MobiPro-EU-Praktikant / Lohnsteuer

1 Praktikums- oder Ausbildungsvergütung

Die Praktikums- oder Ausbildungsvergütung ist Arbeitslohn, für den der Arbeitgeber Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag einbehalten und abführen muss – abhängig von der Höhe der Vergütung und den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) des Praktikanten/Auszubildenden.

Die Tatsache, dass die Praktikanten während eines ausbildungsvorbereitenden Praktikums oder einer betrieblichen Berufsausbildung finanzielle Unterstützung von der Agentur für Arbeit erhalten, hat für den Praktikums- bzw. Ausbildungsbetrieb keine Auswirkungen auf die Entlohnung bzw. die steuerliche Behandlung der gezahlten Praktikums- oder Ausbildungsvergütung.[1]

2 Unbeschränkt steuerpflichtige Praktikanten

Für unbeschränkt einkommensteuerpflichtige ledige Arbeitnehmer, die ein Ausbildungsverhältnis als erstes Dienstverhältnis beginnen, erfolgt der Lohnsteuerabzug nach den individuellen ELStAM.

Der Praktikant muss – wie jeder Arbeitnehmer – dem Arbeitgeber dazu seine Identifikationsnummer sowie den Tag der Geburt und die rechtliche Zugehörigkeit zu einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft mitteilen und schriftlich bestätigen, dass es sich um das erste Dienstverhältnis handelt.

Fehlende oder fehlerhafte ELStAM

Wurde dem Praktikanten bislang keine Identifikationsnummer zugeteilt oder stimmen die gebildeten ELStAM nicht mit den tatsächlichen Verhältnissen überein, kann der Praktikant beim Finanzamt eine Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug beantragen und diese dem Arbeitgeber für den Lohnsteuerabzug vorlegen.[1]

 
Hinweis

Besteuerung trifft nur wenige Praktikanten

In der Steuerklasse I fällt Lohnsteuer (VZ 2020) erst ab einem Bruttoarbeitslohn von jährlich ca. 12.840 EUR bzw. monatlich ca. 1.070 EUR an.

Pauschalierungsmöglichkeiten nutzen

Der Arbeitgeber kann auch bei Praktikanten für bestimmte gesetzlich geregelte Fälle eine Pauschalierung der Lohnsteuer vornehmen (z. B. Betriebsveranstaltungen, Erholungsbeihilfen, Ersatz von Verpflegungsmehraufwand bei Dienstreisen über die steuerlichen Pauschalen hinaus etc.).[2] Durch die Pauschalierung ist die Besteuerung dieser Zuwendungen abgeschlossen. Der so besteuerte Lohn und die pauschale Lohnsteuer bleiben bei einer evtl. Einkommensteuerveranlagung des Praktikanten dann außer Ansatz.

3 Beschränkt steuerpflichtige Praktikanten

Hält sich der Praktikant nicht länger als 6 Monate in Deutschland auf, ist er regelmäßig nur beschränkt steuerpflichtig.[1] Dennoch muss der Arbeitgeber auch in diesem Fall Lohnsteuer abführen.[2]

Lohnsteuerabzug

Für beschränkt steuerpflichtige Praktikanten werden keine ELStAM vom Bundeszentralamt für Steuern bereitgestellt. Diese müssen eine besondere Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug bei dem für den Arbeitgeber zuständigen Betriebsstätten-Finanzamt beantragen und dem Arbeitgeber vorlegen.

Doppelbesteuerungsabkommen beachten

Auf jeden Fall muss sich der Arbeitgeber bei höheren Praktikumsvergütungen, bei denen Lohnsteuer anfällt – was eher die Ausnahme ist – mit den entsprechenden Doppelbesteuerungsabkommen befassen.[4]

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