Mobbing / 2 Erscheinungsformen des Mobbings

Die möglichen Erscheinungsformen des Mobbings sind vielfältig. Die Einstufung als mobbing-relevanter Sachverhalt hängt ganz entscheidend von den Gesamtumständen und der auf die Vielzahl von Einzelvorfällen gestützten Gesamtwürdigung ab. Entscheidend ist dabei, ob sich aus der Gesamtbetrachtung ein systematisches Verhalten der Anfeindung, Schikane oder Diskriminierung ableiten lässt, die das allgemeine Persönlichkeitsrecht, die Ehre und/oder die Gesundheit des Opfers verletzen.[1] Dabei können auch Handlungen und Verhaltensweisen, die für sich allein betrachtet keine Rechtsverletzung darstellen, in der Gesamtschau und dem Gesamtzusammenhang zu einer Vertrags- oder Rechtsgutsverletzung führen.[2] Von der Rechtsprechung berücksichtigt wurden:

  • Das Verbreiten unwahrer oder ehrverletzender Behauptungen[3]
  • Die verbale und körperliche Bedrohung und Einschüchterung eines Kollegen[4]
  • Fortwährende, jahrelange "Gängelung" und Kritik durch Vorgesetzten[5]
  • Vorgabe, sich für jeden Toilettengang abmelden zu müssen[6]
  • Ausgrenzung aus dem Arbeitsprozess[7]
  • Dauerhafte Belastung mit "überobligatorischer" Mehrarbeit[8]

Nicht als relevante Belästigung wurden dagegen eingestuft:

Fälle des "kommunikativen Lebensrisikos"[9] wie:

  • (Wiederholte) herbe Kritik am Leistungsverhalten des Arbeitnehmers[10]
  • Unhöfliche Verhaltensweisen (Nicht-Grüßen), sofern die Grenze zur Beleidigung nicht überschritten wird[11]
  • Die Austragung von (sachlich geführten) Meinungsverschiedenheiten[12]

Weiterhin bestimmte Personalentscheidungen des Arbeitgebers oder von Vorgesetzten:

  • Nichtgewährung von Urlaub
  • Nichterteilung eines Zwischenzeugnisses
  • Unvollständige Personalakte
  • Eine vom Weisungsrecht gedeckte Versetzung[13]
  • Erteilung einer (auch ungerechtfertigten) Abmahnung[14]
  • Ausspruch einer (unwirksamen) Kündigung[15]
  • Beförderung einer anderen Person oder sonstige, nachteilige dienstliche Entscheidungen[16]
  • Zurücksetzen der persönlichen Einstellungen des betrieblichen Mail- oder Internet-Accounts bei längerer Arbeitsunfähigkeit[17]
[2] BAG, Urteil v. 28.10.2010, 8 AZR 546/09; BAG, Urteil v. 25.10.2007, 593/06.
[8] LAG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 18.8.2016, 5 Sa 61/16, insbesondere zur Darlegungslast des klagenden Arbeitnehmers.
[12] OLG München, a. a. O.
[16] OLG München, a. a. O.; LAG Rheinand-Pfalz, Urteil v. 30.11.2015, 3 Sa 371/15; LAG Köln, Urteil v. 28.5.2014, 11 Sa 1102/12; dazu auch unter AGG-Aspekten BAG, Urteil v. 24.4.2008, 8 AZR 257/07.
[17] LAG Köln, Urteil v. 28.5.2014, 11 Sa 1102/12.

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