Praxis-Beispiele: Kurzarbei... / 7 Einmalzahlung im Abrechnungsmonat (Arbeitnehmer, ledig, kein Kind, privat kranken-/pflegeversichert)
 

Sachverhalt

Ein Elektroingenieur, Steuerklasse I, keine Kinder, erhält ein regelmäßiges Bruttoentgelt von 5.600 EUR. Im Dezember 2020 verdient er wegen Kurzarbeit nur 4.500 EUR brutto. Er erhält zusätzlich eine Einmalzahlung (Weihnachtsgeld) in Höhe von 2.500 EUR. Der Arbeitnehmer ist privat kranken-/pflegeversichert.

Wie werden das Kurzarbeitergeld und die Beiträge zur Sozialversicherung berechnet?

Lösung

Das Kurzarbeitergeld für den Arbeitnehmer ohne Kind im Sinne des Steuerrechts beträgt 60 % der Nettoentgeltdifferenz. Die Nettoentgeltdifferenz entspricht dem Unterschiedsbetrag zwischen dem pauschalierten Nettoentgelt aus dem gerundeten Soll- bzw. Istentgelt.

 
Gerundetes Sollentgelt 5.600,00 EUR  
Pauschaliertes Nettoentgelt aus dem Sollentgelt   3.197,92 EUR
Gerundetes Istentgelt 4.500,00 EUR  
Pauschaliertes Nettoentgelt aus dem Istentgelt   2.730,25 EUR
Nettoentgeltdifferenz (Sollentgelt ./. Istentgelt)   467,67 EUR
Kurzarbeitergeld für Dezember 2020 (467,67 x 60 %)   280,60 EUR

Hinweis: Die Einmalzahlung im Dezember ist weder beim Sollentgelt noch beim Istentgelt zu berücksichtigen. Dies wirkt sich bei den Beispieldaten zum Vorteil des Arbeitnehmers aus: Da das Kurzarbeitergeld maximal einen Entgeltausfall bis zur Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der Arbeitslosenversicherung (2020: 6.900 EUR/mtl. im Bundesgebiet West) absichert, ergäbe sich bei Einbeziehung der Einmalzahlung kein Anspruch auf Kurzarbeitergeld, da das Istentgelt zuzüglich der Einmalzahlung (4.500 EUR + 2.500 EUR = 7.000 EUR) die BBG übersteigen würde. Indem die Einmalzahlung außer Betracht bleibt, ergibt sich ein zu ersetzender Bruttoentgeltausfall (unterhalb der BBG) und damit ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Es unterliegt als Entgeltersatzleistung aber dem steuerlichen Progressionsvorbehalt, d. h. es wird als Einkommen bei der Ermittlung des Steuersatzes berücksichtigt.

Berechnung der Beiträge zur Sozialversicherung

Für die Berechnung der SV-Beiträge ist zwischen dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt und dem Kurzarbeitergeld zu unterscheiden:

  • Für die SV-Beiträge aus dem tatsächlich erzielten Entgelt gelten die allgemeinen Regelungen zur Berechnung, Tragung und Zahlung der Beiträge in allen Zweigen der Sozialversicherung.
  • SV-Beiträge aus dem Kurzarbeitergeld sind zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zu entrichten, nicht jedoch zur Arbeitslosenversicherung. Als beitragspflichtige Einnahme ist ein fiktives Arbeitsentgelt in Höhe von 80 % des Unterschiedsbetrags zwischen dem ungerundeten Soll- und Istentgelt zugrunde zu legen.
  • Die auf das Kurzarbeitergeld entfallenden Beiträge sind allein vom Arbeitgeber zu tragen.

Wegen der privaten Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung/sozialen Pflegeversicherung sind keine Pflichtbeiträge zu entrichten. Der Arbeitnehmer erhält vom Arbeitgeber einen Beitragszuschuss. Für die Höhe des Beitragszuschusses ist wiederum zwischen dem tatsächlich erzielten Entgelt und dem durch Kurzarbeitergeld ersetzten Entgelt zu unterscheiden.

  • Bezogen auf das tatsächlich erzielte Entgelt erhält der Arbeitnehmer einen Zuschuss in Höhe des Betrags, den der Arbeitgeber bei Versicherungspflicht zu tragen hätte.
  • Soweit Kurzarbeitergeld bezogen wird, ist der Beitragszuschuss in Höhe des Betrags zu zahlen, den der Arbeitgeber als Beitrag bei gesetzlich Versicherten zu tragen hätte. Der Beitragszuschuss wird maximal jedoch in Höhe des Betrags geleistet, den die Beschäftigte für ihre Krankenversicherung zu zahlen hätte.
 
Abrechnungsmonat Dezember 2020
Brutto-Sollentgelt 5.600 EUR
Abzgl. Brutto-Istentgelt - 4.500 EUR
Differenz 1.100 EUR
Fiktives Entgelt für Beitragsberechnung Kurzarbeitergeld (1.100 x 80 %) 880 EUR
 
Beitragspflichtige Einnahmen (ohne Einmalzahlung)
  KV / PV RV ALV
SV Entgelt Beitragszuschuss 4.500 EUR 4.500 EUR
SV Fiktives Entgelt Beitragszuschuss 880 EUR 0 EUR
SV Gesamt Beitragszuschuss 5.380 EUR 4.500 EUR

Hinweis

Im Fall der späteren Arbeitslosigkeit entstehen dem Arbeitnehmer durch die für Zeiten des Kurzarbeitergeldbezugs nicht zu entrichtenden Beiträge zur Arbeitslosenversicherung keine Nachteile bei der Bemessung des Arbeitslosengeldes. Soweit Zeiten der Kurzarbeit in die Arbeitslosengeldberechnung einfließen, ist für diese Zeiten – unabhängig von der Höhe der Beiträge – das Bruttoentgelt zugrunde zu legen, das der Arbeitnehmer ohne die Kurzarbeit erzielt hätte.

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