Mobbing: Die richtige Gegen... / 8.7 Standhalten oder Flüchten?

In der Abwägung zwischen Standhalten und Flüchten müssen Gemobbte natürlich standhalten, und zwar mit aller Energie reagieren, agieren und "kämpfen."

Es ist jedoch aussichtslos, gegen Windmühlen zu kämpfen. Der Kampf muss Aussicht auf Erfolg haben. Aussichtsloses Durchhalten und Kämpfen können auch der Gesundheit erheblich schaden und den Betroffenen beim Start in einem neuen Betrieb sehr behindern.

Vielleicht gibt es auch Lösungen dazwischen? Vielleicht gibt es gegenseitig einvernehmliche Lösungen der innerbetrieblichen Versetzung? Oder es gibt andere Lösungen, mit denen alle Beteiligte gegenseitig einverstanden sind.

Es kann sich daher keiner leisten, im Fall von Mobbing eine halbwegs akzeptable Lösung außer Betracht zu lassen. Notfalls – aber wirklich nur notfalls – sollten auch Lösungen, bei denen der Betroffene durch die Versetzung in eine andere Abteilung weniger Geld bekommt, der Arbeitslosigkeit vorgezogen werden. Ein geringfügiger Imageverlust ist manchmal etwas leichter zu verkraften, als die Familie nicht mehr unterhalten und seine Miete nicht mehr bezahlen zu können.

Wer sich entscheidet, den Arbeitsplatz zu wechseln, sollte bedenken, dass er "seinen eigenen Kopf mitnimmt". D. h., er sollte sich auch überlegen ob und welche seiner Eigenschaften dazu beigetragen haben könnten, dass er gemobbt wurde. Der Versuch, aus den eigenen Fehlern zu lernen, ist wichtig, um das Risiko, wieder gemobbt zu werden, für die Zukunft zu reduzieren.

 
Achtung

Sperrfrist für Arbeitslosengeld

Wer entscheidet, selbst zu kündigen, sollte vorher mit der Agentur für Arbeit sprechen. Häufig kann die i. d. R. 12-wöchige Sperrzeit (§ 159 SGB III) zur Zahlung des Arbeitslosengeldes vermieden werden.

Dabei gibt es für die Arbeitsämter keine klaren Regelungen, in welchen Fällen auf die Sperrfrist verzichtet werden kann. Aber: Die Arbeitsämter sind gesetzlich nicht in jedem Fall gezwungen, die normale Sperrfrist zu verhängen. D. h., die Ämter haben hier auch ein bestimmtes Maß an Entscheidungsfreiraum, der in besonderen Fällen genutzt werden kann. Opfer von Mobbing-Attacken, die wirklich keinen anderen Ausweg als die eigene Kündigung sehen, sollten daher mit ihrer Agentur für Arbeit darüber rechtzeitig sprechen. Hilfreich sind dabei zwei Strategien: Erstens ist es bei Behörden immer nützlich, möglichst aussagekräftige Papiere vorlegen zu können. Daher sollte sich der Betroffene alle sozialen oder psychologischen Beratungen bei Ärzten, Psychologen und Mobbing-Beratungsstellen, die er zur Bewältigung seiner Probleme in Anspruch genommen hat, schriftlich bestätigen lassen und der Agentur für Arbeit vorlegen. Zweitens sollte man sich nicht scheuen, auch den Leiter der Agentur für Arbeit persönlich anzusprechen, wenn die zuständigen Mitarbeiter der Behörde für die besondere Lage kein Verständnis zeigen.

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