Resilienz

Zusammenfassung

 

Begriff

Mit dem Begriff Resilienz wird im psychologischen Sinne die Widerstandsfähigkeit von Menschen gegenüber Belastungen, andauerndem Stress und Veränderungen oder Traumata bezeichnet. Resilienz ist die Fähigkeit, sich von Krisensituationen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu erholen. Bislang gibt es kein einheitliches Verständnis davon, welche Eigenschaften oder Verhaltensweisen genau mit dem Begriff Resilienz gemeint sind, es gibt unterschiedliche Konzepte. Einige dieser Konzepte beinhalten auch einen Wachstumsgedanken: Demnach sind Menschen besonders resilient, die an Krisen wachsen und Veränderungen als Chance begreifen.

Der Begriff Resilienz kann nicht nur auf einzelne Menschen (individuelle Resilienz), sondern auch auf Gruppen oder Organisationen und Unternehmen (organisationale Resilienz) angewandt werden. Er wird auch auf natürliche oder technische Systeme bezogen (Öko- oder Wirtschaftssysteme). Ein System ist resilient, wenn es seine Funktionen angesichts äußeren oder inneren Wandels aufrechterhält oder wenn es sie im Notfall auf erträgliche und allmähliche Weise einschränkt.

1 Erläuterungen zum Begriff der Resilienz

1.1 Herkunft des Begriffs

Der Begriff Resilienz leitet sich vom lateinischen Verb resilire ab, das so viel wie zurückspringen oder abprallen bedeutet.

Ursprünglich wurde der Begriff Resilienz in der Physik, insbesondere in der Werkstoffkunde, verwendet. Hier ist damit die Eigenschaft eines Werkstoffs gemeint, nach einer Verformung durch Druck und Belastung von außen wieder in die ursprüngliche Form zurückzufinden. Z. B. ist ein Klumpen Lehm wenig resilient, er verbleibt in seiner neuen Form, wenn er zusammengedrückt wird. Ein Schwamm dagegen ist als Stoff deutlich resilienter, da er in seine alte Form zurückspringt, nachdem der Druck nachgelassen hat.

1.2 Bedeutung in der Psychologie

Seit einigen Jahrzehnten wird der Begriff auch in der Psychologie (und anderen Disziplinen) verwendet. Zuerst wurde der Begriff vorwiegend auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bezogen. So führte die Psychologin Emmy Werner Anfang der 1950er-Jahre Forschungen auf Hawaii zur Entwicklung von Kindern aus schwierigen Familienverhältnissen durch. Sie versuchte, diejenigen Schutzfaktoren zu finden, die bei einem Teil der Kinder zu einer positiven Entwicklung zu stabilen und gut integrierten Erwachsenen führten. Inzwischen wurden in zahlreichen Studien wichtige Resilienzfaktoren für Kinder und Jugendliche gefunden (s. Abschn. 2.1).

Daher gehört Resilienz inzwischen in den Ausbildungsstoff von Erzieherinnen und Erziehern sowie von Lehrern. Es gibt verschiedene Programme zur Entwicklung von Resilienz in verschiedenen Institutionen der Erziehung und Sozialarbeit.

Da psychische Belastungen auch bei Erwachsenen zunehmend die öffentliche Aufmerksamkeit finden, wurde der Resilienzgedanke inzwischen auch auf Erwachsene übertragen. Allerdings gibt es nach wie vor kein einheitliches Konzept der Resilienz. Einige Forscher bezweifeln, dass Resilienz überhaupt ein neuer Ansatz gegenüber bereits existierenden psychologischen Konzepten ist (z. B. Coping, Hardiness, Salutogenese). Andere Wissenschaftler sehen in der Resilienz durchaus ein eigenes Konstrukt, fassen dennoch unterschiedliche Fähigkeiten oder Verhaltensweisen darunter.

 

Wichtig

Resilienz lässt sich trainieren

Es wird davon ausgegangen, dass Resilienz zu einem gewissen Teil genetisch bestimmt ist, dass zur Resilienz aber auch Einstellungen, Verhaltensweisen und Fähigkeiten gehören, die sich fördern und trainieren lassen.

Gerade in der betrieblichen Gesundheitsförderung gewinnt das Resilienzkonzept immer mehr an Bedeutung. Es wird als eine vielversprechende Möglichkeit zur Prävention von psychischer Beanspruchung, negativen Stressfolgen und Burnout angesehen. Da auch in den nächsten Jahrzehnten mit einer zunehmenden Stressbelastung in Unternehmen gerechnet werden muss, wird die Förderung der Resilienz zu einem zusätzlichen Interventionsansatz der Gesundheitsförderung, neben der Verringerung der eigentlichen Stressbelastung.

Es wird allerdings auch Kritik am Resilienzkonzept und seiner Anwendung in der betrieblichen Gesundheitsförderung geäußert. Kritiker meinen, dass durch die Resilienzförderung Arbeitnehmer möglicherweise nur fit gemacht werden sollen für eine psychisch immer belastendere Arbeitswelt. Der Fokus solle stattdessen auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, also z. B. die Reduzierung der Stressbelastung, gelegt werden.

1.3 Wirkungen der Resilienz

Verschiedene Forschungsprojekte haben gezeigt, dass sich eine gute Resilienz nicht nur in einem günstigen Umgang mit Krisen und deren Bewältigung zeigt, sondern auch noch umfassendere Auswirkungen hat. So konnten als Folgen einer ausgeprägten Resilienz folgende Effekte gezeigt werden:

  • weniger körperliche Beschwerden,
  • schnellere Erholung,
  • weniger Ängste,
  • weniger Depressionen,
  • mehr Lebenszufriedenheit.

Es scheint also, dass Resilienz sich deutlich positiv auf das gesamte (körperliche, psychische und soziale) Wohlbefinden der Menschen auswirkt.

2 Resilienzkonzepte

Dem Begriff Resilienz liegt kein einheitliches psychologisches Konzept zugrunde. Verschieden...

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