Psychische Belastung am Arb... / 4.4.2 Schicht- und Nachtarbeit

Schichtarbeit ist zwar in vielen Branchen unverzichtbar, stellt aber einen starken Belastungsfaktor für die körperliche und psychische Gesundheit der Beschäftigten dar. Eine möglichst günstige Gestaltung der Schichtarbeit ist also besonders wichtig.

Der DGB-Index Gute Arbeit 2016 enthält Angaben über die Häufigkeit von Schicht- und Nachtarbeit: Von Wochenendarbeit sind immerhin ca. 30 % oft oder sogar sehr häufig betroffen, ca. 27 % arbeiten abends (zwischen 18 und 23 Uhr). Nachtdienste werden nur von 8 % der Befragten oft oder sehr häufig geleistet, 82 % arbeiten nie in der Nacht.

Menschen sind von ihrer Natur her tagaktive Wesen. Die inneren biologischen Rhythmen sind eingestellt auf den natürlichen Wechsel von Hell und Dunkel im Verlauf des Tages und werden von ihm beeinflusst. Naturgemäß wären Leistungsphasen am Tag und Ruhephasen in der Nacht. Wer also in Schichten arbeitet, muss gegen die eigene innere Uhr ankämpfen – das betrifft natürlich in besonders hohem Maße Nachtschichten. Dies erhöht außerdem sehr deutlich das Unfallrisiko. Viele Schichtarbeitende leiden unter Schlafstörungen und auch unter der mangelnden Teilhabe am sozialen Leben.

 
Achtung

Schichtarbeit mit zunehmendem Alter

Mit zunehmendem Alter wird Schichtarbeit noch belastender. Die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Schlaf- und Wachphasen sinkt. Es sollte also darauf geachtet werden, älteren Mitarbeitern möglichst wenige Wechselschichten oder Nachtdienste zuzumuten.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat die Folgen der Schicht- und Nachtarbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten untersucht und kam zu folgenden Erkenntnissen:

  • Arbeit außerhalb des Zeitfensters 7 bis 19 Uhr geht tendenziell mit schlechterer Gesundheit und Unzufriedenheit einher.
  • Arbeit in Wechselschicht ist dabei mit einem höheren Risiko verbunden als Arbeit in versetzten Arbeitszeiten – insbesondere, wenn Nachtanteile hinzukommen.
  • Bei Arbeit an Sonn- und Feiertagen sowie bei Wechselschicht mit Nachtanteilen wird die Work-Life-Balance als stärker beeinträchtigt erlebt.
  • Änderungen der Arbeitszeit aufgrund betrieblicher Erfordernisse gehen einher mit einer schlechteren Einschätzung des Gesundheitszustandes.
  • Nicht-Vorhersehbarkeit von Arbeitszeit belastet die Beschäftigten.

Auch der Gesetzgeber hat die besondere gesundheitliche Belastung durch Nacht- und Schichtdienste erkannt und daher im Arbeitsschutzgesetz festgelegt, dass die Arbeitszeiten "nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit" zu gestalten sind (§ 5 ArbSchG). Der Schwerpunkt der möglichst günstigen Gestaltung der Schichtarbeit liegt auf der organisatorischen Ebene – insbesondere der Schichtplanung.

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hat arbeitswissenschaftliche Empfehlungen zur Gestaltung von Schichtarbeit veröffentlicht:

Schichtwechsel:

  • Vorwärts und schnell rotierende Schichtsysteme wählen: z. B. zweimal hintereinander früh, zweimal spät, zweimal Nacht, zwei Tage frei.
  • Wünsche der Beschäftigten bei der Dienstplangestaltung berücksichtigen.
  • Schichtpläne zur besseren Planbarkeit für die Beschäftigten frühzeitig aufstellen und möglichst nicht kurzfristig ändern.

Schichtzeiten:

  • Frühdienste sollten möglichst spät beginnen (nicht vor 6 Uhr, besser noch später).
  • Spätdienste sollten möglichst früh enden (möglichst bis 22 Uhr, an Wochenenden besser noch früher).
  • Nachtdienste sollten möglichst früh enden (bis 6 Uhr).
  • Ideal sind flexible Anfangszeiten.
  • Für alle Schichten – auch nachts – klar definierte Pausen einplanen.

Nachtdienste:

  • Keine dauerhaften Nachtarbeitsplätze schaffen.
  • Maximal drei Nachtdienste hintereinander planen.
  • Personen über 50 Jahre wegen der verlängerten Regenerationszeiten nur in Ausnahmefällen im Nachtdienst einsetzen – und nur mit entsprechend langen Erholungszeiten.

Erholungszeiten:

  • Für mindestens elf Stunden Ruhezeit zwischen zwei Schichten sorgen.
  • Nach einer Nachtdienstphase mindestens zwei freie Tage einrichten.
  • Mindestens einen freien Abend unter der Woche und einen freien Tag am Wochenende einplanen.
  • Besser ganze freie Wochenenden statt einzelner freier Tage ermöglichen.
  • Einzelne Arbeitstage zwischen freien Tagen vermeiden.
  • Maximal fünf bis sieben Arbeitstage hintereinanderlegen.
  • Ein Zurückholen von Beschäftigten aus der Freizeit vermeiden.

Tätigkeitsverteilung:

  • Körperlich schwere oder fehlerkritische Aufgaben nach Möglichkeit tagsüber erledigen (lassen).
  • Nachts insbesondere zwischen 2 und 4 Uhr keine aufmerksamkeitsintensiven Tätigkeiten ausführen (lassen).
 
Praxis-Tipp

Partizipation der Mitarbeiter

Auch bei der Gestaltung der Schicht- und Nachtarbeit bietet sich eine gute Gelegenheit für die Partizipation der Beschäftigten. Sie sollten unbedingt bei der Schichtplanung einbezogen werden.

Ganz allgemein steigern Möglichkeiten der Mitgestaltung die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter. Außerdem verkraften einzelne Mitarbeiter Schichtarbeit unterschiedlich gut. Eine Rolle spielt ...

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