Mindestlohn: Was ist bei Mi... / 3 Durch Entgeltumwandlung 450-EUR-Grenze einhalten

Die Entgeltumwandlung in einer betrieblichen Altersversorgung (bAV) ist eine Handlungsalternative, wenn

  • ein Minijob im Versicherungsstatus vorliegt und
  • neben dem Minijob kein weiteres Arbeitsverhältnis ausgeübt wird und
  • der zeitliche Umfang einer geringfügigen Beschäftigung nicht eingeschränkt, sondern eher noch erweitert werden soll.

Eine Anhebung der Vergütung auf das aktuelle Mindestlohnniveau führt zu einer Steigerung der Lohn- und Lohnnebenkosten, die durch eine Entgeltumwandlung "abgefangen" werden kann. Entgeltumwandlungen zugunsten einer bAV sind – im Gegensatz zur Nutzung bei 450-EUR-Minijobs – bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen weit verbreitet.

Der Anreiz für Arbeitnehmer, dass der Nettoaufwand bei Abschluss einer bAV vergleichsweise gering ist, kommt bei 450-EUR-Minijobs wegen der vom Arbeitgeber zu tragenden Abgaben nur in geringem Umfang oder gar nicht zum Tragen. Dafür stellt sich jedoch – insbesondere für den Arbeitgeber – ein positiver, anderer Effekt ein: Durch die Entgeltumwandlung kann die Verdienstgrenze von 450 EUR künstlich nach oben verschoben werden, ohne dass der Status eines 450-EUR-Minijobs verloren geht. Die Abgabenlast kann dauerhaft gesenkt werden, weil durch die Entgeltumwandlung zur bAV bis zu 268 EUR monatlich beitragsfrei sind. Dies ist auch für den Arbeitnehmer nicht unvorteilhaft. Er erhält sein Gehalt weiterhin brutto für netto und baut sich eine zusätzliche Alterssicherung auf.

 

Praxis-Beispiel

Entgeltumwandlung (bAV) und Minijob

Eine Verkäuferin soll für einen Stundenlohn von 9,19 EUR an 60 Stunden im Monat bei einem Lebensmittelkonzern arbeiten. Einmalzahlungen werden nicht gezahlt. Das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt beträgt somit 551,40 EUR (60 Stunden x 9,19 EUR). Die Arbeitnehmerin möchte in einer geringfügig entlohnten Beschäftigung versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung arbeiten. Da sie mit diesem Entgelt aber die für Minijobber maßgebliche 450-Euro-Grenze überschreitet, regt der Arbeitgeber an, dass die Arbeitnehmerin eine bAV abschließt. Sie greift den Vorschlag auf und schließt eine Vereinbarung über eine Entgeltumwandlung in Höhe von 150 EUR zugunsten einer bAV (Direktversicherung) ab.

Die Verkäuferin ist familienversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung und hat sich von der Rentenversicherungspflicht im 450-EUR-Minijob befreien lassen.

Sozialversicherungsrechtliche Beurteilung der Beschäftigung

 
Monatliche Vergütung: (mtl. Arbeitszeit 60 Stunden x Mindestlohn 9,19 EUR) 551,40 EUR
abzüglich Beiträge zur Direktversicherung: 150,00 EUR
regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt: 401,40 EUR
Ergebnis: Trotz der wöchentlichen Arbeitszeit von 60 Stunden liegt aufgrund der Entgeltumwandlung nach wie vor noch ein 450-EUR-Minijob vor.
Berechnung des Bruttoaufwands pro Arbeitsstunde für den Arbeitgeber (ohne Unfallversicherungsbeiträge):
Monatliche Vergütung (einschließlich Entgeltumwandlung): 551,40 EUR
zzgl. gesetzliche Abgaben an die Minijob-Zentrale (31,20 % von 401,40 EUR) 125,24 EUR
Bruttoaufwand insgesamt: 676,64 EUR
Bruttoaufwand pro Stunde (676,64 EUR : 60 Stunden) 11,28 EUR
Das Beispiel belegt, dass durch eine Entgeltumwandlung im Falle einer Vergütungserhöhung auf mehr als 450 EUR pro Monat der Status eines 450-EUR-Minijobs aufrechterhalten werden kann.

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