Prüfungen in der berufliche... / 4.3 Zulassung in besonderen Fällen

§ 45 BBiG und § 37 HwO regeln die Zulassung in besonderen Fällen.

Als "besondere Fälle" beschreiben die Absätze 1–3 der genannten Vorschriften

  • Auszubildende mit überdurchschnittlichen Leistungen (Abs. 1)
  • Externe ohne Berufsausbildung, aber mit Berufserfahrung (Abs. 2)
  • aktive und ehemalige Soldaten mit einschlägigen Fertigkeiten und Kenntnissen (Abs. 3)

4.3.1 Überdurchschnittliche Leistungen

Nach Anhörung der Ausbildenden und der Berufsschule können Auszubildende gemäß § 45 Abs. 1 BBiG bzw. § 37 Abs. 1 HwO vor Ablauf ihrer Ausbildungszeit zur Abschluss- bzw. Gesellenprüfung zugelassen werden, wenn ihre Leistungen dies rechtfertigen.

Es gibt grundsätzlich 2 Möglichkeiten, die zu einer Verkürzung der in der Ausbildungsordnung (vgl. auch § 4 BBiG und § 25 HwO) vorgesehenen Ausbildungszeit führen können. So sieht § 7 Abs. 1 BBiG vor, dass Landesregierungen nach Anhörung des Landesausschusses für Berufsbildung im Wege der Rechtsverordnung dahingehend bestimmen können, dass der Besuch eines Bildungsgangs berufsbildender Schulen oder die Berufsbildung in einer sonstigen Einrichtung ganz oder teilweise auf die Ausbildungszeit angerechnet werden kann. Zum anderen können Auszubildende vor Ablauf der Ausbildungszeit zur Abschluss- bzw. Gesellenprüfung zugelassen werden, wenn die Leistungen dies rechtfertigen.

Da sowohl § 45 Abs. 1 BBiG als auch § 37 Abs. 1 HwO als Bemessungsgrundlage für eine leistungsbegründete Verkürzung die individuelle ("ihre") Ausbildungszeit zugrunde legen und nicht die allgemein gültige Ausbildungszeit nach der Ausbildungsordnung, müsste demnach auch die Möglichkeit bestehen, eine schon wegen der beruflichen Vorbildung verkürzte Ausbildungszeit noch ein weiteres Mal zu verkürzen, wenn zudem in dieser bereits verkürzten Ausbildungszeit auch noch überdurchschnittliche Leistungen erbracht werden.

Dieses Verfahren hat dann auch dergestalt praktische Konsequenzen, dass die Azubis/Lehrlinge das erste Berufschuljahr überspringen und mit Klasse 2 beginnen. Auch wenn es sich dabei chronologisch um das "erste" Ausbildungsjahr handelt, erhalten die Azubis/Lehrlinge die Ausbildungsvergütung gemäß ihrem tatsächlichen Berufsschul-Status, also nach Klasse 2 = zweites Ausbildungsjahr.

Von der aufgrund beruflicher Vorbildung begründbaren Verkürzung ist die Verkürzung aufgrund der allgemeinen Bildungsvoraussetzungen zu unterscheiden (§ 8 BBiG, § 27b HwO).

Damit werden zwingend (Zitat: "hat auf Antrag zu verkürzen") die Fälle geregelt, in denen z. B. Abiturienten eine Berufsausbildung antreten. Hier kann bereits aufgrund des Abiturzeugnisses eine Verkürzung der Ausbildungszeit um ein volles Jahr genehmigt werden.

Anders als die beruflich Vorgebildeten erhalten die (nur) allgemein besonders Vorgebildeten jedoch keinen "Bonus" bei der Ausbildungsvergütung. Für sie ist das erste Ausbildungsjahr sowohl berufsschulisch als auch finanziell das erste Ausbildungsjahr.

4.3.2 Externe mit Berufserfahrung

Zur Abschluss- bzw. Gesellenprüfung ist nach § 45 Abs. 2 BBiG bzw. § 37 Abs. 2 HwO auch zuzulassen, wer nachweist, dass er mindestens das Eineinhalbfache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, in dem Beruf tätig war, in dem er die Prüfung ablegen will. Diese sog. Externenprüfung soll Erwerbstätigen, die keine Berufsausbildung durchlaufen haben, aber über entsprechende Berufserfahrung verfügen, ebenfalls ermöglichen, ihre berufliche Qualifikation nachzuweisen.

Als Ausbildungsdauer gilt der in der Ausbildungsordnung als Regelausbildungszeit bezeichnete Zeitraum. Über den (Mindest)Inhalt der Tätigkeiten, die zugrunde gelegt werden, sagt diese Regelung jedoch nichts aus. Es kann insbesondere nicht Voraussetzung zur Zulassung sein, zu prüfen, ob der Prüfungsaspirant alle Tätigkeiten des Ausbildungsberufsbilds, das in der Ausbildungsordnung geregelt ist, durchlaufen haben muss. Tätigkeiten als Hilfskraft oder in einem anderen Beruf reichen nicht aus. Wer dagegen die erforderliche Zeit als Praxiszeit nachweisen kann, hat aber einen Rechtsanspruch auf Zulassung zur Externenprüfung.[1]

Die Nachweise über das Absolvieren der geforderten Praxiszeit können in geeigneter Form glaubhaft gemacht werden. Dafür kommen u. a. in Betracht die Vorlage von Zeugnissen, Arbeitsbescheinigungen, Versicherungsnachweisen oder anderen Dokumenten, ersatzweise auch durch glaubwürdige und nachprüfbare schriftliche Bestätigungen (von ehem. Arbeitskollegen etc.).

[1] Hessischer VGH, Urteil v. 13.2.1973, II OE 129/72.

4.3.3 Soldaten und Soldatinnen

Eine Gruppierung, die nach der zum 1.7.2011 wirksam gewordenen Wehrrechts-Reform voraussichtlich in besonderer Weise in den Blickpunkt gerät, stellen die aktiven und die ehemaligen Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr dar.[1]

Nach § 45 Abs. 3 BBiG bzw. § 37 Abs. 3 HwO sind Soldaten und Soldatinnen auf Zeit und ehemalige Soldaten oder Soldatinnen zur Abschlussprüfung zuzulassen, wenn das Bundesverteidigungsministerium oder die von ihm bestimmte Stelle bescheinigt, dass der Bewerber bzw. die Bewerberin berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten erworben hat, die die Zulassung zur Prüfung rechtfertigen.

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