Praxis-Beispiele: Kurzfrist... / 8 Kurzfristige Beschäftigung über den Jahreswechsel
 

Sachverhalt

Eine Hausfrau wird für 6 Tage in der Woche (jeweils 4 Stunden) für Reinigungsarbeiten eingestellt, das Entgelt beträgt 500 EUR monatlich. Die Beschäftigung ist von vornherein befristet vom 15.11.2020 bis 28.2.2021. Eine Wiederholungsabsicht besteht nicht. Die eingestellte Mitarbeiterin war zuvor noch nicht kurzfristig beschäftigt und wird auch im Jahr 2021 voraussichtlich keine weitere kurzfristige Beschäftigung aufnehmen.

Liegt hier eine sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung vor?

Lösung

Die Beschäftigung erfolgt an 6 Tagen pro Woche, damit gilt für eine kurzfristige Beschäftigung die Zeitgrenze von 3 Monaten pro Kalenderjahr, die im Grunde bei der vorliegenden Beschäftigung sowohl für das Jahr 2020 als auch für das Folgejahr 2021 eingehalten wäre.

Dennoch liegt keine sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung vor, denn

  • bei einer Beschäftigung über den Jahreswechsel müssen die Beschäftigungszeiten in beiden Kalenderjahren zusammengerechnet werden bzw. die Beschäftigung wird im Ganzen betrachtet.
  • Die Voraussetzungen einer sozialversicherungsfreien kurzfristigen Beschäftigung sind nur gegeben, wenn die Beschäftigung von vornherein auf nicht mehr als 3 Monate oder 70 Arbeitstage (auch kalenderjahrüberschreitend) befristet ist und nicht berufsmäßig ausgeübt wird.

Die Beschäftigung der Reinigungskraft erfüllt auch nicht die Voraussetzungen für eine geringfügig entlohnte Beschäftigung, da das regelmäßige Arbeitsentgelt mehr als 450 EUR beträgt.

Der Arbeitgeber muss die Reinigungskraft daher als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bei der zuständigen Krankenkasse anmelden und die regulären Sozialversicherungsbeiträge abführen:

  • Personengruppenschlüssel 101
  • Beitragsgruppenschlüssel lautet 1111.
  • Die Besteuerung muss nach den ELStAM erfolgen (ggf. Lohnsteuerklasse VI).

Eine Lohnsteuerpauschalierung scheidet grundsätzlich aus, da der steuerlich relevante Zeitrahmen von 18 zusammenhängenden Arbeitstagen sowohl im Jahr 2020 als auch im Jahr 2021 überschritten ist. Die Anwendung der einheitlichen Pauschalsteuer von 2 % scheidet von vornherein aus, da sozialversicherungsrechtlich keine geringfügig entlohnte Beschäftigung vorliegt. Die Lohnsteuerpauschalierung mit 20 % für geringfügig entlohnte Beschäftigungen ist wegen der Entgelthöhe und der gegebenen Rentenversicherungspflicht nicht möglich.

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