Praxis-Beispiele: Lohnsteue... / 2 Ausschluss bei eingetragenem Frei- oder Hinzurechnungsbetrag
 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer mit Steuerklasse I, einem Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung von 1,1 % und einem Monatslohn von 3.500 EUR erhält im November 2020 ein Weihnachtsgeld von 3.500 EUR. Aus der Vermietung einer Eigentumswohnung erzielt er einen steuerlichen Verlust von rund 8.000 EUR pro Jahr.

Im Oktober 2020 beantragt er bei seinem zuständigen Finanzamt die Eintragung eines Freibetrags in den ELStAM für den Verlust aus Vermietung und Verpachtung. Das Finanzamt verteilt diesen auf die verbleibenden 2 vollen Monate (November – Dezember), sodass ein Freibetrag von monatlich 4.000 EUR in den ELStAM hinterlegt wird.

Ist der Lohnsteuer-Jahresausgleich durch den Arbeitgeber zulässig?

Lösung

Für diesen Mitarbeiter darf der Arbeitgeber keinen Lohnsteuer-Jahresausgleich durchführen. Wird bei der Lohnsteuerberechnung ein Freibetrag bzw. ein Hinzurechnungsbetrag berücksichtigt, schließt dies einen Lohnsteuer-Jahresausgleich aus.

Der Freibetrag von monatlich 4.000 EUR wirkt sich nur bei den Entgeltabrechnungen November und Dezember steuermindernd aus. Im November führt der Freibetrag zu einer Lohnsteuer von 0 EUR. Im Dezember beträgt die Lohnsteuer ebenfalls 0 EUR, jedoch kann der Freibetrag nicht in voller Höhe ausgenutzt werden, da dieser 500 EUR über dem tatsächlichen Arbeitslohn liegt.

In diesem Fall ist der Ausschluss des Lohnsteuer-Jahresausgleichs für den Arbeitnehmer steuerlich nachteilig. Die Verteilung des Freibetrags auf die Monate November und Dezember führt dazu, dass aus dem Jahresarbeitslohn (45.500 EUR) insgesamt 4.985 EUR Lohnsteuer und 274,17 EUR Solidaritätszuschlag einbehalten werden. Hätte der Arbeitnehmer sich den Freibetrag bereits zum Anfang des Jahres eintragen lassen, wäre der Vermietungsverlust von 8.000 EUR mit monatlich 666,66 EUR auf 12 Monate verteilt worden. Durch die gleichmäßige Verteilung des Freibetrags hätte sich die Jahreslohnsteuer auf 4.834 EUR und der Solidaritätszuschlag auf 265,87 EUR vermindert.

Selbst bei gleichmäßiger Verteilung des Freibetrags ergäbe sich bei Nichtanwendung des Lohnsteuer-Jahresausgleichs ein Nachteil: Arbeitslohnschwankungen im laufenden Jahr können am Jahresende nicht ausgeglichen werden. Durch den Lohnsteuer-Jahresausgleich wird dieser Nachteil behoben: Der Jahresbruttoarbeitslohn wird rechnerisch gleichmäßig auf 12 Monate verteilt; die Lohnsteuer wird dann für einen Monat ermittelt und mit 12 multipliziert. Das Ergebnis entspricht der Lohnsteuer laut Jahreslohnsteuertabelle. In der Praxis übernimmt dies das Entgeltabrechnungsprogramm.

Hinweis

Der Arbeitgeber hat keinen Einfluss auf diese Verschiebungen beim Lohnsteuerabzug. Für ihn ist der Lohnsteuer-Jahresausgleich ausgeschlossen, wenn der Arbeitnehmer einen Freibetrag eintragen lässt; gleichzeitig besteht dann für den Arbeitnehmer die Verpflichtung, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung gleicht sich der ggf. zu hohe Lohnsteuerabzug aus, sodass dem Arbeitnehmer steuerlich kein Nachteil entsteht.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge