Reisekosten, Inland / 3.4 Besonderheit bei Sammel- und Treffpunktfahrten

Seit 2014 dürfen Arbeitnehmer, die keine erste Tätigkeitsstätte haben, aber aufgrund einer Anweisung des Arbeitgebers dauerhaft denselben Ort aufsuchen müssen, um von dort typischerweise die arbeitstägliche berufliche Tätigkeit aufzunehmen, für diese Fahrten nur noch die Entfernungspauschale anwenden.[1] Die Fahrten von Zuhause zum arbeitsrechtlich festgelegten Ort der täglichen Berufsaufnahme werden – aufgrund ihres vergleichbaren Typus – mit den begrenzt abzugsfähigen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte gleichgesetzt.[2] Der Gesetzgeber hat den Ansatz der nachteiligen Entfernungspauschale deshalb daran geknüpft, dass der Arbeitnehmer diesen Ort typischerweise arbeitstäglich zur Arbeitsaufnahme aufsuchen muss.[3]

 
Hinweis

Was heißt "typischerweise arbeitstäglich"?

Ein Lkw-Fahrer, der lediglich an 2 bis 3 Tagen seine Fahrtätigkeit am Firmensitz des Arbeitgebers beginnt, ansonsten mehrtägige Fahrten unternimmt, sucht nach Ansicht des Niedersächsischen FG seinen Arbeitgeber nicht typischerweise arbeitstäglich auf.[4] Zu einem anderen Ergebnis gelangen das Sächsische FG und das Thüringer FG, die eine typischerweise arbeitstägliche Anfahrt zu einem Sammelpunkt auch dann annehmen, wenn zwar die Anfahrt nicht an jedem Arbeitstag stattfindet, jedoch immer dann, wenn der Mitarbeiter von seinem Wohnort aufbricht, um seine Arbeit mehrtätig auf einer Baustelle zu verrichten und diese Fahrten einen gewissen Umfang nicht überschreiten.[5] Gegen die Entscheidungen ist Revision eingelegt. Die abschließende Rechtsauslegung durch den BFH bleibt abzuwarten.

Einschränkung betrifft nur die Fahrtkosten

Die gesetzliche Fiktion beschränkt sich auf die Fahrtkosten, für die der Ansatz der Reisekostensätze ausgeschlossen ist. Da der Gesetzgeber keine erste Tätigkeitsstätte fingiert, stellt die Fahrt dem Grunde nach gleichwohl eine berufliche Auswärtstätigkeit dar. Die übrigen Reisekostenregelungen bleiben daher insoweit anwendbar. Insbesondere berechnet sich die berufliche Abwesenheitsdauer für den Ansatz von Verpflegungsspesen bereits ab dem Verlassen der Wohnung.

Ein typisches Beispiel sind die arbeitstäglichen Fahrten von Berufskraftfahrern zum Fahrzeugübernahmedepot, insbesondere bei Fahrern im gewerblichen Güterverkehr zum Lkw-Standort[6], für die ebenfalls nur die nachteilige Entfernungspauschale gilt. Die arbeitgeberseitige Festlegung der arbeitstäglichen Fahrten zum "Sammelpunkt" kann sich auch aus der jeweiligen Eigenart der betrieblichen Tätigkeit ergeben, etwa wenn Fahrer im Zustelldienst jeden Morgen zunächst ihre auszuliefernden Waren im Paketdepot abholen müssen.

Von der nachteiligen Rechtsänderung sind außerdem Fahrten von Bauarbeitern zum betrieblich festgelegten Treffpunkt betroffen, die von dort im Rahmen der angeordneten Sammelbeförderung zur jeweiligen auswärtigen Einsatzstelle fahren.

Einschränkung gilt nicht für freiwillige Fahrtgemeinschaften

Eine andere Lösung ergibt sich für Treffpunktfahrten, die nicht vom Arbeitgeber angeordnet sind.[7]

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