Praxis-Beispiele: Abfindungen / 2 Berechnung mit sonstigem Bezug
 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer mit einem laufenden Monatslohn von 3.500 EUR erhält im Dezember 2020 infolge einer vom Arbeitgeber veranlassten Auflösung des Dienstverhältnisses zum 31.12.2020 eine Abfindung von 55.000 EUR. Als weiteren Einmalbezug hat er im Juli 2020 1.750 EUR Urlaubsgeld erhalten. Er hat die Steuerklasse IV, 1,0 Kinderfreibeträge, die Kirchensteuer beträgt 9 %. Der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung wird mit 1,1 % angenommen.

Wie ist die Abfindung lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtlich zu behandeln?

Lösung

Sozialversicherungsrechtlich gelten Entlassungsabfindungen nicht als Arbeitsentgelt und sind daher in der Sozialversicherung ohne betragsmäßige Grenzen beitragsfrei.

Die Lohnsteuer auf die Abfindung muss nach der Fünftelregelung ermittelt werden, da es in 2019 zu einer Zusammenballung von Einkünften kommt.

 
Zunächst ist der Jahresarbeitslohn ohne die Einmalzahlung zu ermitteln:
Jahresarbeitslohn (3.500 EUR × 12 Monate) 42.000,00 EUR
Zzgl. Urlaubsgeld 1.750,00 EUR
Gesamt 43.750,00 EUR
Lohnsteuer laut Jahrestabelle 6.927,00 EUR
Die Abfindung i. H. v. 55.000 EUR ist nach der Fünftelregelung zu besteuern:
Jahresarbeitslohn (3.500 EUR × 12 Monate + Urlaubsgeld) 43.750,00 EUR
Zzgl. 1/5 von 55.000 EUR 11.000,00 EUR
Gesamt 54.750,00 EUR
Lohnsteuer laut Jahrestabelle 10.123,00 EUR
Differenz der beiden Lohnsteuerbeträge (10.123 EUR ./. 6.927 EUR) 3.196,00 EUR
Lohnsteuer auf die Abfindung (3.196 EUR x 5) 15.980,00 EUR
Davon 5,5 % Solidaritätszuschlag 878,90 EUR
Davon 9 % Kirchensteuer 1.438,20 EUR

Praxis-Tipp

Hat der ausscheidende Arbeitnehmer im Folgejahr voraussichtlich keine oder nur geringe Einkünfte, kann es sinnvoll sein, den Zahlungszeitpunkt ins Folgejahr zu verschieben, auch wenn dann die Fünftelregelung u. U. nicht mehr angewendet werden darf.

Hinweis

Bei der Berechnung bleibt unberücksichtigt, dass eine Entlassungsabfindung nicht zur Bemessungsgrundlage für die Vorsorgepauschale gehört (§ 39b Abs. 2 Satz 5 Nr. 3 EStG). Dies führt im Lohnsteuerabzugsverfahren zu einer abweichenden Lohnsteuer als oben dargestellt. Ein Ausgleich bzw. eine Überprüfung erfolgt regelmäßig im Einkommensteuer-Veranlagungsverfahren.

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