Mobbing: Die richtige Gegen... / 2 Was ist Mobbing?

Mobbing ist erst dann gegeben, wenn Mitarbeiter gezielt und dauerhaft erniedrigt und gedemütigt werden. Dazu gehört ein bestimmter Grad an Feindseligkeit und vor allem das Ziel, den betreffenden Mitarbeiter so lange zu peinigen, bis er seinen Arbeitsplatz oder die Firma verlässt. Mobbing an Schulen wird von manchen Autoren als "Bullying" bezeichnet. Nicht jede kleinere und "normale Bösartigkeit" ist gleich Mobbing.

Mobbing-Attacken erfolgen zwischen Mitarbeitern gleicher hierarchischer Ebene, aber auch von Vorgesetzten gegen ihre Mitarbeiter (Bossing), von Mitarbeitern gegen ihre Vorgesetzten und schließlich von höheren Vorgesetzten und Mitarbeitern gemeinsam gegen mittlere Vorgesetzte (Sandwich-Mobbing).

 
Praxis-Beispiel

Die Fakten

Die Mitarbeiter A und B der Abteilung Vertrieb sind im gleichen Tennisverein wie der Bereichsleiter (Vorgesetzter des Abteilungsleiters). Beide Mitarbeiter gehören nicht zu den Schnellsten und Zuverlässigsten der Abteilung. Herr A spielt immer den Überlasteten und ist grundsätzlich nicht bereit, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Herr B kann jedes kleine Problem solange diskutieren, bis keiner mehr zuhört. Probleme werden dadurch jedoch nicht gelöst. Beide sind für die Abteilung eine Belastung. Sie sind jedoch ein "eingespieltes Team" und grenzen sich von den anderen Mitarbeitern deutlich ab. Der kürzliche Versuch des Abteilungsleiters, beiden eine Abmahnung zu erteilen, wurde vom Bereichsleiter, mit dem der Abteilungsleiter schon seit langem Probleme hat, mit dem Hinweis abgelehnt, dass ein guter Vorgesetzter seine Mitarbeiter auch ohne Abmahnungen "im Griff" haben sollte.

 
Hinweis

Unangemessener Schutz

Ähnliche und vergleichbare Situationen, in denen der Abteilungsleiter die beiden "schwierigen Mitarbeiter" zur Rechenschaft ziehen wollte, gab es schon viele und das auch schon seit vielen Monaten. Die beiden "schwierigen Mitarbeiter" scheint das nicht weiter zu kümmern. Sie lassen ihren Abteilungsleiter "auflaufen", weil sie durch den Bereichsleiter und Tennispartner geschützt werden.

Was sind die Botschaften dieses Beispiels?

  • Der Bereichsleiter kritisiert den Abteilungsleiter in unangemessener Form.
  • Er schützt die beiden "schwierigen" Mitarbeiter in unangemessener Form.
  • Der Bereichsleiter hat zum Abteilungsleiter kein Vertrauen.
  • Er benutzt die beiden "schwierigen" Mitarbeiter u. U., um über das Arbeitsverhalten des Abteilungsleiters Informationen zu erhalten.
  • Er benutzt die beiden Mitarbeiter vielleicht auch, um über andere Mitarbeiter der Abteilung Informationen zu erhalten.
  • Die beiden "schwierigen" Mitarbeiter haben in der Abteilung einen Grad an Freiheit, den kein anderer Mitarbeiter hat.
  • Die anderen Mitarbeiter sind mit dem Abteilungsleiter unzufrieden, weil sie mehr leisten müssen als ihre beiden Kollegen.
  • Die anderen Mitarbeiter sind mit dem Abteilungsleiter unzufrieden, weil er die beiden "schwierigen" Kollegen nicht disziplinieren kann.
  • Dem Abteilungsleiter wird von "unten" und "oben" Führungsschwäche vorgeworfen.

Das Beispiel zeigt, wie einfach es ist, Vorgesetzte in Mobbing-Situationen zu bringen, aus denen man sich als Betroffener kaum noch befreien kann. Dabei bedarf es in der täglichen Praxis nicht eines Sportvereins, der die "gute Zusammenarbeit" zwischen einem Mitarbeiter und dessen nächsthöheren Vorgesetzten ermöglicht. Dieses Beispiel zeigt auch sehr deutlich, wie subtil Mobbing manchmal sein kann. Hier handelt es sich ja noch gar nicht um "richtig bösartige und gemeine Attacken" sondern "nur" darum, einen Abteilungsleiter vielleicht auch noch mit aller äußerlichen Freundlichkeit "auflaufen zu lassen". Man kann sich aber vorstellen, wie zerrissen es dem Abteilungsleiter zwischen den Fronten und den Erwartungshaltungen seiner anderen Mitarbeiter ergehen mag.

Eine weitere Form des Mobbings ist das "Stalking". Von "Stalking" wird dann gesprochen, wenn Mitarbeitern nachhaltig und heftig nachgestellt wird, wenn sie verfolgt und dauerhaft nachhaltig belästigt werden.

Stalking kann z. B. vorliegen bei/durch:

  • zahlreiche Telefonanrufe zu den unmöglichsten Zeiten im Büro oder privat,
  • bedrohende Nachrichten auf dem Anrufbeantworter,
  • Verleumdungen, Beleidigungen,
  • häufige Präsenz des Verfolgers vor der Wohnung oder der Arbeitsstätte des Opfers, ständiges Auflauern,
  • Geschenke, Liebesbriefe (später mit Beleidigungen und Drohungen),
  • Sachbeschädigung (z. B. zerstochene Autoreifen, zerkratztes Auto, nächtlich eingeworfene Fensterscheiben etc.),
  • Einbruch und Zerstörungen,
  • Hausbeschmierungen und vieles mehr.

Wieder eine andere Form des Mobbings sind das Verbreiten von falschen, demütigenden und verletzenden Behauptungen, persönlichen Drangsalierungen und Darstellungen über analoge Medien (Printmedien wie Zeitungen und Magazine). Stehen solche falschen Behauptungen erst einmal "in der Luft" – also in der Zeitung –, können sich Betroffene davon kaum rehabilitieren. Sie haben zwar ein Recht auf eine Gegendarstellung in den Printmedien, aber diese erscheinen dann im Kleingedruckten auf der le...

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