Mediationsprozess: Vorteile... / 5.1 Gruppenmediation

Die Mediation von größeren Gruppen erfordert vom Mediator besondere Methoden und Settings, um allen die Möglichkeit einzuräumen, ihre Interessen ausreichend zu vertreten. Grundsätzlich sollten die Techniken und Methoden der Moderation beherrscht und eingesetzt werden. Hier sind vor allem die Kreativtechniken und die Möglichkeiten der Visualisierung von Bedeutung.

5.1.1 Vorgespräche

Bei einer größeren Anzahl von Beteiligten am Konflikt sind Vorgespräche ein unverzichtbarer Bestandteil des Mediationsprozesses. Ob diese Vorgespräche als Einzelgespräche oder in Kleingruppen geführt werden, hängt von der Anzahl der Personen/Parteien ab. Ziel der Vorgespräche ist es, die Themen zu identifizieren, die für die einzelnen Gesprächspartner im Zusammenhang mit dem Konflikt wichtig sind. Hier ist Zeit für Fragen zum Ablauf der Mediation oder grundlegende Informationen zum Verfahren. Darüber hinaus informiert der Mediator die Teilnehmer über den Stand der Dinge und das weitere Vorgehen. Der Mediator sammelt die Themen aller Vorgespräche und konsolidiert sie. Gegebenenfalls formuliert er die Aussagen zu einer neutralen Form um.

 

Praxis-Tipp

Führen Sie die Vorgespräche möglichst zeitnah hintereinander.

5.1.2 Fraktionierung

Nachdem in den Gruppensitzungen mit allen Beteiligten ein Thema zur Bearbeitung ausgewählt wurde, ist es sowohl für die Teilnehmer, als auch für den Mediator wichtig, die unterschiedlichen "Fraktionen" transparent zu machen. Da sich zu den verschiedenen Themen durchaus unterschiedliche Interessengruppen bilden können, ist eine Fraktionierung für jedes Thema erforderlich. Dabei bieten sich unterschiedliche Formen der Fraktionierung an, die alle das Ziel haben, die Sichtweisen / Parteien zu konzentrieren und damit den Konflikt handhabbar zu machen.

Abb. 5: Techniken zur Fraktionierung: Positionsbarometer / Walking Scale

Auf dem Boden werden auf einer Linie die Prozentwerte 0 % bis 100 % ausgelegt und die Teilnehmer werden gebeten den Grad ihrer Zustimmung oder Ablehnung zu einem Thema durch Einnehmen der entsprechenden Position darzustellen.

Abb. 6: Techniken zur Fraktionierung: Vier Ecken Positionierung

Zu einem Thema werden im Raum an den Ecken Zettel mit bestimmten kontroversen Meinungen ausgelegt und die Teilnehmer werden aufgefordert, sich in die Ecke zu begeben, die ihrer Anschauung am besten entspricht.

Abb. 7: Techniken zur Fraktionierung: Punktabfrage

Auf einem Plakat wird ein Thema oder eine These präsentiert und die Teilnehmer können mittels eines Klebepunktes ihre Position deutlich machen.

Im weiteren Verlauf kann in diesen Gruppen an der Klärung der Interessen oder an möglichen Lösungsoptionen gearbeitet werden. Im Plenum können die jeweiligen Sprecher der Gruppen deren Ergebnisse darstellen und diese vertreten.

5.1.3 Methoden zur Verdeutlichung der Sichtweisen und Erhellung

Auch die Phase der Erhellung und Verdeutlichung der Sichtweisen bedarf bei größeren Gruppen spezieller Methoden/Settings. Hierbei geht es darum, allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben sich einzubringen und den Prozess zu beobachten, ohne den Rahmen zu sprengen.

Abb. 8: Techniken zur Erhellung: Rollendes Podium

Die Teilnehmer können auf den unterschiedlichen Stühlen Platz nehmen und ihre Sicht der Dinge einbringen. So entsteht nach und nach das Meinungsbild der Gruppe.

Abb. 9: Techniken zur Erhellung: Fishbowl

Bei der Fishbowl wählt jede Gruppe ihren Sprecher, der ihre Interessen und Sichtweisen vorträgt. Durch Drehen der Sprecherstühle lässt sich auch ohne viele Umstände eine Sitzordnung herstellen, in der sich Gruppe und Sprecher beraten können.

5.1.4 Methoden zur Lösungsfindung

Gerade in dieser Phase werden die Verfahren aus der Moderation eingesetzt.

5.1.5 Co-Mediation

Die vielfältigen Anforderungen der Prozesssteuerung, Empathie, Diskussionsleitung und Visualisierung sollten bei Gruppenmediationen durch ein Mediationsteam übernommen werden. Eine Co-Mediation schafft die Möglichkeit, bei der Gruppe zu sein, ohne das Festhalten von Interessen und Ergebnissen zu vernachlässigen. Wichtig bei der Zusammenarbeit sind die vorherige gemeinsame Vorbereitung und eine gute Abstimmung der Mediatoren in den Sitzungen.

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