Mobbing im Betrieb / 1.1 Was ist Mobbing?

Von Mobbing wird nicht grundsätzlich bei allen Gemeinheiten, bösartigen Gerüchten, sexuellen Belästigungen, Diskriminierungen, Denunziationen, Stalking-Attacken oder Sabotagen gesprochen. Es wird erst dann von Mobbing gesprochen, wenn Angriffe und Attacken ein bestimmtes Ausmaß angenommen haben, sich über einen längeren Zeitraum (mehrere Monate) hinziehen und damit die Absicht verbunden ist, einen Mitarbeiter von seiner Stelle zu vertreiben.

Mobbing beginnt oft scheinbar recht harmlos, meist sehr subtil und hinterhältig, kann sich aber bis hin zu Straftaten und psychischen Krankheiten entwickeln.

 
Praxis-Beispiel

Mobbing und Stalking

Frau Wohl und Herr Neidrich hatten sich beide um die innerbetrieblich frei gewordene Stelle des Bereichsleiters beworben. Nach langen Überlegungen fiel die Wahl schließlich auf Frau Wohl. Herr Neidrich hat seitdem – immer betont höflich und vorsichtig – keine Gelegenheit ausgelassen, seinen Vorgesetzten und Kollegen permanent durch "sachliche" Vorschläge und Kritik an den Entscheidungen von Frau Wohl darauf hinzuweisen, dass er der bessere Bereichsleiter wäre. Inzwischen ist fast ein Jahr vergangen. Herr Neidrich wurde mittlerweile immerhin ermahnt, sich Frau Wohl gegenüber etwas kooperativer und "verständnisvoller" zu verhalten.

Frau Wohl hat sich in letzter Zeit häufig beim Betriebsrat und bei ihrem Vorgesetzten über verschwundene Unterlagen, Computerdateien und andere Arbeitsgeräte beschwert. In letzter Zeit kommt sie öfter verspätet zur Arbeit, wirkt unkonzentriert und übermüdet. Sie scheint einiges "durchgemacht zu haben". Gerüchteweise ist "durchgesickert", dass sie sich von ihrem Freund getrennt haben soll. Das könnte auch eine Erklärung für ihr offensichtlich mutwillig und schon öfter zerkratztes und beschädigtes Auto sein.

Beweise gibt es keine. Es gibt nur Vermutungen und viele Gerüchte, vor allem auch über ihr Privatleben. Die Geschäftsleitung empfindet Frau Wohl als zunehmend "etwas anstrengend und überempfindlich, vielleicht beruflich und persönlich überbelastet".

Es wird jetzt überlegt, die Bereichsleitung doch Herrn Neidrich zu übertragen, "damit endlich wieder Ruhe im Laden ist und man vernünftig arbeiten kann".

Das noch moderate Beispiel verdeutlicht, wie verstrickt Mobbing und Stalking-Attacken konkret verlaufen können. Von dem Gerücht, dass sich Frau Wohl von ihrem Freund getrennt haben soll, wusste sie gar nichts, daher konnte sie sich dagegen nicht wehren. Und da sie keine Beweise über ihre nächtlichen Telefonbelästigungen, Sachbeschädigungen an ihrem Auto und andere Attacken hatte, hat sie viele dieser Vermutungen dem Betriebsrat und ihrem Vorgesetzten gegenüber nicht geäußert. Die Geschäftsleitung hätte den berechtigten Beschwerden von Frau Wohl jedoch nachgehen und sie unterstützen müssen. Herrn Neidrich gegenüber hätten Sanktionen angekündigt und durchgesetzt werden müssen. Durch diese Unzulänglichkeiten verlieren Betriebe oft ihre besten Mitarbeiter.

 
Hinweis

"Bossing" und "Bullying"

Mobbing von Vorgesetzten an ihren Mitarbeitern wird von einigen Autoren als "Bossing" und Mobbing an Schulen als "Bullying" bezeichnet.

Die Varianten des Mobbings und des Stalkings sind sehr vielschichtig. Eine in der Praxis oft vorkommende Variante ist das Denunzieren gegen direkte Vorgesetzte bei deren Vorgesetzten. Auch wenn bei Denunziationen nichts der Wahrheit entspricht, bleibt immer ein "unangenehmer Nachgeschmack". Wer weiß schon, was letztlich wirklich der Wahrheit entspricht.

 
Praxis-Beispiel

Denunziation

Herr Schulz leitet in Berlin ein kleines Vertriebsbüro/Außenstelle einer größeren Hamburger Werbeagentur. Als er eine Woche im Urlaub war, "nutzte seine Mitarbeiterin Frau Klug die Gelegenheit" und beschwerte sich über ihren Vorgesetzten Herrn Schulz bei der Geschäftsleitung in Hamburg. Die Vorwürfe lauteten: Herr Schulz erhält übermäßig viele private E-Mails, er kommt oft erst viel zu spät ins Büro, er beschäftigt sich im Büro zu einem großen Teil mit seiner (in Maßen genehmigten) Nebentätigkeit als Autor für Fachzeitschriften, er vernachlässigt den Kontakt zu seinen Kunden, informiert sie nicht korrekt und anderes.

In diesem authentischen Beispiel einer Variante der Denunziationen entsprachen alle von Frau Klug genannten Punkte nicht der Wahrheit. Herr Schulz bekam von der Geschäftsleitung noch die Möglichkeit zur Gegendarstellung. Aber zum Schluss standen Aussage gegen Aussage und es blieb bei der Geschäftsleitung gegenüber Herrn Schulz immer ein gewisses Misstrauen. Denunziationen sind völlig "aus der Luft gegriffene" bösartige Behauptungen, gegen die sich Betroffene oft fassungslos rechtfertigen müssen. Je intelligenter Denunzianten sind, desto schwieriger kann es für Betroffene sein, sich dagegen zu wehren. Und das nachhaltig schwierige und problematische ist es meist, dass selbst bei nachgewiesener Unschuld – was selten gelingt – immer ein negativer Nachgeschmack bleibt und sich über viele Jahre in den Köpfen aller Beteiligten hält.

Unschuldig Betroffene und Geschädigte ...

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