Praxis-Beispiele: Kurzarbei... / 6 Arbeitnehmerin ist privat kranken-/pflegeversichert, verheiratet und hat 3 Kinder
 

Sachverhalt

Eine Architektin, Steuerklasse III, 3 minderjährige Kinder, beschäftigt im Bundesgebiet West, verdient grundsätzlich 7.200 EUR brutto pro Monat. Im Oktober 2020 reduziert sich das Entgelt wegen Kurzarbeit auf 3.600 EUR brutto. Die Arbeitnehmerin ist privat krankenversichert.

Wie werden das Kurzarbeitergeld und die Beiträge zur Sozialversicherung berechnet?

Lösung

Das Kurzarbeitergeld für die Arbeitnehmerin mit mindestens einem Kind im Sinne des Steuerrechts beträgt 67 % der Nettoentgeltdifferenz. Die Nettoentgeltdifferenz entspricht dem Unterschiedsbetrag zwischen dem pauschalierten Nettoentgelt aus dem gerundeten Soll- bzw. Istentgelt

 
Gerundetes Sollentgelt 6.900,00 EUR  
Pauschaliertes Nettoentgelt aus dem Sollentgelt   4.315,90 EUR
Gerundetes Istentgelt 3.600,00 EUR  
Pauschaliertes Nettoentgelt aus dem Istentgelt   2.580,04 EUR
Nettoentgeltdifferenz (Sollentgelt ./. Istentgelt)   1.735,86 EUR
Kurzarbeitergeld Oktober 2020 (1.735,86 x 67 %)   1.163,03 EUR

Hinweis: Als Sollentgelt ist maximal ein Entgelt in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der Arbeitslosenversicherung im Bundesgebiet West (2020: 6.900 EUR/mtl.) zugrunde zu legen.

Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Es unterliegt als Entgeltersatzleistung aber dem steuerlichen Progressionsvorbehalt, d. h. es wird als Einkommen bei der Ermittlung des Steuersatzes berücksichtigt.

Berechnung der Beiträge zur Sozialversicherung

Für die Berechnung der SV-Beiträge ist zwischen dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt und dem Kurzarbeitergeld zu unterscheiden:

  • Für die SV-Beiträge aus dem tatsächlich erzielten Entgelt gelten die allgemeinen Regelungen zur Berechnung, Tragung und Zahlung der Beiträge in allen Zweigen der Sozialversicherung.
  • SV-Beiträge aus dem Kurzarbeitergeld sind zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zu entrichten, nicht jedoch zur Arbeitslosenversicherung. Als beitragspflichtige Einnahme ist ein fiktives Arbeitsentgelt in Höhe von 80 % des Unterschiedsbetrags zwischen dem ungerundeten Soll- und Istentgelt zugrunde zu legen.
  • Die auf das Kurzarbeitergeld entfallenden Beiträge sind allein vom Arbeitgeber zu tragen.
 
Abrechnungsmonat Oktober 2020
Brutto-Sollentgelt (maximal in Höhe der BBG) 6.900 EUR
Abzgl. Brutto-Istentgelt - 3.600 EUR
Differenz 3.300 EUR
Fiktives Entgelt für Beitragsberechnung Kurzarbeitergeld (3.300 x 80 %) 2.640 EUR
 
Beitragspflichtige Einnahmen
  KV / PV RV ALV
SV Entgelt Beitragszuschuss 3.600 EUR 3.600 EUR
SV Fiktives Entgelt Beitragszuschuss 2.640 EUR 0 EUR
SV Gesamt Beitragszuschuss 6.240 EUR 3.600 EUR

Hinweis

Da die Arbeitnehmerin privat kranken- und pflegversichert ist, sind keine Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zu entrichten. Sie erhält vom Arbeitgeber weiterhin einen Beitragszuschuss zum Beitrag der privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Für die Höhe des Beitragszuschusses ist wiederum zwischen dem tatsächlich erzielten Entgelt und dem durch Kurzarbeitergeld ersetzten Entgelt zu unterscheiden.

  • Bezogen auf das tatsächlich erzielte Entgelt erhält die Arbeitnehmerin einen Beitragszuschuss grundsätzlich in Höhe des Betrags, der sich als Beitrag bei Versicherungspflicht für den Arbeitgeber ergeben hätte, begrenzt auf die Hälfte des Beitrags für die private Versicherung.
  • Soweit Kurzarbeitergeld bezogen wird, ist der Beitragszuschuss in Höhe des Betrags zu zahlen, den der Arbeitgeber als Beitrag bei gesetzlich Versicherten zu tragen hätte, d. h. insoweit übernimmt der Arbeitgeber auch bei privat Versicherten den Arbeitnehmeranteil. Der Beitragszuschuss wird maximal jedoch in Höhe des Betrags geleistet, den die Beschäftigte für ihre Krankenversicherung zu zahlen hätte.

Für einen späteren Fall der Arbeitslosigkeit entstehen der Arbeitnehmerin durch die für Zeiten des Kurzarbeitergeldbezugs nicht zu entrichtenden Beiträge zur Arbeitslosenversicherung keine Nachteile bei der Bemessung des Arbeitslosengeldes. Soweit Zeiten der Kurzarbeit in die Arbeitslosengeldberechnung einfließen, ist für diese Zeiten – unabhängig von der Höhe der Beiträge – das Bruttoentgelt zugrunde zu legen, das die Arbeitnehmerin ohne die Kurzarbeit (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) erzielt hätte.

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