Praxis-Beispiele: Baulohn / 6 13. Monatseinkommen kaufmännische Angestellte (Beginn oder Ende im Bezugszeitraum)
 

Sachverhalt

Eine kaufmännische Angestellte ist seit 15.4.2020 bei einer Firma beschäftigt, die zum Geltungsbereich des Bundesrahmentarifvertrags (BRTV) des Bauhauptgewerbes gehört und einen Betriebsrat hat. Das 13. Monatseinkommen wird nach den Vorschriften des Tarifvertrags[1] im Baugewerbe gewährt, es beträgt 60 % des Tarifgehalts und ist zur Hälfte im November und zur Hälfte im April des Folgejahres auszuzahlen.[2] Bezugszeitraum ist vom 1.12. bis zum 30.11. Die Angestellte hat ein Monatsgehalt von 4.281 EUR.[3]

Dauert das Arbeitsverhältnis eines Arbeitnehmers am Stichtag 30.11. noch nicht 12 Monate, hat er Anspruch auf 1/12 des 13. Monatseinkommens je vollen Beschäftigungsmonat, wenn seine Beschäftigung länger als 3 Monate ununterbrochen besteht.[4]

Wie hoch fällt das 13. Monatseinkommen für die Mitarbeiterin aus?

Lösung

 
Gesamtanspruch: 4.281 EUR x 60 % = 2.568,60 EUR, gerundet[5] 2.569,00 EUR
Anspruch für 2020: 7/12 von 2.569,00 EUR (Mai bis November; April wird nicht mitgerechnet, da nur teilweise gearbeitet) 1.498,58 EUR
Auszahlung November: 1.498,58 EUR : 2 749,29 EUR
Auszahlung April Folgejahr: 1.498,58 EUR : 2 749,29 EUR
Es handelt sich um sonstige Bezüge im Steuerrecht und um Einmalzahlungen im Sozialversicherungsrecht.

Praxis-Tipp

Bei vielen Baulohn-Programmen gibt es vordefinierte Lohnarten für das 13. Monatseinkommen. Diese sollten verwendet werden, da diese Lohnart bestimmte Pfändungsgrenzen[6] berücksichtigt.

Durch eine freiwillige Betriebsvereinbarung kann auch eine abweichende Höhe über das 13. Monatseinkommen vereinbart werden.[7] Der Sockelbetrag von 780 EUR darf aber nicht unterschritten werden. Die Auszahlung im November darf den Betrag von 520 EUR nicht unterschreiten. Bei Beginn der Beschäftigung ist der Sockelbetrag auf die Anzahl der Monate mit Anspruch umzurechnen (im o. g. Beispiel wären es 7/12 von 780 EUR).

Bei Teilzeitbeschäftigten verringert sich das 13. Monatseinkommen im Verhältnis der wöchentlichen Arbeitszeit zur tariflichen Arbeitszeit. Ändert sich die vereinbarte Arbeitszeit innerhalb des Bezugszeitraums, ist für die Höhe des 13. Monatseinkommens nicht die am Stichtag, sondern die in jedem einzelnen Kalendermonat vereinbarte Arbeitszeit anteilig zugrunde zu legen. Diese o. g. Regelung bei Beginn der Beschäftigung, gilt auch bei Ende des Arbeitsverhältnisses. Ein Anspruch besteht bei Beendigung nur dann nicht, wenn es sich um eine außerordentliche Kündigung des Arbeitgebers handelt oder wenn der Arbeitnehmer ohne wichtigen Grund ohne Einhaltung der Kündigungsfrist aus dem nicht einvernehmlich aufgehobenen Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist.[8]

Wichtiger Hinweis:

Hier ist der Schiedsspruch der Tarifparteien vom 12.5.2018 zu beachten:

 
Jahr West
2018 Wiederinkraftsetzung, Wegfall der Kürzungsmöglichkeit bei Krankheit
2020 Ang. 60 % ihres Tarifgehalts
2021 Ang. 66 % ihres Tarifgehalts
Ab 2022 Ang. 72 % ihres Tarifgehalts

Für Mitgliedsbetriebe des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein und der Verbände baugewerblicher Unternehmen Niedersachsen, Hessen und im Lande Bremen sowie in allen Betrieben im Beitrittsgebiet (neue Bundesländer) gilt abweichend der oben genannten Tabelle[9]:

 
Jahr Ost, ZDB-Nord-West
2018 Keine Änderung
2020 Ang. 10 % ihres Tarifgehalts
2020 Ang. 21 % ihres Tarifgehalts
2020 Ang. 32 % ihres Tarifgehalts

Im Tarifgebiet West bleibt der Mindestbetrag unverändert bei 780 EUR. Im Tarifgebiet Ost (und Verbandsgebiet ZDB-Nord-West) gilt im Jahr 2021 ein Mindestbetrag von 390 EUR und ab dem Jahr 2022 von 500 EUR.

[1] TV 13. ME/Ang/Pol.
[2] § 6 Abs. 1 TV 13. ME/Ang/Pol.
[3] § 3 Abs. 2 Gruppe A VI TV Gehalt West.
[4] § 2 TV 13.ME/Ang/Pol.
[5] § 2 Abs. 1 Satz 2 TV 13. ME/Ang./Pol.
[7] § 1 Satz 3 TV 13. ME/Ang/Pol.; Öffnungsklausel.
[8] § 2 TV 13. ME/Ang/Pol.
[9] § 2 Abs. 3 TV 13. ME/Arb.

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