Mobbing: Die richtige Gegen... / 8 Die richtige Gegenwehr

In der Praxis merken Betroffene oft viel zu spät, dass sie schon über einen längeren Zeitraum Mobbing-Opfer sind. Ihre Chancen, sich effektiv zu wehren ohne dabei das Gesicht und den Arbeitsplatz zu verlieren, sind um so größer, je früher sie sich darauf persönlich und strategisch einstellen. Je mehr sich Vorgehensweisen gegen Betroffene eingespielt und entwickelt haben und je höher die – auch inoffizielle – Machtposition des Mobbers ist oder je mehr Mitarbeiter daran beteiligt sind, desto schwieriger wird es für die Betroffenen, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen.

Der Versuch, möglichst frühzeitig zu reagieren, damit eingeleitete Entwicklungen möglichst rechtzeitig gebremst werden und nicht eskalieren können, ist daher enorm wichtig.

Grundsätzlich sollte alles vermieden werden, was zu einer Eskalation gegen berufliche und persönliche Fähigkeiten des Betroffenen führen könnte. Mobbing besteht zu einem großen Teil aus subtilen Intrigen, Anspielungen und Gemeinheiten. Praxisrelevante Kündigungsgründe liefern Mobbing-Opfer oft erst durch unüberlegte und emotionale Reaktionen auf ungerechtfertigte Angriffe.

 

Praxis-Tipp

Strategische Gegenwehr

Bei drohendem eigenen Schaden sollten sich Gemobbte stets um eine Deeskalation und um eine strategische Gegenwehr bemühen. Wie auch immer geartete, verständlicherweise emotionale Reaktionen sind meist nicht hilfreich und fördern weiteres Mobbing oder "liefern" Gründe für Abmahnungen oder Kündigungen.

8.1 Den Mobber direkt ansprechen

Es ist wichtig, den Mitarbeiter, der andere demütigt, sofort anzusprechen. Je offensichtlicher seine Attacken sind, desto deutlicher kann die Ansprache erfolgen. Es sollten jedoch keine Verdächtigungen geäußert werden, die dem Mobber als bösartige Unterstellungen sehr willkommen wären. Das Gleiche gilt für unsachliche oder angreifende Äußerungen, da jeder falsche Ton sofort gegen den Betroffenen ausgelegt werden kann.

Hat der Betroffene keine klaren Fakten in der Hand, bieten sich Äußerungen an, wie "ich habe den Eindruck, dass Sie mich nicht leiden können" oder "ich habe den Eindruck, dass unsere Kommunikation irgendwie gestört ist" an. Wenn z. B. manche ausgehenden Briefe verschwinden, kann man auch fragen "haben Sie einen Rat für mich? Ich habe den Eindruck, dass manche meiner Briefe verschwinden und nicht abgesendet werden".

Diese "vorsichtige Konfrontation" hat den Vorteil, dass der Gemobbte keine zusätzliche Angriffsfläche bietet, dem Mobber aber zeigt, dass er die Situation erkannt hat und sich nicht persönlich verletzt in sein "Schneckenhaus zurückzieht", sondern geschickt und intelligent Paroli bietet. Die Reaktion zeigt auch, dass man sich nicht provozieren und zu Äußerungen verleiten lässt, die später gegen einen verwendet werden könnten.

Ähnliche Fragen sollten auch den Mitarbeitern gestellt werden, die den Mobber direkt oder indirekt bei seinen Angriffen unterstützen.

Hat man einen Beweis dafür, dass ein Mobber Briefe aus dem Postausgangskorb genommen hat, dann sollte er selbstverständlich nicht nur direkt damit konfrontiert werden, sondern es sollte auch eine Information an den Vorgesetzten und den Betriebsrat erfolgen. In der Praxis sind solche eindeutigen Beweise für Mobbing-Attacken jedoch eher die Ausnahme.

8.2 Die Isolierungsfalle

Viele Menschen, die über einen längeren Zeitraum Opfer von Mobbing geworden sind, ziehen sich ratlos und verzweifelt zurück und leiden für sich alleine, "fressen alle Probleme in sich hinein" und "nehmen sich alles zu Herzen". Viele kündigen innerlich und machen nur noch Dienst nach Vorschrift und/oder ziehen sich von sozialen Kontakten zu anderen Mitarbeitern und oft auch von ihrer eigenen Familie völlig zurück.

Jede Form der sozialen Isolation und des beruflichen Rückzugs erleichtert jedoch das Vorhaben von Mobbern. Wer sich in die typische Opferhaltung hineindrängen lässt, macht es seinem Mobber besonders leicht, und in den meisten Fällen ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis man seine Stelle verliert.

Es ist auch die Entscheidung jedes einzelnen Mitarbeiters, ob er es zulässt, dass ihn andere schikanieren.

Wer gedemütigt, verletzt und tief getroffen ist, darf sich selbst nicht fallen lassen, sondern sollte und muss den Kopf hoch halten. Auch wenn die Auseinandersetzung ungewohnte Kräfte und sicherlich auch neue Fähigkeiten verlangen, so ist der Versuch doch wichtig, aktiv und klug aus der Situation herauszukommen; dazu gehört es auch, sich wehren zu können. Und dazu gehört auch das aktive Entwickeln von Strategien und das Treffen von angemessenen und strategischen Entscheidungen.

8.3 Raus aus allen Teufelskreisläufen

Opfer von Mobbing geraten schnell in sich negativ verstärkende Verhaltenskreisläufe, die in jedem Fall so frühzeitig wie möglich durchbrochen werden sollten. Betroffene sollten sich selbst beobachten und entscheiden, ob er aus eigener Kraft in der Lage sind, diese Kreisläufe zu durchbrechen/verhindern zu können. Wenn der Grad der Verzweiflung so groß ist, dass sie immer mehr in den Sog dieser negativen Kreisläufe hineingezogen werden, sollten sie sich so schnell wie möglich von prof...

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