Psychische Belastung am Arb... / 4.5 Förderung der organisationalen Resilienz

Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, sich widerstandsfähig gegenüber äußeren Belastungen und Krisensituationen zu zeigen und diese ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Physik und bezeichnet in der Werkstoffkunde die Fähigkeit eines Werkstoffs, sich verformen zu lassen und dennoch in die ursprüngliche Form zurückzufinden. Der resiliente Mensch gleicht also einem Stehaufmännchen, das sich immer wieder aufrichtet, auch wenn es durch Krisen umgestoßen wird. Damit ist der Begriff Resilienz weiter gefasst, als der Begriff Stressmanagement. In einigen Konzepten wird Resilienz auch noch weitergefasst: Es geht nicht nur darum, nach Krisen zur vorherigen Form zurückzufinden, sondern durch schwierige Situationen zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.

Der Begriff "organisationale Resilienz" wird in Abgrenzung zur individuellen Resilienz verwendet und bezieht sich immer auf die Ebene einer Organisation, also z. B. eines Unternehmens oder einer öffentlichen Verwaltung. Das Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zum Thema "Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt" beinhaltet auch den Bereich der "Organisationalen Resilienz". Hier wird der aktuelle Forschungsstand zur organisationalen Resilienz vorgestellt. Eine resiliente Organisation kann – nach der Definition des BAuA-Berichts – die Funktionalität im Hinblick auf bestimmte Ergebnisse aufrechterhalten oder nach einer Störung schnellstmöglich wiederherstellen.

Es gibt auch für die Anwendung des Begriffs Resilienz auf Organisationen und andere Einheiten keine allgemeingültige Definition. Der Bericht der BAuA benennt 2 Themenfelder: das sog. ""resilience engineering", das eine sichere Arbeitsorganisation unter schwankenden Bedingungen zum Ziel hat, und andererseits das Feld der "ganzheitlichen Produktionssysteme", das primär auf Wirtschaftlichkeit abzielt." Gerade das Themenfeld des "resilience engineering" ergibt viele Anknüpfungspunkte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Sinne einer menschengerechten Gestaltung der Arbeit.

Folgende Faktoren des "resilience engineering", die eine Sicherheit gegenüber Kontrollverlust in unerwarteten Situationen fördern, werden besonders intensiv diskutiert:

  • unterstützende Vorgaben der Führungsspitze,
  • Bereitstellung von angemessenen Ressourcen,
  • Handlungsflexibilität,
  • Transparenz,
  • kontinuierlicher Verbesserungsprozess.

Sehr hilfreich ist auch das vorgestellte Rahmenmodell zu den verschiedenen Phasen der Resilienzförderung in Organisationen. Hier werden jeweils unterschiedliche Maßnahmen vorgeschlagen, je nach dem Zeitpunkt der Maßnahme im Verhältnis zum Auftreten der Störungen im Unternehmen. Am sinnvollsten sind natürlich präventive Maßnahmen, die durch das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen das Auftreten einer Krise möglichst verhindern.

Anticipation: Hierbei geht es um das Vorhersehen einer möglichen Störung. Es geht also um das Festlegen und Überwachen möglicher Störgrößen und Warnsignale.

Buffering: Hierbei geht es darum, bereits aufgetretene Störungen möglichst frühzeitig abzupuffern, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten können. So könnten z. B. zusätzliche Ressourcen oder Ersatzsysteme bereitgehalten werden, die im Bedarfsfall schnell einsetzbar sind.

Coping and Adaption: Damit ist das Managen der akuten Krisensituation gemeint. Als Ergebnis eines gelungenen Coping kann die Organisation weiterhin funktionieren, auch wenn eine Krise eingetreten ist.

Recovery: Nach einer Störung soll die Funktionstüchtigkeit einer Organisation und Normalität möglichst schnell wiederhergestellt werden. Gerade bei Unternehmen, in denen sich Störungen nicht komplett vermeiden lassen, ist es wichtig, Prozesse zu entwickeln, die die Handlungsfähigkeit schnellstmöglich wieder ermöglichen.

Learn: Das Lernen aus einer Krise findet auch in Organisationen nach der Störung statt. Jetzt müssen Lehren aus der vergangenen Krise gezogen werden, um zukünftige Störungen möglichst zu vermeiden. So können Krisen auch ein Anlass für Change-Projekte werden.

In den USA wird der Resilienzbegriff schon länger auf Teams, Organisationen und ganze Unternehmen angewandt. Entsprechende Programme haben dort inzwischen auch Eingang in Schule, Studium, Ausbildung, Militär und Management-Trainings gefunden.

 

Praxis-Beispiel

US Army

In den USA hat ein Teil der Armee (New York National Guard) ein Resilienzprogramm für Soldaten implementiert. Es wird davon ausgegangen, dass Soldaten nicht nur ein hohes Ausmaß an körperlicher Fitness benötigen, sondern auch mental und spirituell fit sein müssen. Das Programm "Comprehensive Soldier Fitness" soll innerhalb von 6 Monaten den Umgang der Soldaten mit Stress und Herausforderungen verbessern. Dies wird als Teil eines professionellen Umgangs mit den besonderen Belastungen dieses Berufsfelds betrachtet.

Angesichts der im Rahmen der Globalisierung andauernden Veränderungen im Wirtschaftsleben ist das Thema Resilienz auch für die Wirtschaft hochinteressa...

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