Midijob: Kompakte Darstellu... / 5 Zusammenrechnung von Arbeitsentgelten bei Mehrfachbeschäftigung

Werden mehrere Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt, gelten die Regelungen zum Übergangsbereich, wenn das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt innerhalb der Entgeltgrenzen von 450,01 EUR bis 1.300 EUR liegt.

Grundsätzlich sind bei der Beurteilung nur die Arbeitsentgelte zusammenzurechnen, die aus versicherungspflichtigen Beschäftigungen erzielt werden. So werden beispielsweise Entgelte aus geringfügig entlohnten Beschäftigungen, die als solche versicherungsfrei oder nur in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig sind, bei der Zusammenrechnung nicht berücksichtigt. Anders kann sich die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung darstellen, wenn mehrere gleichzeitig ausgeübte geringfügige Beschäftigungen zusammenzurechnen sind.

 

Praxis-Beispiel

Zusammenrechnung mehrerer Minijobs

Ein Arbeitnehmer übt gleichzeitig 2 geringfügig entlohnte Beschäftigungen aus. Aus der ersten Beschäftigung erzielt er ein monatliches Arbeitsentgelt von 350 EUR, aus der zweiten Beschäftigung 250 EUR.

Wie sind die beiden Beschäftigungen sozialversicherungsrechtlich zu beurteilen?

Ergebnis: Die monatlichen Arbeitsentgelte der beiden geringfügig entlohnten Beschäftigungen liegen jeweils für sich betrachtet unterhalb des Übergangsbereichs. Jedoch sind die Entgelte aufgrund der Mehrfachbeschäftigung zusammenzurechnen. Das summierte Entgelt beträgt 600 EUR. Da die entsprechenden Entgeltgrenzen eingehalten werden, sind die besonderen Regelungen der Gleitzone (bis zum 30.6.2019) sowie des Übergangsbereichs (ab 1.7.2019) anzuwenden. Es besteht Versicherungspflicht in der Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung.

Zusammenrechnung der Arbeitsentgelte aus einer Hauptbeschäftigung

Eine Zusammenrechnung der Arbeitsentgelte aus einer Hauptbeschäftigung mit denen einer sog. "ersten" geringfügig entlohnten Nebenbeschäftigung erfolgt nicht. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung, die neben einer Hauptbeschäftigung ausgeübt wird, bleibt damit weiterhin versicherungsfrei in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Versicherungspflicht in der Pflegeversicherung besteht nicht. In der Rentenversicherung liegt Versicherungspflicht vor, von der sich der Arbeitnehmer auf Antrag befreien lassen kann.

 

Praxis-Beispiel

Hauptbeschäftigung neben mehreren Minijobs

Ein Arbeitnehmer übt seit mehreren Jahren eine Hauptbeschäftigung mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 750 EUR aus. Am 1.8.2019 nimmt er eine geringfügig entlohnte Beschäftigung mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 220 EUR auf. Ab 1.9.2019 übt der Arbeitnehmer eine weitere geringfügig entlohnte Beschäftigung aus. Das monatliche Arbeitsentgelt beträgt hierbei 300 EUR.

Wie sind die Beschäftigungen im Jahr 2019 sozialversicherungsrechtlich zu beurteilen?

Ergebnis: Die Hauptbeschäftigung wird in der Zeit vom 1.1.2019 bis 30.6.2019 in der Gleitzone ausgeübt. Ab 1.7.2019 sind die Regelungen des Übergangsbereichs anzuwenden.

Eine Zusammenrechnung mit der ersten geringfügig entlohnten Nebenbeschäftigung ab 1.8.2019 erfolgt nicht. Insoweit ist die Hauptbeschäftigung mit dem monatlichen Arbeitsentgelt in Höhe von 750 EUR in der Zeit vom 1.7.2019 bis 31.8.2019 dem Übergangsbereich zuzuordnen. Die am 1.8.2019 aufgenommene Nebenbeschäftigung ist als geringfügig entlohnt zu beurteilen.

Die am 1.9.2019 aufgenommene zweite Nebentätigkeit ist mit der Hauptbeschäftigung zusammenzurechnen. Das Gesamtentgelt in Höhe von 1.050 EUR (= 750 EUR + 300 EUR) liegt weiterhin innerhalb der Entgeltgrenzen des Übergangsbereichs.

Für die Hauptbeschäftigung und die zweite Nebenbeschäftigung werden somit in der Zeit vom 1.9.2019 bis 31.12.2019 die Regelungen des Übergangsbereichs angewendet. Die erste Nebenbeschäftigung ist ab Beschäftigungsbeginn am 1.8.2019 als geringfügig entlohnte Beschäftigung einzustufen.

 

Wichtig

In der Arbeitslosenversicherung keine Mehrfachbeschäftigung im Übergangsbereich

In der Arbeitslosenversicherung dürfen geringfügige Beschäftigungen und nicht geringfügige Beschäftigungen nicht zusammengerechnet werden. Daher liegt in der Arbeitslosenversicherung kein Fall der Mehrfachbeschäftigung im Übergangsbereich vor.

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