Mobiles Arbeiten / 1 Begriff und Abgrenzungen

Eine gesetzliche Definition für die mobile Arbeit gibt es nicht. Entscheidendes Kriterium ist, dass der Mitarbeiter an wechselnden Orten arbeitet und die Verbindung zum Betrieb über mobile Endgeräte hergestellt wird. Obwohl mobile Arbeit regelmäßig außerhalb des Betriebs ausgeübt wird, ist sie – zumindest zeitweise – auch in den Betriebsräumen denkbar (ohne dass der Arbeitnehmer einen ihm zugewiesenen Arbeitsplatz besitzt). Auch zu Hause kann die mobile Arbeit stattfinden (ohne Telearbeit zu sein, da es auch hier keinen vom Arbeitgeber fest eingerichteten Arbeitsplatz und keine entsprechende vertragliche Regelung gibt). Vor allem wird sie aber unterwegs durchgeführt, z. B. während der Zugfahrt, beim Kunden, im Hotel oder an jedem anderen beliebigen Ort wie z. B. einem Café.

Die mobile Arbeit kann sowohl im Rahmen einer Angestelltentätigkeit als auch im Rahmen einer freien Mitarbeit erfolgen. Es kommt auf die konkrete vertragliche Gestaltung und die tatsächliche Durchführung der Arbeitserbringung an.

Ob ein Mitarbeiter, der mobile Arbeit ausübt, als Angestellter tätig ist, richtet sich nach den allgemeinen Kriterien zur Abgrenzung zwischen freien Mitarbeitern und Arbeitnehmern. Arbeitnehmer ist, wer aufgrund eines privatrechtlichen Vertrags im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet ist[1] und der seine Dienstleistung im Rahmen einer von einem Dritten bestimmten Arbeitsorganisation erbringt. Die Eingliederung in die fremde Arbeitsorganisation zeigt sich insbesondere daran, dass der Beschäftigte einem Weisungsrecht des Arbeitgebers unterliegt, das Inhalt, Durchführung, Zeit, Dauer und Ort der Tätigkeit betreffen kann.[2]

Vorliegend wird die mobile Arbeit im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses dargestellt.

1.1 Abgrenzung zu Homeoffice/Telearbeit

Mobiles Arbeiten (auch als Remote Work oder Mobile Office bezeichnet) ist im Gegensatz zur Telearbeit nicht gesetzlich definiert. Während die mobile Arbeit grundsätzlich an jedem beliebigen Ort ausgeführt werden kann, ist das Homeoffice an einen festen Arbeitsplatz innerhalb der Privaträume des Arbeitnehmers gebunden. Die mobile Arbeit kann durchaus auch innerhalb der Wohnung ausgeübt werden, findet aber auch dort nicht an einem festen Arbeitsplatz statt, sondern an wechselnden Stellen (z. B. auf dem Sofa, am Küchentisch, auf dem Balkon, im privaten Garten, ...).

 
Hinweis

Konkrete Durchführung ist maßgeblich

Da bei mobiler Arbeit die Kosten für die Arbeitsmittel geringer sind als beim Homeoffice und auch weniger strenge arbeitsschutzrechtliche Vorgaben gelten (insbesondere ist die ArbStättV nicht anwendbar), scheint es auf den ersten Blick eine für den Arbeitgeber komfortable Lösung zu sein, den Arbeitnehmer bei sich zu Hause "mobil arbeiten" zu lassen. Sofern der Arbeitnehmer aber ausschließlich in seinen Privaträumen und dort regelmäßig an einem festen Arbeitsplatz arbeitet und seine Tätigkeit an keinen weiteren Orten erbringt, besteht die Gefahr, dass dies als Umgehung der arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften erachtet wird. Denn auch in diesem Zusammenhang ist nicht die offizielle Bezeichnung der Tätigkeit ausschlaggebend, sondern die tatsächliche konkrete Umsetzung.

1.2 Abgrenzung zu Heimarbeitern

Heimarbeiter im Sinne des Heimarbeitergesetzes (HAG) ist, wer in selbstgewählter Arbeitsstätte (eigener Wohnung oder selbstgewählter Betriebsstätte) allein oder mit seinen Familienangehörigen im Auftrag von Gewerbetreibenden oder Zwischenmeistern erwerbsmäßig arbeitet, jedoch die Verwertung der Arbeitsergebnisse dem unmittelbar oder mittelbar auftraggebenden Gewerbetreibenden überlässt.[1] Heimarbeiter können nach der Rechtsprechung des BAG die Zeit, die Durchführung sowie den Ort ihrer Arbeitsleistung frei bestimmen, Hilfspersonen hinzuziehen und die Werkzeuge sowie die Arbeitsmethode selbstständig wählen. Sie sind – anders als Arbeitnehmer – aber nicht in das Unternehmen des Auftraggebers eingegliedert.[2]

1.3 Verhältnis zur Bildschirmarbeit

Der Begriff der Bildschirmarbeit und des Bildschirmarbeitsplatzes bezieht sich auf die konkrete Einrichtung des Arbeitsplatzes mit einem Bildschirm.[1] Die Schutzvorschriften der ArbStättV greifen zwar unabhängig davon, ob sich der Arbeitsplatz im Betrieb oder in der Wohnung des Arbeitnehmers befindet. Voraussetzung für die Anwendbarkeit der ArbStättV ist jedoch, dass es sich um einen fest eingerichteten Arbeitsplatz handelt. Das ist bei der mobilen Arbeit mit häufig wechselnden Arbeitsorten, die beliebig an jedem Ort und auch unter freiem Himmel sein können, gerade nicht der Fall. Die ArbStättV ist daher bei der mobilen Arbeit nicht anwendbar – obwohl der Arbeitnehmer bei der mobilen Arbeit in aller Regel an Bildschirmen von mobilen Arbeitsmitteln wie Laptops, Tablets oder Smartphones arbeitet.

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