Psychische Belastung am Arb... / 6.3 Präsentismus

Krankheitsbedingte Fehlzeiten und die dadurch entstehenden Kosten stellen nur eine Seite des Geschehens dar. Aber auch Beschäftigte, die trotz Krankheit oder Unwohlsein zur Arbeit erscheinen, verursachen Schäden und Kosten! Gerade Menschen mit Depressionen oder Angststörungen gehen häufig trotz ihrer Beschwerden weiter arbeiten und suchen erst spät professionelle Hilfe. Durch dieses "Präsentismus" genannte Phänomen kommt es in den Betrieben zu deutlichen Produktivitätseinbußen, da die Betroffenen weniger leistungsfähig und oft fehleranfälliger sind.

Über 70 % der Befragten einer repräsentativen Studie zum Thema Präsentismus gaben an, im Vorjahr zur Arbeit gegangen zu sein, obwohl sie sich krank fühlten. Ein Drittel erschien sogar am Arbeitsplatz gegen den Rat des Arztes .

Eine Studie der Unternehmensberatung Booz & Company für die Felix-Burda-Stiftung geht noch weit über diese Kostenschätzungen hinaus: Die nur durch Fehlzeiten entstandenen Kosten (Absentismus) von 1.199 EUR pro Mitarbeiter und Jahr erfassen nur rund ein Drittel der Kosten, die tatsächlich in deutschen Unternehmen durch Krankheit anfallen. Der größere Teil entsteht jedoch dadurch, dass Arbeitnehmer trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen. Durch ihre eingeschränkte Einsatzfähigkeit vermindert sich ihre Arbeitsqualität, erhöht sich ihre Fehleranfälligkeit und die Anzahl der Unfälle. Durch eine Verzögerung der Genesung kann es auch zu chronischer Erkrankung und Burnout kommen.

Die Kosten für diesen sog. Präsentismus werden auf jährlich 2.399 EUR pro Mitarbeiter geschätzt. Für den Arbeitgeber steigen damit die krankheitsbedingten Kosten auf 3.598 EUR jährlich pro Arbeitnehmer. Nach dieser Studie verliert die deutsche Volkswirtschaft rund 10 % des Bruttoinlandsproduktes durch Arbeitnehmer, die krank zur Arbeit gehen.

Abb. 12: Kosten von Präsentismus und Absentismus

Ein Forschungsbericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin kommt zu dem Ergebnis, dass durch Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen 9,47 Arbeitsstunden in der Woche verlorengehen, durch Präsentismus bei psychischer Erkrankung 3,72 Arbeitsstunden pro Woche. Es wird berichtet, dass psychisch kranke Mitarbeiter nur 67 % ihrer Arbeitszeit effektiv arbeiten. Pro Mitarbeiter verlieren Unternehmen so 27 Tage im Jahr an Arbeitsleistung. Es geht doppelt so viel Arbeitsproduktivität durch Präsentismus verloren wie durch Absentismus.

Diese Produktionsausfälle und Kosten werden oft nicht gesehen und berücksichtigt, weil die betroffenen Arbeitnehmer ja am Arbeitsplatz erscheinen. Wie produktiv sie dann tatsächlich im gesundheitlich angeschlagenen Zustand sein können, wird häufig nicht gesehen.

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