Mobbing: Die richtige Gegen... / 9 Wer bietet Unterstützung?

Mobbing-Opfer können ihre Konflikte oft nicht alleine bewältigen. Gute betriebliche, private und/oder professionelle Beratung ist i. d. R. notwendig, damit die Konflikte ohne längerfristiges Leiden überstanden und gelöst werden können aus dem privaten Umfeld.

Geeignete Berater sind Menschen, von denen man weiß, dass sie einen klaren Blick für Probleme haben, vernünftige Entscheidungen treffen und vor allem auch schweigen können.

9.1 Vorgesetzte/Geschäftsleitung

Opfer von Mobbing-Attacken sollten grundsätzlich alle denkbaren Unterstützungen von ihrem Betrieb erwarten dürfen. Die Praxis sieht allerdings oft anders aus. Vorgesetzte sind manchmal entweder an Mobbing-Attacken beteiligt oder sie sind mit der Unterstützung von Mobbing-Opfern überfordert. Oft wird die Existenz von Konflikten durch Vorgesetzte und/oder die Geschäftsleitung negiert. Viele Betriebe sehen die Lösung des Problems oft darin, sich von den Opfern zu trennen, statt den Mobber zur Rechenschaft zu ziehen.

Nicht selten reagieren Vorgesetzte mit den Worten: "Nun haben Sie sich mal nicht so, Frau Müller" oder: "Herr Weidmann, seien Sie doch nicht immer so empfindlich" oder: "Stellen Sie sich nicht so an, Herr Schulze, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne". Solche Sprüche sind jedoch wenig hilfreich. Sie sind aber deutliche Zeichen dafür, dass sich der Vorgesetzte durch das Problem psychologisch "in die Enge getrieben" fühlt und das Problem eher – weil er damit nicht umgehen kann – als eine Bedrohung für sich selbst empfindet.

Wenn Vorgesetzte so reagieren, sollten Gemobbte sie mit ihrem Problem nicht weiter "belästigen", es sei denn, sie haben klare Beweise. Überforderte Vorgesetzte sind keine Hilfe und würden sich – unter Druck gesetzt – aus Angst und Hilflosigkeit wahrscheinlich eher gegen den Gemobbten entscheiden.

Wenn der Vorgesetzte Courage hat, wird er sich das Problem in Ruhe anhören, bei der Suche nach Lösungen helfen und den Mobber zur Rede stellen.

Der Geschädigte kann weiter unmittelbar an den Arbeitgeber herantreten, der aufgrund seiner Fürsorgepflicht gehalten ist, den Arbeitnehmer vor dem Mobbing der Kollegen/Vorgesetzten zu schützen. Die je nach den Umständen des Einzelfalls einzusetzenden Mittel des Arbeitgebers gegenüber diesen Arbeitnehmern sind neben Rüge oder Ermahnung die Abmahnung, die Versetzung bis hin zur Kündigung.

9.2 Betriebsrat

Auch Mitglieder des Betriebsrats wollen oft helfen, sind aber häufig mit den komplexen psychologischen Problemen von Mobbing-Konflikten zu wenig vertraut und können den Opfern nicht immer die Unterstützung geben, die Mobbing-Opfer erwarten und benötigen. Betriebsvereinbarungen gegen Mobbing, wie beispielsweise beim Volkswagenwerk in Wolfsburg, sind leider noch immer die große Ausnahme. Das Gleiche gilt für Frauenbeauftragte für spezifische Probleme von Frauen, bei sexuellen Belästigungen oder Diskriminierungen gegen Ältere, Behinderte oder Ausländer.

Trotzdem: Ein Gespräch mit den Mitgliedern des Betriebsrates, von denen man den Eindruck hat, dass sie helfen können (und wollen), ist ratsam. Außerdem ist es sehr wichtig, dass Betriebsräte eine klare Vorstellung des Ausmaßes von Mobbing im eigenen Betrieb haben – nur so wächst beim Betriebsrat das Problembewusstsein und damit die Motivation, angemessene Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Die Reaktionsmöglichkeiten der am betrieblichen Geschehen Beteiligten entsprechen allgemeinem Arbeitsrecht. Der betroffene Arbeitnehmer kann sich im Wege der Beschwerde an den Betriebsrat wenden.

§ 75 BetrVG konkretisiert die Verpflichtung des Arbeitgebers, auf eine positive Gestaltung der Arbeitsbedingungen zur freien Persönlichkeitsentfaltung hinzuwirken. Jeder Arbeitnehmer ist aufgrund dieser Regelung nach den "Grundsätzen von Recht und Billigkeit" zu behandeln. Aufgrund von § 75 BetrVG ist der Betriebsrat verpflichtet, auch ohne eine Beschwerde des Betroffenen gegen Mobbing vorzugehen. Im äußersten Fall kann er von seinem Recht Gebrauch machen, die Versetzung oder Entlassung des mobbenden Arbeitnehmers zu verlangen (§ 104 BetrVG).

9.3 Freunde und vertrauensvolle Kollegen

Die besten Freunde und Kollegen sind oft gerne bereit, sich die Sorgen und Probleme eines Kollegen anzuhören, sie sind jedoch nicht immer die besten Berater in Krisensituationen und nicht alle können wirklich schweigen. In den meisten Betrieben gibt es kaum Geheimnisse. Viele Mitarbeiter sind geradezu stolz darauf, vertraulich erhaltene Informationen wieder "vertraulich" weiterzugeben, bis es schließlich alle wissen. Schweigen erfordert Disziplin, die nur wenige haben.

Die Auswahl der Kollegen, die unterstützen können, sollte daher sehr gezielt erfolgen. Befreundete Kollegen erfahren aber oft eher, welche Gerüchte über den Gemobbten im Umlauf sind und zu welchen anderen Kollegen man Vertrauen haben kann.

9.4 Professionelle Hilfe

Auch wenn heute alle von Mobbing sprechen, wissen nur wenige, dass es für Mobbing-Opfer auch spezielle Beratungsstellen gibt. Hinweise und Adressen am Ende dieses Beitrags.

Es ist grundsätzlich zu empfehlen, den Kontakt zu einer professionellen Beratungsstelle zu suchen. Die dortigen Berater haben...

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