Praxis-Beispiele: Kurzfrist... / 2 Nachträgliche Verlängerung, Ausnahmeregelung 2021, Beschäftigungsbeginn vor dem 1.6.2021
 

Sachverhalt

Eine Hausfrau ist vom 1.5. bis 30.7.2021 als befristete Krankheitsvertretung eingestellt. Die Aushilfe arbeitet 5 Tage pro Woche (insgesamt 63 Arbeitstage) für ein monatliches Entgelt von 1.000 EUR. Die Mitarbeiterin ist ansonsten nicht berufstätig und hat im maßgebenden Jahr noch keine kurzfristige Beschäftigung ausgeübt. Am 27.7.2021 teilt die durch die Aushilfe vertretene Mitarbeiterin mit, dass sie wegen Erkrankung die Arbeit erst am 10.8.2021 (Dienstag) wieder aufnehmen kann. Der Arbeitgeber verlängert daraufhin das Arbeitsverhältnis der Aushilfe um 6 Arbeitstage bis zum 9.8.2021 (Montag). Am 9.8.2021 meldet sich die erkrankte Mitarbeiterin weiter krank. Sie kann erst am 18.10.2021 (Montag) die Arbeit wieder aufnehmen. Die Aushilfe ist erneut bereit, das Arbeitsverhältnis bis zum Ende der Erkrankung der Vollzeitkraft und somit um weitere 49 Arbeitstage bis zum 15.10.2021 (Freitag) zu verlängern. Welchen Einfluss haben die beiden nachträglichen Verlängerungen der Beschäftigung auf die lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtliche Behandlung?

Ergebnis

Die ursprünglich vereinbarte befristete Beschäftigung vom 1.5. bis 30.7.2021 ist kurzfristig und sozialversicherungsfrei. Vor dem 1.6.2021[1] ist aufgrund der Bestandsschutzregelung weiterhin die Zeitgrenze von 3 Monaten bzw. 70 Arbeitstagen pro Kalenderjahr maßgebend. Die Tätigkeit wird nicht berufsmäßig ausgeübt und ist von vornherein auf weniger als 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage begrenzt. Bei der Einstellung der Mitarbeiterin am 1.5.2021 wird sie bei der Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See angemeldet, der Personengruppenschlüssel lautet 110, der Beitragsgruppenschlüssel 0000. Auch die erste Verlängerung der Beschäftigung bis zum 9.8.2021 ändert an der Beurteilung nichts; die Beschäftigungsdauer vom 1.5. bis 9.8.2021 liegt noch innerhalb der Zeitgrenze von 4 Monaten bzw. 102 Arbeitstagen und bleibt damit als kurzfristige Beschäftigung weiterhin sozialversicherungsfrei. In der Praxis hat sich lediglich die Abmeldung bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See auf den 9.8.2021 verschoben. Von erheblicher Bedeutung ist jedoch die weitere Verlängerung, die am 9.8.2021 mit der Aushilfe vereinbart wurde. Mit der Verlängerung der Beschäftigung bis zum 15.10.2021 wird die Zeitgrenze von 4 Monaten bzw. 102 Arbeitstagen für das Kalenderjahr überschritten. Damit liegt keine sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung mehr vor. Die Voraussetzungen für eine kurzfristige Beschäftigung entfallen zum Zeitpunkt der Vereinbarung am 9.8.2021, sodass ab diesem Tag die Sozialversicherungspflicht eintritt. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung scheidet wegen der Entgelthöhe von regelmäßig mehr als 450 EUR monatlich aus. Für den Zeitraum vom 1.5. bis 8.8.2021 bleibt es bei der bisherigen Beurteilung als sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung. Zum 8.8.2021 muss die Aushilfe vom Arbeitgeber bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See abgemeldet werden. Zum 9.8.2021 muss sie vom Arbeitgeber bei der zuständigen Krankenkasse als versicherungspflichtig Beschäftigte angemeldet werden. Der Personengruppenschlüssel lautet 101, der Beitragsgruppenschlüssel 1111.

Lohnsteuerliche Beurteilung

Die Besteuerung der Aushilfstätigkeit muss in jedem Fall nach den ELStAM erfolgen. Die Voraussetzungen für eine steuerliche kurzfristige Beschäftigung werden von Anfang an nicht erfüllt, da die Zeitgrenze von 18 zusammenhängenden Arbeitstagen deutlich überschritten werden. Eine Lohnsteuerpauschalierung im Zusammenhang mit der kurzfristigen Beschäftigung scheidet somit aus.

[1] Inkrafttreten der Übergangsregelung mit dem Vierten Gesetz zur Änderung des Seefischereigesetzes.

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