Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Maßnahmen für unterschiedliche Branchen

Zusammenfassung

 
Überblick

Die Faktoren, die Beschäftigte am Arbeitsplatz psychisch belasten können, sind aus der Forschung bekannt. Es gibt jedoch bestimmte Arbeitsplätze und Branchen mit einem speziellen Belastungsspektrum. Diese Belastungsschwerpunkte sollten besonders beachtet und bearbeitet werden.

1 Unterschiedliche psychische Belastung in unterschiedlichen Branchen

Die Arbeitsbedingungen sind natürlich in jeder Firma unterschiedlich, dennoch gibt es typische Belastungsfaktoren, die besonders häufig in bestimmten Branchen auftreten. Tab. 1 gibt einen Überblick, aus dem sich entnehmen lässt, auf welche Belastungsfaktoren besonders geachtet werden sollte.

 
Belastungsfaktoren Büro Industrie und Produktion Gesundheitswesen Dienstleistung KMU
Vollständigkeit der Tätigkeit x x      
Tätigkeitsspielraum   x x    
Kommunikation   x x    
Emotionale Inanspruchnahme     x x  
Unterbrechungen x   x x  
Nacht- und Schichtarbeit   x x x  
Soziale Beziehungen x        
Führungsverhalten   x x x x
Äußere Belastungsfaktoren   x x    

Tab. 1: Besonders ausgeprägte Belastungsfaktoren in verschiedenen Branchen und Unternehmenstypen

Im "Stressreport"[1] wird ausführlich dargestellt, welche Belastungsfaktoren in einzelnen Branchen über dem Durchschnitt liegen bzw. Spitzenwerte aufweisen. Eher unauffällig in Bezug auf Belastungsfaktoren sind freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen sowie der Wirtschaftszweig Wasserversorgung und Abwasser- und Abfallentsorgung. Der Wirtschaftszweig Energieversorgung dagegen weist nur in einigen Merkmalen Spitzenwerte auf, bei Störungen und Unterbrechungen, langen Arbeitszeiten, Bereitschaftsdiensten, Umstrukturierungen und Anstieg von Stress in den letzten beiden Jahren. Andere Branchen erreichen zwar keine Spitzenwerte bei der Belastung, liegen dafür aber in vielen Bereichen über dem Durchschnitt, z. B. verarbeitendes Gewerbe oder Baugewerbe. Traurige Spitzenreiter sowohl bei der Häufigkeit von überdurchschnittlichen Belastungen als auch von Spitzenwerten sind die Wirtschaftszeige Verkehr und Lagerei.

Unterschiede in der Qualität der Arbeit zeigen sich ebenfalls, allerdings fallen diese eher geringfügig aus. Nach den Befragungsergebnissen im DGB-Index Gute Arbeit 2016 (Abb. 1) liegen alle Branchen mit geringem Qualitätsabstand im unteren bis oberen Mittelfeld. Im Durchschnitt gibt es in den Branchen demnach weder ganz schlechte, noch wirklich gute Arbeit.

Abb. 1: Der DGB-Index Gute Arbeit 2016 nach Branchen[2]

In einigen Branchen werden auch deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Anzahl der Fehltage deutlich. Beispielsweise fallen in den Branchen Bildung, Kultur, Medien; Banken, Versicherungen; Öffentliche Verwaltung; Organisationen und Verbände; Datenverarbeitung und Informationsdienstleistungen sowie Gesundheitswesen deutlich mehr Fehltage bei Frauen als bei Männern an. Umgekehrt führen die Männer mit Fehltagen in den Branchen Holz, Papier, Druck sowie dem Baugewerbe deutlich.[3]

Es lässt sich auch eine Veränderung bei der Arbeitsbelastung durch die zunehmende Digitalisierung in unterschiedlichen Branchen erkennen. Im DGB-Index Gute Arbeit 2016 wurde dieser Frage nachgegangen (Abb. 2).

Abb. 2: Digitalisierung und Arbeitsbelastung – die Gesamtbilanz nach Branchen[4]

Gerade die neuen Arbeitsbelastungen durch die Digitalisierung sollten von den Unternehmen verschiedener Branchen genau betrachtet werden. Nicht alles, was machbar und scheinbar effizienter ist, ist auch gut für die Arbeitsqualität und die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

[1] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.), Stressreport Deutschland 2012, Dortmund 2012.
[2] Quelle: Repräsentativumfrage zum DGB-Index Gute Arbeit 2016.
[3] Marschall et al.: Gesundheitsreport 2016, DAK-Gesundheit, Hamburg, 2016.
[4] Quelle: Repräsentativumfrage zum DGB-Index Gute Arbeit 2016.

2 Büro und Verwaltung

Arbeiten im Büro und in der Verwaltung bestehen vorwiegend aus planerischen oder administrativen Tätigkeiten, die meist am Computer ausgeführt werden. Büroarbeit erfordert besonders hohe kognitive Leistungen. Arbeitsaufgaben müssen oft sehr exakt, aufmerksam und konzentriert bewältigt werden. Viele Beschäftigte klagen über die komplexen Anforderungen. Der dominierende Belastungsfaktor ist jedoch die Arbeitsplatzunsicherheit. Psychisch belastend wirken außerdem die hohe Arbeitsintensität, emotionale und widersprüchliche Anforderungen, arbeitsorganisatorische Probleme und das Führungsverhalten der Vorgesetzten.

Mit dem Einsatz neuer Techniken, wie Notebook, Smartphone und Internet, werden viele Arbeitsabläufe dezentralisiert, sodass das Arbeiten auch am Feierabend oder im Urlaub möglich wird. Die Mitarbeiter müssen ihre Disziplin und ihre Konzentration an allen möglichen Orten und zu allen möglichen Zeiten bereitstellen. Klare Arbeitszeiten werden häufig nicht eingehalten, die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit lösen sich auf. Der Stress wird in den Privatbereich mit hineingetragen und arbeitsfreie Zeiten sind fast nicht mehr möglich.

Folgende Faktoren helfen, den psychischen Druck möglichst gering zu halten...

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