Praxis-Beispiele: Kurzfrist... / 4 Nachträgliche Verlängerung (Ausnahmeregelung)
 

Sachverhalt für Beschäftigungen vom 1.3.2020 bis 31.10.2020

Eine Hausfrau wird vom 1.5. bis 15.9.2020 als befristete Krankheitsvertretung eingestellt. Die Aushilfe arbeitet 5 Tage pro Woche für ein monatliches Entgelt von 1.000 EUR. Die Mitarbeiterin ist ansonsten nicht berufstätig und hat im maßgebenden Jahr noch keine kurzfristige Beschäftigung ausgeübt.

Am 11.9.2020 teilt die durch die Aushilfe vertretene Mitarbeiterin mit, dass sie wegen Erkrankung die Arbeit erst am 21.9.2020 (Montag) wieder aufnehmen kann. Der Arbeitgeber verlängert daraufhin das Arbeitsverhältnis der Aushilfe bis zum 18.9.2020 (Freitag).

Am 18.9.2020 meldet sich die erkrankte Mitarbeiterin weiter krank. Sie kann erst am 5.10.2020 (Montag) die Arbeit wieder aufnehmen. Die Aushilfe ist erneut bereit, das Arbeitsverhältnis bis zum Ende der Erkrankung der Vollzeitkraft und somit bis zum 23.10.2020 (Freitag) zu verlängern.

Welchen Einfluss haben die beiden nachträglichen Verlängerungen der Beschäftigung auf die lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtliche Behandlung?

Lösung

Die ursprünglich vereinbarte befristete Beschäftigung vom 1.5. bis 15.9.2020 ist kurzfristig und sozialversicherungsfrei. Die Tätigkeit wird nicht berufsmäßig ausgeübt und ist von vornherein auf weniger als 5 Monate pro Kalenderjahr begrenzt. Da die Aushilfe an 5 Tagen pro Woche arbeitet, ist allein die 5-Monatsfrist maßgebend. Bei der Einstellung der Mitarbeiterin am 1.7.2020 wird sie bei der Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See angemeldet, der Personengruppenschlüssel lautet 110, der Beitragsgruppenschlüssel 0000.

Die erste Verlängerung der Beschäftigung bis zum 21.9.2020 ändert an dieser Beurteilung nichts; die Beschäftigungsdauer vom 1.7. bis 18.9.2020 liegt noch innerhalb der 5-Monatsgrenze und bleibt damit als kurzfristige Beschäftigung weiterhin sozialversicherungsfrei. In der Praxis würde sich lediglich die Abmeldung bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See auf den 18.9.2020 verschieben.

Von erheblicher Bedeutung ist jedoch die weitere Verlängerung, die am 18.9.2020 mit der Aushilfe vereinbart wird. Mit der Verlängerung der Beschäftigung bis zum 23.10.2020 wird die 5-Monatsfrist für das Kalenderjahr überschritten. Damit liegt keine sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung mehr vor. Die Voraussetzungen für eine kurzfristige Beschäftigung fallen zum Zeitpunkt der Vereinbarung am 18.9.2020 weg, sodass ab diesem Tag die Sozialversicherungspflicht eintritt. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung scheidet wegen der Entgelthöhe von regelmäßig mehr als 450 EUR monatlich aus.

Für den Zeitraum vom 1.7. bis 18.9.2020 bleibt es dagegen bei der Beurteilung als sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung. Zum 18.9.2020 muss die Aushilfe vom Arbeitgeber bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See abgemeldet werden. Zum 19.9.2020 muss sie vom Arbeitgeber bei der zuständigen Krankenkasse als versicherungspflichtig Beschäftigte angemeldet werden. Der Personengruppenschlüssel lautet 101, der Beitragsgruppenschlüssel 1111.

Die Besteuerung der Aushilfstätigkeit muss in jedem Fall nach den ELStAM erfolgen. Die Voraussetzungen für eine steuerliche kurzfristige Beschäftigung sind nicht erfüllt, da die Zeitgrenze von 18 zusammenhängenden Arbeitstagen deutlich überschritten wird. Eine Lohnsteuerpauschalierung im Zusammenhang mit der kurzfristigen Beschäftigung scheidet somit aus.

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