Mobbing / 4 Auswirkungen

In Deutschland wurde laut Mobbing-Report 2003 der BAuA jede neunte Person im erwerbsfähigen Alter schon einmal gemobbt, durchschnittlich 16 Monate lang. Bei der Umfrage 2008 des IFAK-Instituts war es bereits jeder achte. Die Betroffenen stehen so unter Druck, dass sie in ihrer Leistung nachlassen und krank werden. Am Ende bleibt meist nur die Kündigung. Die betriebswirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Auswirkungen sind immens. Doch nur langsam decken wissenschaftliche Untersuchungen die Ursachen und Auswirkungen auf, nennen Zahlen und schaffen so eine Grundlage für präventive Handlungsmöglichkeiten.

4.1 ESENER-Erhebung

2010 veröffentlichte die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) die ESENER-Erhebung. Rund 36.000 Manager und Arbeitsschutzbeauftragte aus 31 Ländern wurden für diese Europäische Unternehmensbefragung zu neuen und neu aufkommenden Risiken (European Survey of Enterprises on New and Emerging Risks, ESENER) interviewt. U. a. kam heraus, dass Gewalt und besonders Mobbing und Belästigungen in vielen Betrieben von Belang sind. Für fast 40 % der Befragten stellen Gewalt, die Androhung von Gewalt sowie Mobbing und Belästigung ein zum Teil wichtiges Thema dar, am häufigsten im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen. Allerdings sind laut Angaben der Studienteilnehmer in nur etwa 30 % der Betriebe Verfahren zum Umgang mit Mobbing und Belästigungen vorhanden.

 
Wichtig

Mobbing-Risiko-Faktor und Mobbing als Risikofaktor

Das Mobbingrisiko ist in den verschiedenen Berufsgruppen unterschiedlich hoch. Zu den besonders gefährdeten Berufsfeldern zählen soziale Berufe sowie die Bank- und Versicherungsbranche. Auch bei Technikern, in Gesundheitsberufen, im IT-Sektor sowie bei klassischen Büroberufen ist die Quote deutlich höher als etwa im Einzelhandel oder im Reinigungsgewerbe. Am wenigsten gemobbt wird laut dem Mobbing-Risiko-Faktor (BAuA) in der Landwirtschaft.

Mobbing an sich gilt als Risikofaktor für die psychische Gesundheit sowie für die Leistung, das Engagement und die Arbeitszufriedenheit.[1]

[1] Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Soziale Beziehungen, BAuA-Projektbericht, 2016.

4.2 Betriebswirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten

Eine Untersuchung in Deutschland fand heraus, dass Mobbingbetroffene zunächst mit erhöhter Leistung reagieren. Bei weiteren Schikanen lässt diese allerdings immer mehr nach. Irgendwann ist der Punkt erreicht, dass nur noch nach Anweisung gearbeitet wird: die "innere Kündigung" ist eingetreten und der "freiwillige" Austritt aus dem Unternehmen nur noch eine Frage der Zeit. Bei einer Studie in Schweden begründeten 60 % der Befragten ihre Kündigung mit Unbehagen oder Schikane am Arbeitsplatz.[1]

Neben dem menschlichen Leid entstehen hohe Kosten für das Unternehmen z. B. durch Minderleistung, Fehlzeiten und Fluktuation. Mobbingbetroffene fehlen häufig wegen psychosomatischer Beschwerden oder um vor der belastenden Situation zu fliehen. In Deutschland werden jährlich mehr als eine Million Personen gemobbt. Ein Fehltag kostet ein Unternehmen zwischen 100 und 400 EUR. Schätzungen gehen davon aus, dass der Produktionsausfall wegen Mobbing rund 12,5 Mrd. EUR beträgt (Mobbing-Report). Der Deutsche Gewerkschaftsbund beziffert den mobbingbedingten wirtschaftlichen Schaden auf jährlich 15 bis 25 Mrd. EUR.

Mobbing verursacht Kosten im Unternehmen u. a. durch

  • Störungen in der Produktion,
  • Fehler und Mängel in der Qualität,
  • zusätzliche Löhne für Aushilfskräfte,
  • Versetzungen, Kündigungen und Einarbeitungen,
  • Verlust von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie
  • Imageschäden bei Kunden und in der Öffentlichkeit.

Mobbing belastet aber auch die Gesellschaft finanziell. So müssen Kranken- und Rentenversicherungsträger für medizinische Heilverfahren, Medikamente, Psychotherapien, Kuren und Rehabilitationsmaßnahmen aufkommen. Hohe Ausgaben entstehen außerdem durch Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung. Nach Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft beträgt der volkswirtschaftliche Schaden jährlich mindestens 50 Mrd. EUR.

[1] Dr. Martin Resch vom Institut für Arbeitspsychologie und Arbeitspädagogik (IAP) in einer DGB-Information.

4.3 Folgen für Betroffene

Fast 90 % der Mobbingopfer klagen während des Mobbingprozesses und danach über psychische und physische Probleme. Zu den typischen Symptomen, die z. T. auch von Außenstehenden wahrgenommen werden können, zählen:

  • Schlafstörungen,
  • Kopfschmerzen und
  • Niedergeschlagenheit.

Durch den Verlust des Selbstwertgefühls verändert sich die Person immer mehr. Stellt man bei Mitarbeitern oder Kollegen Veränderungen fest, sollte man dies zum Anlass für ein Gespräch nehmen. Je länger gemobbt wird, desto höher ist das Risiko, chronisch krank zu werden, etwa

  • im Magen-/Darmbereich,
  • im Herz-/Kreislaufsystem oder
  • durch Depressionen.

Angehörige und Freunde können bei Mobbing nur bedingt helfen. Oft ist es ratsam, wenn sie selbst kompetente Unterstützung heranziehen.

30 % der Personen, die gemobbt werden, erkranken kurzfristig, weitere 30 % sind länger, teilweise über ein Jahr, krankgeschrieben.

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