Mobbing im Betrieb

Zusammenfassung

 
Überblick

Psychoterror, Schikanen, Intrigen, Demütigungen, Denunziationen und üble Nachreden bis hin zu Sabotagen und Stalking oder Cyberstalking – auch über moderne Medien – terrorisieren und drangsalieren immer mehr Mitarbeiter in den Betrieben und im privaten Leben. Je größer die Angst um den eigenen Arbeitsplatz ist, desto mehr sinkt die Hemmschwelle dafür, sich an Schikanen zu beteiligen. Es wird immer mehr mit harten Bandagen gekämpft. Mobber verursachen den Betrieben enorme Kosten. Es ist die Aufgabe von Führungskräften, den Mitarbeitern, die unter Mobbing leiden, zu helfen.

1 Mobbing betrifft immer mehr Mitarbeiter

Psychoterror und Schikanen in Betrieben und bis hinein ins Privatleben (Stalking) haben sich zur Volksseuche entwickelt. Laut einer Studie vom März 2016 der Versicherung pronova BKK leiden 22 % aller Mitarbeiter – also etwa jeder fünfte Mitarbeiter! – unter dem Verhalten der Kollegen. Dabei sagt das Landesarbeitsgericht Nürnberg deutlich, dass Mitarbeiter ein gewisses Maß an Kritik vertragen müssen.[1] Zum echten Mobbing gehört mehr.

Aus arbeitsrechtlicher Sicht versteht man unter Mobbing das systematische Anfeinden, Schikanieren, Drangsalieren und Stalking von Arbeitnehmern untereinander.[2]

Quälereien am Arbeitsplatz sind nichts Neues, aber das moderne Ausmaß ist beängstigend. Jeder kämpft um seinen Arbeitsplatz oder um den seines Kollegen. Wir schauen mit Unverständnis auf die zunehmende Gewalt an den Schulen unserer Kinder, aber immer mehr Eltern und Arbeitnehmer sind bereit, Kollegen zu drangsalieren. Immer mehr Eltern werden zu schlechten Vorbildern für ihre Kinder.

Führungskräfte haben gelernt, betriebliche Probleme zu lösen. Bei der Lösung persönlicher Probleme, die durch Mitarbeiter im Betrieb verursacht werden, sind sie nicht selten überfordert.

Der Mangel an Kenntnissen und Techniken im Umgang mit sozialen Problemen und Konflikten führt zu oft dazu, dass gute Mitarbeiter arbeitsunfähig gemacht werden, lange krank sind oder auch ihren Arbeitsplatz verlieren.

Mitarbeiter, die Freude an ihrer Arbeit haben, sind weit seltener krank und gehen seltener in den Vorruhestand. Der von der Bundesregierung in 2013 vorgelegte Stressreport Deutschland 2012 offenbart Zahlen, die zum Nachdenken anregen. Hier heißt es: "2012 waren in Deutschland psychische Störungen für mehr als 53 Mio. Krankheitstage verantwortlich. 41 % der Frühverrentungen haben psychische Ursachen. Die Betroffenen sind im Durchschnitt erst 48 Jahre alt. Der wirtschaftliche Schaden durch psychische Krankheiten und Ausfallzeiten liegt bei 6,3 Mrd. EUR".

Laut dem Gallup Engagement Index 2016 arbeiten nur 15% der Beschäftigten in Deutschland wirklich engagiert – mit einer hohen emotionalen Bindung an ihren eigenen Arbeitsplatz. 15 % der Beschäftigten geben sogar an, keinerlei emotionale Bindung an ihren Arbeitsplatz zu haben. Hier konnte in den letzten Jahren auch kein Trend zu einer Verbesserung verzeichnet werden. Der durch Wirtschaftskrise und Globalisierung erhöhte Zeit- und Leistungsdruck, der von vielen Beschäftigten und Arbeitsschützern mit "Arbeitsverdichtung, Stress und Arbeiten ohne Ende" beklagt wird, fordert Höchstleistungen von Mitarbeitern und deren Führungskräften. Aber werden diese Höchstleistungen auch abgerufen? "70 % der Beschäftigten machen lediglich Dienst nach Vorschrift." Das Verbleiben der Mitarbeiter im Unternehmen und wie produktiv sie in dieser Zeit sind, hänge in erster Linie vom Führungsverhalten der direkten Vorgesetzten ab, so ein wichtiges Ergebnis der Studie. Nach Gallup-Berechnungen kostet die innere Kündigung aufgrund schlechter Führung die deutsche Volkswirtschaft insgesamt bist zu 105 Milliarden Euro jährlich.

Diese Zahlen sind erschreckend und verdeutlichen, dass motivierte Mitarbeiter sehr viel weniger krank sind und mehr leisten.

1.1 Was ist Mobbing?

Von Mobbing wird nicht grundsätzlich bei allen Gemeinheiten, bösartigen Gerüchten, sexuellen Belästigungen, Diskriminierungen, Denunziationen, Stalking-Attacken oder Sabotagen gesprochen. Es wird erst dann von Mobbing gesprochen, wenn Angriffe und Attacken ein bestimmtes Ausmaß angenommen haben, sich über einen längeren Zeitraum (mehrere Monate) hinziehen und damit die Absicht verbunden ist, einen Mitarbeiter von seiner Stelle zu vertreiben.

Mobbing beginnt oft scheinbar recht harmlos, meist sehr subtil und hinterhältig, kann sich aber bis hin zu Straftaten und psychischen Krankheiten entwickeln.

 
Praxis-Beispiel

Mobbing und Stalking

Frau Wohl und Herr Neidrich hatten sich beide um die innerbetrieblich frei gewordene Stelle des Bereichsleiters beworben. Nach langen Überlegungen fiel die Wahl schließlich auf Frau Wohl. Herr Neidrich hat seitdem – immer betont höflich und vorsichtig – keine Gelegenheit ausgelassen, seinen Vorgesetzten und Kollegen permanent durch "sachliche" Vorschläge und Kritik an den Entscheidungen von Frau Wohl darauf hinzuweisen, dass er der bessere Bereichsleiter wäre. Inzwischen ist fast...

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