Schell, SGB IX § 26 Gemeins... / 2.2.1 Prävention (Abs. 2 Nr. 1)
 

Rz. 13

§ 25 Abs. 1 Nr. 5 i. V. m. § 26 Abs. 1 verpflichtet die Rehabilitationsträger zur Bereitstellung von geeigneten Präventionsleistungen. Ziel ist, den Eintritt einer Behinderung zu verhindern bzw. die Verschlimmerung einer bereits bestehenden Behinderung zu vermeiden (Tertiärprävention).

 

Rz. 14

Zu der Thematik haben die Rehabilitationsträger am 16.12.2004 in ihrer "Gemeinsamen Empfehlung Prävention nach § 3 SGB IX" grundsätzliche Regeln vereinbart. Diese Gemeinsame Empfehlung wird zum Zeitpunkt der Drucklegung überarbeitet und voraussichtlich als "Gemeinsame Empfehlung nach den §§ 25 Abs. 1 Nr. 5, 26 Abs. 2 Nr. 1 SGB IX, damit Prävention entsprechend dem in § 3 SGB IX genannten Ziel erbracht wird – Gemeinsame Empfehlung Prävention nach § 3 SGB IX" in überarbeiteter Version Anfang 2018 in Kraft treten.

 

Rz. 15

Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang den Kontextfaktoren zu. Kontextfaktoren stellen den gesamten Lebenshintergrund einer Person dar und umfassen alle Umweltfaktoren und personenbezogenen Faktoren, die für die Gesundheit einer Person von Bedeutung sind und in Wechselwirkung mit allen Komponenten der ICF stehen (Körperfunktionen und Körperstrukturen, Aktivitäten und Teilhabe).

Nach der Gemeinsamen Empfehlung "Prävention nach § 3 SGB IX" zielt die Prävention auf folgende allgemein gehaltene Risikogruppen:

  • Erwerbspersonen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder besonders belastenden Arbeitsbedingungen und
  • nicht erwerbstätige Frauen und Männer, Kinder oder ältere Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder ungünstigen sozialen Kontextfaktoren, die den Eintritt einer Behinderung oder die Chronifizierung einer Krankheit begünstigen können.

Um diese besonders gesundheitsgefährdeten Risikogruppen mit geeigneten Maßnahmen zu erreichen, wird aufgrund der Gemeinsamen Empfehlung Prävention nach § 3 SGB IX der Setting-Ansatz gewählt. Als Setting werden die Lebensbereiche verstanden, in denen die Menschen einen Großteil ihrer Lebenszeit verbringen. Dieser Setting-Ansatz ist geeignet, um den einzelnen betroffenen Menschen in dem Lebensbereich, in dem er einen wesentlichen Teil seines Tages verbringt, zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten zu motivieren und zugleich gesundheitsgefährdende Lebensbedingungen zu begrenzen. In Bezug auf Beeinträchtigungen der Teilhabe ist gemäß unter Prävention auch die möglichst frühzeitige Anpassung von Kontextfaktoren zur Erhaltung der Teilhabe, insbesondere des Arbeitsplatzes oder des häuslichen Umfeldes zu sehen (z. B. Erfassung und Stärkung von Hilfepotenzialen, stufenweise Wiedereingliederung, Umgestaltung der Arbeitsbedingungen oder der Wohnung).

Ein wichtiger Ansatz für die Maßnahmen nach § 3 ist die Verhaltens- und die Verhältnisprävention. Die Verhaltensprävention zielt auf die Änderung eines schädlichen Verhaltens (z. B. Rauchen) und die Verhältnisprävention auf eine Änderung von schädlichen Lebensbedingungen und -einflüssen (z. B. ungesunde Luftverhältnisse am Arbeitsplatz) ab.

Im Interesse einer wirksamen und zielgerichteten Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung und Prävention haben insbesondere die Träger der Kranken-, Unfall-, Renten- sowie Pflegeversicherung eine nationale Präventionsstrategie entwickelt. Hierzu wurden bundeseinheitliche trägerübergreifende Rahmenempfehlungen (Bundesrahmenempfehlungen der nationalen Präventionskonferenz nach § 20d Abs. 3 SGB V; Fundstelle: Rz. 70) verabschiedet, deren wesentlicher Bezugspunkt die Lebenswelten sind. Einzelheiten vgl. Komm. zu § 20d SGB V.

In der Praxis haben die Rehabilitationsträger durchaus Methoden entwickelt, um wirksam Prävention zu betreiben. Einige werden nachstehend genannt.

 

Rz. 16

Zu erwähnen ist hier die "WEB-Reha" der DRV Rheinland und der DRV Westfalen. Hier zeigen Werks- und Betriebsärzte dem Rentenversicherungsträger über das Internet (WEB) an, wenn aus deren Sicht eine Rehabilitations-Leistung angezeigt ist, um den abzusehenden Eintritt der Erwerbsminderung abzuwenden.

Bei dem Projekt der WEB-Reha sollen sektorenübergreifend Betriebsärzte, Rehabilitationsträger, stationäre und ambulante Rehabilitationseinrichtungen sowie Hausärzte vernetzt sein. Dabei erkennt der Betriebsarzt die Rehabilitationsbedürftigkeit des Arbeitnehmers und kann gemeinsam mit ihm ein Rehabilitations-Antragsverfahren einleiten. Ein Anforderungsprofil zum aktuellen Arbeitsplatz hilft den Fachärzten in der Reha-Klinik dabei, die Rehabilitationsmaßnahme arbeitsplatzbezogen zu gestalten. Bei der betrieblichen Wiedereingliederung des Arbeitnehmers wird der Betriebsarzt erneut mit einbezogen.

Durch

  • die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen,
  • die routinemäßigen Arbeitsplatzbegehungen,
  • betriebliche Screenings und Begutachtungen der Einsatzfähigkeit von Beschäftigten im Hinblick auf einen speziellen Arbeitsplatz,
  • das betriebliche Eingliederungsmanagement nach § 167 Abs. 2 und
  • das ergänzende Management bei Fehlzeiten und Integrationsprozessen

haben Werks- und Betriebsärzte einen besonders guten ...

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