Praxis-Beispiele: Sonstige Bezüge

1 Urlaubsgeld

 

Sachverhalt

Ein Arbeitgeber bezahlt seinen Mitarbeitern im Juni 2020 auf freiwilliger Basis ein Urlaubsgeld in Höhe eines halben Monatsgehalts. Er möchte sich die Möglichkeit offen halten, über die Zahlung in jedem Jahr neu entscheiden zu können.

Ein Mitarbeiter verdient monatlich 3.900 EUR. In seinen ELStAM ist die Steuerklasse I, 0,5 Kinderfreibetrag, ev., gespeichert. Der KV-Zusatzbeitrag beträgt 0,9 %.

Wie errechnet sich die Lohnsteuer auf den sonstigen Bezug und bis zu welchem Betrag ist die Einmalzahlung sozialversicherungspflichtig?

Lösung

Urlaubsgeld gehört sozialversicherungsrechtlich zu den Einmalzahlungen bzw. lohnsteuerrechtlich zu den sonstigen Bezügen. Für diese gelten besondere arbeits-, lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtliche Regelungen.

Sonstige Bezüge müssen nach der Jahreslohnsteuertabelle versteuert werden.

 
Lohnsteuer    
Voraussichtlicher Jahresarbeitslohn ohne sonstigen Bezug (3.900 EUR × 12 Monate) 46.800,00 EUR  
Lohnsteuer darauf   7.793,00 EUR
Voraussichtlicher Jahresarbeitslohn mit sonstigem Bezug (46.800 EUR + 1.950 EUR) 48.750,00 EUR  
Lohnsteuer darauf   8.352,00 EUR
Lohnsteuer auf den sonstigen Bezug (8.352 EUR – 7.793 EUR) 559,00 EUR  
Solidaritätszuschlag darauf (559 EUR x 5,5 %) 30,74 EUR  
Kirchensteuer darauf (559 EUR x 9 %) 50,31 EUR  
 
Sozialversicherungsrechtlich ist die anteilige Beitragsbemessungsgrenze für den entsprechenden Zeitraum zu ermitteln:  
Kranken- und Pflegeversicherung  
Anteilige Jahresbeitragsbemessungsgrenze Januar bis Juni 2020 (4.687,50 EUR × 6 Monate) 28.125 EUR
Beitragspflichtiges Entgelt (3.900 EUR × 6 Monate + 1.950 EUR) - 25.350 EUR
Spielraum bis zur Beitragsbemessungsgrenze 2.775 EUR
Das gesamte Urlaubsgeld ist sozialversicherungspflichtig. Da die Beitragsbemessungsgrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung in jedem Falle höher liegt, erübrigt sich im vorliegenden Fall die Prüfung.

Hinweis

Einmalzahlungen bleiben bei der Ermittlung der Umlage 1 (für Krankheitsaufwendungen) und der Umlage 2 (für Mutterschaftsaufwendungen) gemäß Aufwendungsausgleichsgesetz außer Ansatz.

Achtung

Sofern Urlaubsgeld ohne Vorbehalt 3-mal hintereinander gezahlt wird, entsteht eine betriebliche Übung. Die Arbeitnehmer können hieraus einen Rechtsanspruch ableiten. Dies kann verhindert werden, indem die Zahlung jeweils unter Vorbehalt gestellt wird bzw. dieser Vorbehalt bereits im Arbeitsvertrag ausdrücklich formuliert ist.

2 Jahresbonus

 

Sachverhalt

Ein Handelsunternehmen aus Rostock zahlt im Januar einen Umsatzbonus für das vergangene Jahr. Eine Mitarbeiterin mit einem Gehalt von 3.900 EUR erhält 2020 einen Umsatzbonus von 6.000 EUR. Ihr Jahresbruttoentgelt in 2019 betrug 49.500 EUR.

Wie wird der Umsatzbonus lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtlich behandelt?

Lösung

Der Umsatzbonus ist im Januar 2020 als sonstiger Bezug nach der Jahreslohnsteuertabelle zu versteuern. Im Steuerrecht gilt das Zuflussprinzip: Die Lohnsteuer fällt in dem Jahr an, in dem die Zahlung erfolgt.

In der Sozialversicherung ist die Anwendung der Märzklausel zu prüfen: Dazu ist die anteilige Jahresbeitragsbemessungsgrenze per 31.1.2020 bei krankenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern in der Kranken- und Pflegeversicherung und bei krankenversicherungsfreien Arbeitnehmern in der Renten- und Arbeitslosenversicherung dem beitragsrechtlichen Entgelt per 31.1.2020 gegenüber zu stellen:

 
Kranken- und Pflegeversicherung  
Anteilige Jahresbeitragsbemessungsgrenze bis 31.1.2020 (4.687,50 EUR × 1 Monat) 4.687,50 EUR
Beitragspflichtiges Entgelt per 31.1.2020 (3.900 EUR x 1 Monat + 6.000 EUR) 9.900 EUR
Die Differenz von 5.212,50 EUR wäre im Januar 2020 kranken- und pflegeversicherungsfrei.

Als Folge wird die gesamte Einmalzahlung dem Vorjahr (= Anwendung der Märzklausel) zugeordnet.

 
Kranken- und Pflegeversicherung  
Jahresbeitragsbemessungsgrenze 2019 54.450 EUR
Beitragspflichtiges Jahresarbeitsentgelt 2019 - 49.500 EUR
Noch nicht verbeitragt 4.950 EUR

Von der Einmalzahlung von 6.000 EUR im Januar 2020 sind 4.950 EUR kranken- und pflegeversicherungspflichtig.

Die restlichen 1.050 EUR (6.000 EUR – 4.950 EUR) aus der Einmalzahlung bleiben kranken- und pflegeversicherungsfrei.
 
Renten- und Arbeitslosenversicherung  
Jahresbeitragsbemessungsgrenze 2019 73.800 EUR
Beitragspflichtiges Jahresarbeitsentgelt 2019 - 49.500 EUR
Noch nicht verbeitragt 24.300 EUR
Die gesamte Einmalzahlung von 6.000 EUR ist renten- und arbeitslosenversicherungspflichtig.

Hinweis

Bei krankenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern ist in jedem Fall auf die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung abzustellen. Bei krankenversicherungsfreien (freiwillig oder privat versicherten) Arbeitnehmern ist nur die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung anzuwenden.

Praxis-Tipp

Wird der Jahresbonus im Entgeltabrechnungsprogramm als Einmalzahlung gekennzeichnet, führt das Entgeltabrechnungsprogramm die Prüfung der Märzklausel automatisch durch. Nur bei Wechsel des Entgeltabrechnungsprogramms müssen die Vorjahreswerte manuell vortragen werden, d...

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