Psychische Belastung am Arb... / 6.1 Psychische Störungen

Es lässt sich zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Folgen von Überbeanspruchung bei der Arbeit unterscheiden (Tab. 6). Die kurzfristigen Folgen lassen sich meist relativ schnell durch eine Verringerung des Belastungsniveaus und ausreichende Erholung wieder reduzieren. Die mittel- und langfristigen Folgen können zu ernstzunehmenden Störungen und zu innerbetrieblichen Beeinträchtigungen führen.

 
kurzfristig mittelfristig langfristig
Ermüdung Ängstlichkeit Leistungsschwankungen
innere Anspannung Unzufriedenheit schlechtere Arbeitsqualität
mangelnde Konzentration schlechteres Wohlbefinden kurzsichtige Entscheidungen
Nervosität, Angst Resignation Verschlechterung der Koordination
Reizbarkeit Depression Rückzugsverhalten
Ärger, Wut Einschlafstörungen Zunahme von Fehlzeiten
  kritisches Gesundheitsverhalten Konflikte mit Vorgesetzten, Kollegen
  psychosomatische Erkrankungen  

Tab. 6: Folgen von Überbeanspruchung bei der Arbeit

 
Wichtig

Fakten für Europa

  • Fast jeder Zweite in der EU erkrankt während seines Lebens an einer psychischen Störung. In der Altersgruppe der 18- bis 65-jährigen Europäer liegt der Anteil der Betroffenen nach konservativen Schätzungen bei 27 % pro Jahr – das entspricht ca. 93 Mio. Menschen.
  • Die Gesamtkosten für psychische Störungen in Europa beliefen sich in 2004 auf geschätzte 240 Mrd. EUR, von denen jedoch nur knapp die Hälfte auf direkte Kosten, z. B. für medizinische Behandlung, zurückgeführt wird. Den mit 55 % größeren Anteil (ca. 132 Mrd. EUR) machen indirekte Kosten aus, verursacht durch reduzierte Produktivität während der Arbeitsjahre und vorzeitige Berentung.

Außerdem treten psychische Störungen selten allein auf. Häufig liegen mehrere Diagnosen vor oder sie sind von körperlichen Erkrankungen begleitet. So treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskel-Skelett-Erkrankungen, Diabetes und chronische Schmerzen häufiger bei gleichzeitig vorliegenden psychischen Störungen auf. Psychische Störungen können in jedem Alter auftreten, es können also sowohl jüngere, als auch ältere Arbeitnehmer betroffen sein. Frauen erkranken fast doppelt so häufig wie Männer. Bei den Männern kommen häufiger Alkohol- oder Substanzmissbrauch vor.

Die meisten Fehltage entfielen auf Depressionen, gefolgt von Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen. Die Pauschaldiagnose "Burnout" ist deutlich seltener geworden.[1] Die häufigsten psychischen Störungen bei 18- bis 65-Jährigen in der EU sind Depressionen und Angststörungen.

Abb. 8: Gesundheitliche Folgen von extremem Stress (in %)[2]

[1] DAK-Gesundheitsreport 2016.
[2] Quelle: Techniker Krankenkasse, Kundenkompass Stress, 2009.

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