess weder zu Schuldzuweisungen kommt noch Sanktionen angedroht werden, ist eine Verteidigung oder Rechtfertigung von Ha...

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