Psychische Belastung am Arb... / 4.1 Betriebliches Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung

Es ist noch längst keine Selbstverständlichkeit, dass Unternehmen ein systematisches und regelmäßiges Gesundheitsmanagement betreiben. Auch die Firmen, die bereits gut funktionierende Strukturen und Abläufe für das Gesundheitsmanagement aufgebaut haben, sind oft noch sehr stark auf den Arbeits- und Unfallschutz bzw. auf körperliche Gefährdungen ausgerichtet. Dementsprechend werden als erstes dann z. B. Rückenschulen oder mobile Massagen als Maßnahmen eingeführt. Psychische Belastungen und Stress gelten immer noch als Tabuthemen. Insbesondere Unternehmensleitungen gestehen oft nur ungern ein, dass sie ihren Mitarbeitern Stress verursachen und damit auch verantwortlich sind für mögliche Ausgleichs- oder Gegenmaßnahmen.

So sollten psychische Gefährdungen und Belastungen genauso feste Bestandteile und Themen des betrieblichen Gesundheitsmanagements sein wie die körperlichen Belastungen. Dies setzt voraus, dass regelmäßig Analysen über die psychischen Belastungsfaktoren der Mitarbeiter durchgeführt werden. Außerdem muss die Bereitschaft vorhanden sein, auch sensible Themen, wie die Unternehmenskultur, das Führungsverhalten und Arbeitsorganisation und -menge, zu erkunden und ggf. Änderungsmaßnahmen zu ergreifen. Psychische Belastung muss genauso regelmäßig auf der Tagesordnung stehen wie die körperliche! Es muss also ein passendes Know-how für dieses Thema innerhalb des Unternehmens aufgebaut werden oder es kann alternativ eine feste Zusammenarbeit mit externen Experten erfolgen.

In vielen Unternehmen ist die Tendenz zu beobachten, Themen der Gesundheitsförderung erst dann anzugehen, wenn es bereits zu starken Auffälligkeiten gekommen ist, z. B. zu überdurchschnittlichen Fehlzeiten, erhöhter Fluktuation oder Unruhe in bestimmte Abteilungen. Auch besorgniserregende Ergebnisse im Gesundheitsbericht einer Krankenkasse sind Anlass, sich um die Probleme zu kümmern. Das hat zur Folge, dass immer nur Krisenherde bearbeitet werden, aber wenig Prävention erfolgt. Auch den Mitarbeitern wird das Signal gesendet: Das Unternehmen kümmert sich erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Spezielle Aufmerksamkeit erhalten die Personen oder Teams, die in irgendeiner Form auffällig geworden sind, z. B. in Form eines betrieblichen Eingliederungsmanagements.

Tatsächlich sind es aber oft nur Einzelpersonen oder bestimmte Bereiche im Betrieb, die als problematisch auffallen. Alle anderen Mitarbeiter kommen regelmäßig zur Arbeit und sind fleißig und unauffällig. Diese Mitarbeiter und deren Bedürfnisse bekommen dann häufig zu wenig Beachtung. So ist ein zweistufiges Vorgehen sinnvoll. Die erste Stufe der Präventionsangebote ist an die Mitarbeiter gerichtet, die (noch) keinerlei Probleme oder Auffälligkeiten zeigen; das sind meistens mindestens 75 %. Hier geht es also um Primärprävention. Die zweite Stufe beinhaltet Maßnahmen der Sekundär- und Tertiärprävention, also die Früherkennung von Belastungen bzw. die Linderung von bereits eingetretenen Folgeschäden. Hiermit werden maximal 25 % der Mitarbeiter angesprochen.

Abb. 9: Aufbauendes Vorgehen bei der Gesundheitsförderung

Maßnahmen der innerbetrieblichen Gesundheitsprävention können auf 3 verschiedenen Ebenen stattfinden (s. a. Tab. 6):

  1. Primärprävention: Verringerung von gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen oder gesundheitsschädlichem Verhalten der Mitarbeiter.
  2. Sekundärprävention: Früherkennungsmaßnahmen zur möglichst frühzeitigen Erkennung und Behandlung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und psychischer Überbeanspruchung.
  3. Tertiärprävention: Maßnahmen zur Verhinderung von Rückfällen oder Verschlimmerungen und Funktionseinbußen bei bereits vorhandenen Gesundheitsbeeinträchtigungen.
 
Präventionsart Mögliche Maßnahmen
Primärprävention
  • Stressmanagement
  • Zeitmanagement
  • Selbstmanagement
  • Work-Life-Balance
  • Konfliktmanagement
  • Führungskräfte-Trainings zur gesundheitsgerechten Mitarbeiterführung
  • Team-Entwicklung
  • Veränderungen der Arbeitsabläufe
  • Veränderung der Arbeitsumgebung
  • Veränderung der Kommunikationsstruktur
  • Erweiterung von Handlungs- und Entscheidungsspielräumen
  • Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Präventives Krisencoaching, Supervision
  • Sicherung von Arbeitsplätzen
  • Personalentwicklung
Sekundärprävention
  • Mitarbeitergespräche
  • Führungskräfte-Trainings zum Führen von Gesundheitsgesprächen
  • Mitarbeiterbefragungen
  • Gesundheitszirkel
  • Betriebsärztliche Untersuchungen
Tertiärprävention
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement
  • Anpassung von Arbeitsplätzen
  • Führungskräfte-Trainings zum Führen von Rückkehrgesprächen
  • Flexible Arbeitszeiten, reduzierte Arbeitszeiten

Tab. 6: Maßnahmen der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen die o. g. Themenbereiche im Betrieb umgesetzt werden können, z. B.

  • arbeitsplatzbezogene praktische Anleitungen,
  • Kursprogramme, Gruppenschulungen,
  • Seminare, Trainings, Workshops, Online-Schulungsangebote,
  • Vortrag, Tagung,
  • individuelle Beratung, Coaching,
  • Organisationsberatung und -entwicklung,
  • Gesundheitstage oder Ak...

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