Richtige Zuordnung von Sach... / 2 Monatsfreigrenze für sonstige Sachbezüge

2.1 44-EUR-Freigrenze

Erfüllt die Vorteilsgewährung durch den Arbeitgeber nicht die Voraussetzungen für den Rabattfreibetrag, gilt für andere Sachbezüge eine Kleinbetragsgrenze, mit der die Erfassung von geldwerten Vorteilen vereinfacht werden soll. Die Freigrenze von 44 EUR, bis zu der keine Lohnsteuer anfällt, gilt auch für Belegschaftsrabatte, sofern der Freibetrag von 1.080 EUR keine Anwendung findet. Es handelt sich nicht um eine Steuerbefreiungsvorschrift.[1]

Kleinbetragsfreigrenze für Sachbezüge

Sachbezüge von monatlich nicht mehr als 44 EUR sind lohnsteuerfrei.[2] Dieser "kleine Rabattfreibetrag" wurde zur Vereinfachung des Lohnsteuerabzugs bei Sachbezügen eingeführt. Unter die 44-EUR-Grenze fallen Sachbezüge, die der Arbeitnehmer kostenlos oder verbilligt erhält, also auch Rabatt- oder Preisvorteile. Es handelt sich dabei um eine Kleinbetragsgrenze. Bei Überschreiten der 44-EUR-Grenze muss der gesamte Preisvorteil oder Sachbezug nach den allgemeinen Regelungen versteuert werden.

 
Hinweis

Ausblick: Erhöhung der Freigrenze ab 2022

Für Lohnzahlungszeiträume ab 1.1.2022 erhöht der Gesetzgeber die monatliche Freigrenze auf 50 EUR.[3]

 
Wichtig

Kein Rabattfreibetrag bei Ansatz von Sachbezugswerten

Die Kleinbetragsregelung gilt nicht, wenn für den geldwerten Vorteil lohnsteuerlich die amtlichen Sachbezugswerte angesetzt werden (z.  B. für Mahlzeiten) oder wenn für Preis- und Rabattvorteile der Rabattfreibetrag von 1.080 EUR in Anspruch genommen werden darf bzw. die Dienstwagenbesteuerung zur Anwendung kommt.[4]

Insoweit ist die Kleinbetragsregelung nur eine Auffangvorschrift für steuerpflichtige Rabattvorteile.[5] Sie kommt zum Zuge, wenn der Rabattfreibetrag nicht zur Anwendung kommt, weil es sich um fremdbezogene Waren handelt, die zu den sog. Drittrabatten rechnen.

 
Praxis-Beispiel

44-EUR-Freigrenze bei Betriebstankstelle

Die Arbeitnehmer eines großen Betriebs können an der betriebseigenen Tankstelle verbilligt tanken. Wie ist dieser geldwerte Vorteil zu versteuern?

Ergebnis: Da es sich nicht um Waren handelt, die vom Arbeitgeber hergestellt, vertrieben oder erbracht werden, kommt der Rabattvorteil von 1.080 EUR nicht zur Anwendung. Soweit der Preisvorteil allerdings monatlich nicht mehr als 44 EUR beträgt, muss kein Rabattvorteil versteuert werden.[6]

2.2 Geldleistungen stets steuerpflichtig

Der kleine Rabattfreibetrag findet ausschließlich für Sachbezüge Anwendung. Geldleistungen, auch kleinere Beträge von deutlich weniger als 44 EUR, sind dagegen stets lohnsteuerpflichtig. Kein Sachbezug ist beispielsweise die Auszahlung von Arbeitslohn in Fremdwährung.[1] Hierunter fällt insbesondere die Zuwendung von Krüger-Rand-Münzen.[2] Auch auf zweckgebundene Geldleistungen findet die 44-EUR-Freigrenze keine Anwendung.[3]

2.3 44-EUR-Freigrenze bei Gutscheinen und Geldkarten

Einkaufsgutscheine, die ein Arbeitnehmer kostenlos oder verbilligt erhält und die zum Einkauf bei einem Dritten, z.  B. einem Kaufhaus berechtigen, können einen Sachbezug darstellen. Die Frage, ob Arbeitslohn in Form einer Sachleistung vorliegt, bestimmt sich seit 2020 ausschließlich nach der für Gutscheine und Geldkarten gesetzlich festgelegten Bestimmung des Begriffs "Sachbezug", der den bisherigen Anwendungsbereich der 44-EUR-Freigrenze deutlich einschränkt.[1]

Gesetzliche Definition für die Behandlung von Gutscheinen als Sachbezug

Abweichend von der bisherigen Verwaltungsauffassung zählen zu den Einnahmen in Geld auch

  • zweckgebundene Geldleistungen,
  • nachträgliche Kostenerstattungen,
  • Geldsurrogate und
  • andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten.

Der Gesetzgeber rechnet somit grundsätzlich alle Lohnvorteile, die auf einen Geldbetrag lauten, zu den Einnahmen in Geld. Ein Sachbezug liegt ausnahmsweise bei Gutscheinen (Gutscheinkarten, digitale Gutscheine, Gutscheincodes oder Gutschein-Apps) weiterhin vor, wenn diese

  1. ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen und
  2. ab 1.1.2022[2] die Kriterien des § 2 Abs. 1 Nr. 10 des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) erfüllen. Hierunter fallen sog. Closed-Loop-Karten oder Controlled-Loop-Karten, die zum Einkauf beim Aussteller des Gutscheins oder einem begrenzten Kreis von Akzeptanzstellen eingesetzt werden können. Ebenso als Sachlohn weiterhin anzuerkennen sind Gutscheine, die Waren und Dienstleistungen aus einer sehr begrenzten Waren- und Dienstleistungspalette zum Gegenstand haben. Die Anzahl der Akzeptanzstellen ist in diesem Fall ohne Bedeutung.

Weitere Voraussetzung für die Anwendung der 44-EUR-Freigrenze ist seit 1.1.2020, dass der Gutschein dem Arbeitnehmer zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt wird.[3]

 
Hinweis

Übergangsregelung für Gutscheine und Geldkarten bis 31.12.2021

Die zusätzlichen Voraussetzungen des § 2 Abs. 1 Nr. 10 de...

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