Praxis-Beispiele: Lohnsteue... / 1 Überprüfung des Lohnsteuereinbehalts
 

Sachverhalt

Ein Mitarbeiter mit Steuerklasse I, keine Kinder, ev. (Kirchensteuer 8 %), Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung 1,1 %, erhält monatlich 3.000 EUR brutto. Im April 2020 zahlt der Arbeitgeber eine Erfolgsprämie von 2.500 EUR, die als sonstiger Bezug versteuert wird. Zum 1.10.2020 erhöht sich sein Gehalt auf 4.000 EUR im Monat. Der Jahresbruttolohn des Arbeitnehmers beträgt damit 41.500 EUR.

Der Arbeitgeber hat 30 Mitarbeiter, das Entgeltabrechnungsprogramm führt automatisch einen Lohnsteuer-Jahresausgleich für den Arbeitgeber durch.

Ist der Lohnsteuer-Jahresausgleich durch den Arbeitgeber zulässig und wie sieht der Vergleich zwischen den einbehaltenen Steuerbeträgen und der tatsächlichen Jahreslohnsteuer aus?

Lösung

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, einen Lohnsteuer-Jahresausgleich durchzuführen, wenn er am 31.12. des Ausgleichsjahres mindestens 10 Mitarbeiter beschäftigt. Ein Ausschlussgrund, der den Lohnsteuer-Jahresausgleich verbieten würde, liegt nicht vor.

Zur Berechnung der Lohnsteuer auf den sonstigen Bezug wird die Jahreslohnsteuer aus 36.000 EUR (3.000 EUR × 12) und aus 38.500 EUR (36.000 EUR + 2.500 EUR) ermittelt.

 
Jahreslohnsteuer aus 38.500 EUR 5.497,00 EUR
Abzgl. Jahreslohnsteuer aus 36.000 EUR - 4.861,92 EUR
Lohnsteuer für den sonstigen Bezug 635,08 EUR

Zusätzlich muss der Arbeitgeber für den Einmalbezug 34,97 EUR Solidaritätszuschlag und 50,84 EUR Kirchensteuer einbehalten.

Tatsächlich liegt der Jahresarbeitslohn jedoch bei 41.500 EUR (9 × 3.000 EUR + 2.500 EUR + 3 × 4.000 EUR).

Die Lohnerhöhung ab Oktober 2020 führt wegen des progressiven Steuertarifs zu einer deutlich höheren Jahreslohnsteuer. Ab Oktober erhöht sich der monatliche Lohnsteuerabzug:

  • bei 3.000 EUR: 405,16 EUR,
  • bei 4.000 EUR: 673,16 EUR.

Dieser erhöhte Lohnsteuerabzug reicht aus, um die zusätzliche Lohnsteuer aufzuholen.

Für den Arbeitnehmer wurden in 2020 folgende Steuerabzugsbeträge einbehalten:

 
Monat Bruttolohn Lohnsteuer Solidaritätszuschlag Kirchensteuer
1-9 27.000 EUR 3.646,44 EUR 200,52 EUR 291,69 EUR
Sonderzahlung 2.500 EUR 635,08 EUR 34,97 EUR 50,84 EUR
10-12 12.000 EUR 2.019,48 EUR 111,06 EUR 161,55 EUR
Gesamtsumme 41.500 EUR 6.301,00 EUR 346,55 EUR 504,08 EUR

Die Berechnung des Lohnsteuer-Jahresausgleichs ergibt sich aus folgender Tabelle:

 
Für 2020 Tatsächlich einbehaltene Steuerbeträge Steuerbeträge laut Jahreslohnsteuer-Berechnung Mehrbetrag / Minderbetrag (-)
Arbeitslohn/Jahr 41.500,00 EUR 41.500,00 EUR  
Lohnsteuer 6.301,00 EUR 6.284,00 EUR – 17,00 EUR
Solidaritätszuschlag 346,55 EUR 345,63 EUR – 0,92 EUR
Kirchensteuer 504,08 EUR 502,72 EUR – 1,36 EUR

Der Vergleich der zutreffend einbehaltenen Lohnsteuer mit der tatsächlichen Jahreslohnsteuer zeigt, dass bei diesem Arbeitnehmer während des Jahres 2020 zu viel Lohnsteuer einbehalten wurde. Die "Erstattung" der Steuerbeträge ergibt sich aus der Kombination der Lohnerhöhung von 3.000 EUR auf 4.000 EUR ab Oktober und der Abrechnung eines sonstigen Bezugs von 2.500 EUR im April.

Im Beispiel beträgt die Erstattung für die Lohnsteuer 17,00 EUR, für den Solidaritätszuschlag 0,92 EUR und für die Kirchensteuer 1,36 EUR. Die Erstattung der Lohnsteuer und der Annexsteuern in Höhe von insgesamt 19,28 EUR muss der Arbeitgeber in der Dezember-Abrechnung vornehmen.

Wurde zu wenig Lohnsteuer einbehalten, muss der Arbeitgeber prüfen, woher die Differenz stammt:

  • Hat der Arbeitgeber den Lohnsteuerabzug nicht zutreffend vorgenommen, d. h. der Fehler liegt beim Arbeitgeber, muss die Lohnsteuer mit der nächstmöglichen Entgeltabrechnung beim Arbeitnehmer nachgefordert werden. Ist dies nicht möglich, weil der Arbeitnehmer z. B. ausgeschieden ist, oder das Lohnsteuerverfahren für das laufende Jahr bereits abgeschlossen wurde (die Lohnsteuerbescheinigung wurde bereits ausgestellt), muss der Arbeitgeber den Fehler beim Lohnsteuerabzug unverzüglich dem Betriebsstättenfinanzamt anzeigen. Hierdurch schließt der Arbeitgeber eine drohende Haftung aus. Das Finanzamt kann Beträge über 10 EUR vom Arbeitnehmer nachfordern.
  • Wurde der Lohnsteuerabzug zutreffend vorgenommen, besteht für den Arbeitgeber keine Verpflichtung zur Nacherhebung der Lohn- und Annexsteuern (Kirchensteuer und Solidaritätszuschalg). Auch braucht er das Betriebsstättenfinanzamt hierüber nicht zu unterrichten. In diesem Fall wird die Lohnsteuer im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung des Arbeitnehmers nacherhoben, sofern der Arbeitnehmer zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet ist bzw. freiwillig eine Einkommensteuererklärung abgibt. Es kann sogar zu einem endgültigen Ausfall der Lohnsteuer kommen, wenn der Arbeitnehmer im Rahmen der Antragsveranlagung nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet ist.

Bei einer korrekten Entgeltabrechnung sind Steuernachzahlungen in der Praxis selten. Sie sind denkbar, wenn sonstige Bezüge auf einem "niedrigen" Lohnniveau versteuert wurden, und später der laufende monatliche Arbeitslohn stark erhöht wird. Werden nach einer Lohnerhöhung nochmals sonstige Bezüge wi...

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