Mobbing im Betrieb / 3 Beobachtung der Mitarbeiter

Je besser Führungskräfte ihre Mitarbeiter, deren Beziehungen untereinander (psychologische Sicht), und deren Zugehörigkeit zu Mitarbeitergruppen bzw. die Beziehungen zwischen den Mitarbeitergruppen (soziologische Sicht) einschätzen und beurteilen können, desto besser ist ihr "Spürsinn" für mögliche Opfer und Angreifer.

3.1 Wer wird gemobbt?

Es sind die "Schwachen" und die "Versager", die Opfer von Mobbing- und Stalking-Attacken werden, wie man es oft hören kann. Grundsätzlich kann natürlich jeder Mitarbeiter Opfer von Mobbing-Attacken werden. Es gibt jedoch Personengruppen, die eher zur Zielscheibe von Angriffen werden.

Mobbingopfer sind oft Außenseiter, überdurchschnittlich ausgebildete Personen, Überflieger, einsame Tüftler und Nerds, attraktive Menschen, Eigenbrödler, Schwule, Zwillinge und viele andere, die nicht in die "normalen Schubladen" passen und normative Erwartungshaltungen nicht erfüllen.

3.2 Woran erkennt man Mobber?

Grundsätzlich kann jeder Mensch und damit auch jeder Mitarbeiter zum Mobber oder zum Bündnispartner von Mobbern werden.

Führungskräfte sollten besonders auf die Mitarbeiter achten, die sich durch andere Mitarbeiter beruflich oder persönlich bedroht fühlen. Dies müssen nicht immer reale Bedrohungen sein. Sehr oft sind es irrationale, übertriebene Ängste oder auch "nur" die destruktiven Freuden an Machtkämpfen oder – in Verbindung mit Bündnispartnern – die Freude an der Selbstdarstellung.

Dies können vor allem Mitarbeiter sein,

  • die sich durch die besseren Leistungen von anderen Mitarbeitern persönlich "herabgesetzt oder angegriffen" fühlen,
  • deren beruflichen Interessen ein anderer Mitarbeiter "im Wege steht",
  • die unter erheblichem beruflichen Stress stehen,
  • die unter Minderwertigkeitskomplexen leiden,
  • die ein besonderes Bedürfnis zur Selbstdarstellung haben,
  • die permanent im Mittelpunkt stehen wollen ("Rampensau") und die permanent nach Anerkennung suchen,
  • die aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur persönliche Freude daran empfinden, andere zu verletzen und Gerüchte in die Welt zu setzen,
  • die informelle Sprecher oder "Meinungsmacher" von Mitarbeitergruppen sind.

Oft verbünden sich Mobber mit anderen Kollegen. Führungskräfte sollten daher nicht nur auf Mobber achten, sondern auch auf Personen, die Mobber unterstützen.

 
Praxis-Tipp

Aufgabe der Führung

Es ist Führungsaufgabe, Mobber und potenzielle Mobber der Abteilung genau im Auge zu behalten – sie können Leistungen und Betriebsklima nachhaltig erheblich verschlechtern.

3.3 Wie erhält man mehr informelle Informationen?

Natürlich reicht es nicht aus, die Mitarbeiter nur gut zu beobachten. Zur Einschätzung von sich anbahnenden Krisensituationen ist es unbedingt notwendig, auch über informelle und teilweise sehr persönliche Bereiche der Mitarbeiter Informationen zu erhalten. Vorgesetzte erhalten jedoch viele private und informelle Informationen über ihre Mitarbeiter nur sehr schwer.

 
Wichtig

Informationen erreichen Vorgesetzte meistens spät

Wenn sich das Verhalten eines Mitarbeiters wegen übermäßigem Alkoholgenuss negativ verändert, ist der Vorgesetzte häufig der Letzte, der davon erfährt. Das Gleiche gilt für bösartige Gerüchte, privaten Telefonterror bei Mitarbeitern o. Ä.

Eher erhalten Vorgesetzte solche informellen Informationen, wenn sie statt strenger, autoritärer Hierarchien, eine auch menschlich offene Arbeitsatmosphäre schaffen, in der ihre Mitarbeiter wissen, dass man mit Problemen zu ihnen kommen kann, und dass sie stets ein "offenes Ohr" haben.

Wichtig ist es auch, zu einigen engen Mitarbeitern, wie beispielsweise dem Stellvertreter oder der Sekretärin, eine besonders vertrauensvolle Zusammenarbeit zu pflegen. Diese Mitarbeiter haben zu der Belegschaft meist einen engeren Kontakt und verfügen i. d. R. über mehr informelle Informationen. Allerdings dürfen diese Mitarbeiter nicht ausgefragt werden! Besser ist, ein Klima zu schaffen, in dem es selbstverständlich ist und in der Eigenverantwortung dieser vertrauten Mitarbeiter liegt, die Führungskraft mit wirklich wichtigen Informationen zu versorgen.

Die Benutzung oder der Missbrauch der engen Mitarbeiter als "Zuträger" von Informationen zahlt sich nie aus. Vertraute Mitarbeiter haben eine verantwortungsvolle Position im Betrieb und sehr unterschiedliche Rollen verantwortungsvoll wahrzunehmen. Sie sind enge Mitarbeiter der Führungskraft aber auch Kollegen innerhalb eines Teams. Sie sollen loyal hinter ihrem Vorgesetzten und verantwortungsvoll zwischen diesem und den Mitarbeitern der Abteilung stehen. Die Führungskraft sollte es daher diesen vertrauten Mitarbeitern überlassen, welche wichtigen Informationen diese an die Führungskraft weiterleiten.

 
Wichtig

Offene Arbeitsklima hilft

Es ist wichtig, sich aktiv in den informellen Informationsfluss einzubinden. Führungskräfte sollten daher ein – auch menschlich – offenes Arbeitsklima schaffen und sich Mitarbeiter suchen, die ihnen die betrieblich wichtigen Informationen eigenverantwortlich geben wenn es angebracht und wirklich wichtig ist.

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