Onboarding und Führung von ... / 3.1 Gespräche im Verlauf der Ausbildung

Die Regeln zur Gesprächsführung mit Auszubildenden weichen nicht von den allgemeinen Regeln der Gesprächsführung ab. Es gibt jedoch einige ergänzenden Punkte.

3.1.1 Begrüßungsgespräch

Zu Beginn der Ausbildung wird in vielen Unternehmen eine kleinere Begrüßungsveranstaltung angeboten. Ob eintägig oder mehrtägig – wichtig ist, dass der Auszubildende sich willkommen fühlt. Er sollte vom ersten Tag an das Gefühl haben, dass er ein gern gesehener Mitarbeiter in dem Unternehmen ist und Wertschätzung erfahren. Dies wird beispielsweise dadurch erreicht, dass sich die Geschäftsleitung, der Personalleiter oder andere "hochrangige" Personen im Unternehmen mit den neuen Auszubildenden zusammensetzen oder sie zumindest kurz begrüßen. Einzelne Präsentationen, vielleicht sogar von Auszubildenden höherer Ausbildungsjahre, gepaart mit erlebnispädagogischen Spielen erleichtern den Einstieg in die Ausbildung.

Für das erste intensive Gespräch zwischen Ausbilder und Auszubildenden sollte ausreichend Zeit zur Verfügung stehen. Das Gespräch sollte eher personenzentriert als aufgabenorientiert geführt werden. Dies bedeutet, dass es das Ziel sein sollte, die Person zu stärken, ihr den Einstieg zu erleichtern und erst in zweiter Linie Arbeitsergebnisse oder Abläufe im Detail zu besprechen.

Folgende Fragen können beispielsweise gestellt werden.

  • Wie ist die Ausbildung bisher verlaufen?
  • Welche Erwartungen, aber auch Befürchtungen haben Sie, wenn Sie an Ihre Ausbildung denken?
  • Welche Werte sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig? Wie leben Sie diese Werte bzw. was tun Sie dafür, dass diese Werte auch in Ihrem Umfeld gelebt werden?
  • Welchen Beitrag leisten Sie, damit Ihre Ausbildung erfolgreich verläuft?

In dem Gespräch können auch die Punkte angesprochen werden, die aus Sicht des Unternehmens wichtig sind.

Es ist ratsam, sich Punkte zu notieren, die wichtig erscheinen, da sie vielleicht im Verlauf der Ausbildung nochmals an Bedeutung gewinnen werden.

3.1.2 Probezeitabschlussgespräch

Die Probezeit ist für den Auszubildenden die erste Hürde, die es zu überwinden gilt.

Daher ist es ratsam, das Gespräch mit entsprechender Sensibilität zu führen. Dies beginnt bei der Terminvereinbarung mit dem Auszubildenden.

Sätze wie "Ich freue mich, mit Ihnen ein Gespräch zu führen, bei dem es um die ersten Erfolge im Verlauf Ihrer Ausbildung geht", schaffen eine positive Ausgangsbasis für das Gespräch.

Es kann aber auch sein, dass die Probezeit genutzt werden muss, um das Ausbildungsverhältnis aufzulösen. Für diese Fälle sind eher Ankündigungen wie "Wir setzen uns zusammen, um auszuloten, inwieweit wir gemeinsame Sichtweisen finden können" möglich. Für den Fall, dass beabsichtigt wird, das Ausbildungsverhältnis während der Probezeit zu beenden, sollte das Gespräch rechtzeitig eingeplant sein. Soll es am letzten Tag der Probezeit geführt werden und hat der Auszubildende Vorahnung und meldet sich just an diesem Tag arbeitsunfähig, dann kann es zu der unangenehmen Konsequenz führen, dass die Probezeit als "bestanden" gilt. Sicherlich gibt es noch entsprechende Maßnahmen, dass die Kündigung entsprechend überstellt wird usw. Aber es dürfen auch interne sowie betriebsverfassungsrechtliche Regelungen nicht außer Acht gelassen werden.

Wird der positive Fall unterstellt – d. h. die Probezeit wurde erfolgreich bestanden – dann sollte das Gespräch dem Auszubildenden zusätzliche Sicherheit geben. Ihm kann eine erste Rückmeldung gegeben werden, wie seine ersten Schritte seiner Ausbildung wahrgenommen wurden. Hier helfen auch Leistungsübersichten von der Berufsschule und eventuelle Berichte aus der Abteilung, die bereits vorliegen.

3.1.3 Jahresgespräch

Ein Jahr nach Ausbildungsbeginn sollte ein weiteres Gespräch geführt werden. Zu diesem Zeitpunkt wurden einige Stationen im Unternehmen durchlaufen, der Auszubildende hat einige Ausbildungssituationen erlebt und es gab bereits Rückmeldungen aus der Berufsschule. All dies kann in das Gespräch einfließen. Möglicherweise ist die Motivation des Auszubildenden zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres etwas gesunken, weil es ja zwischenzeitlich neue Auszubildende gibt und etwas Routine eingekehrt ist. Ein Leistungstief sollte vermieden werden, denn je nach Ausbildungsdauer kann schon bald die Zwischenprüfung bzw. Teil 1 der Abschlussprüfung anstehen und hier sollten gute Ergebnisse angestrebt werden.

Das Gespräch sollte im Dialog geführt werden. Je nach Situation eher fürsorglich oder anspornend, möglicherweise auch sachlich und fordernd für den Fall, dass die Leistung zu wünschen übrig lässt.

Lohnenswert sind weiterführende Vereinbarungen im Hinblick auf die Leistung und das Verhalten. Diese Vereinbarungen werden dann regelmäßig reflektiert.

3.1.4 Zweijahresgespräch

Zwei Jahre nach Ausbildungsbeginn sollte als Rückblick auf die vergangenen zwei Ausbildungsjahre ein Gespräch geführt werden. Es dient auch dem Ausblick auf den letzten Ausbildungsabschnitt, einer möglichen Vertiefung der Ausbildung im Unternehmen in eine bestimmte Richtung und auch der Klärung der Perspektive auf eine Übernahme in ein Arbeitsverhältnis nach Abschluss der Ausbildu...

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