Mediationsprozess: Vorteile... / 1.2 Wann ist Mediation sinnvoll

Mediation ist nicht in jedem Fall die geeignete Methode einen Konflikt zu lösen.[1] So ist z. B. die Eskalationsstufe des Konflikts von Bedeutung. Nur Konflikte auf bestimmten Eskalationsstufen sollten durch Mediation bearbeitet werden. Bevor eine Mediation durchgeführt wird, sind einige Rahmenbedingungen zu prüfen. Nur wenn diese Bedingungen gegeben sind, hat eine Mediation Aussicht auf Erfolg.

[1] Siehe Checkliste Einstieg in Mediation, Anhang Punkt 1.

1.2.1 Eskalationsstufen nach F. Glasl

Glasl hat in seinem Werk neun Eskalationsstufen mit ihren unterschiedlichen Merkmalen unterschieden.

 
Hinweis
  1. Verhärtung: Standpunkte der Parteien verfestigen sich und schließen sich allmählich gegenseitig aus. Während Gemeinsamkeiten in den Hintergrund treten, schärft sich der Blick für die Gegensätze.
  2. Debatte/Polarisierung: Entweder-Oder-Denken und eine Schwarz-Weiß-Sicht dominieren. Prestigefragen gewinnen an Bedeutung und die Parteien kommunizieren stärker mit abwertenden "Du-Botschaften".
  3. Aktionen/Taten: Glauben an eine Lösung mit beiderseitigem Nutzen schwindet. Es herrscht die Überzeugung, dass Worte nicht mehr helfen. Mit eigenen Aktionen wird versucht, die anderen durch den aufgebauten Druck auf seine Seite zu zwingen. Es entsteht eine starke Eskalation durch das Setzen von Fakten.
  4. Feindbilder und Verbündete: Der anderen Seite werden negative/unlautere Absichten unterstellt. Es geht nun vorrangig ums Siegen oder Verlieren. Man versucht, Unbeteiligte für seine Seite zu gewinnen. Koalitionen werden gebildet.
  5. Gesichtsverlust: Der Konflikt wird personalisiert. Durch tiefgreifende Abwertungen wird versucht die andere Partei zu verunglimpfen und ihr Ressourcen zu entziehen. Durch grundlegende Vertrauensbrüche erscheint eine einvernehmliche Lösung unmöglich.
  6. Drohungen: Die Parteien stellen Forderungen und Ultimaten und drohen bei Nichteinhaltung mit Sanktionen. Misstrauen und Furcht wachsen. Weitere Koalitionen sollen die eigene Position stärken und ausbauen.
  7. Begrenzte Schläge: Wahrnehmung der Gegenseite als verhasste, unmenschliche Partei. Missachtung von Recht und Ethik, wenn sie den eigenen Interessen im Wege stehen. Wille, dem Anderen zu schaden, wobei eigene Nachteile billigend in Kauf genommen werden. Destruktive Aktionen ohne vorherige Ankündigung kennzeichnen diese Phase.
  8. Zerstörung: Ziel ist die Zerstörung der Existenzgrundlage des Gegners mit gleichzeitigem Bemühen, die eigene Existenzgrundlage nicht zu gefährden. Dabei werden auch massive eigene Schäden akzeptiert.
  9. Gemeinsam in den Abgrund: Parteien kämpfen ohne Rücksicht auf Verluste bis zur Selbstvernichtung. Gewalt wird bedenkenlos gegen Beteiligte und Unbeteiligte eingesetzt.

Während in Stufe 1 die Parteien durch entsprechende Interventionen noch selbst in der Lage sind, den Konflikt zu klären, ist die Mediation in den Stufen 2–5 die probate Methode einen Konflikt zu bearbeiten. Ab Stufe 6 sollten Methoden mit Sanktionsmacht wie Schieds- und Rechtsverfahren eingesetzt werden. In Stufe 8 und 9 kann nur der direkte Machteingriff – unabhängig von der Akzeptanz der Konfliktparteien – eingesetzt werden.

[1] Vgl. Glasl, F.: Konfliktmanagement, Haupt: Bern 1997, 5. Auflage.

1.2.2 Weitere Zusammenarbeit

Mediation ist besonders dann die Methode der Wahl, wenn die Parteien nach der Bereinigung des Konflikts weiterhin zusammenarbeiten sollen oder müssen. Die eigenverantwortliche Suche nach einer Win/Win-Lösung verhindert die häufig auftretenden Rache- und Revanchegefühle des Verlierers bei Nullsummenstrategien. Die getroffenen Vereinbarungen der Parteien zeichnen sich durch Stabilität und Dauerhaftigkeit aus. Die Wahrnehmung der Bedürfnisse des Anderen und die Wertschätzung, die Teil des Mediationsprozesses sind, wirken sich positiv auf mögliche zukünftige Konflikte aus. Sie ermöglichen es den Beteiligten bereits in einer frühen Phase und ohne Beteiligung Dritter Lösungen zu finden.

1.2.3 Freiwilligkeit der Konfliktparteien

Die freiwillige Mitarbeit aller Parteien ist für den Mediationsprozess absolut erforderlich. Es muss den Verantwortlichen klar sein, dass ohne Freiwilligkeit Mediation zum Scheitern verurteilt ist. Mediation beruht auf der Bereitschaft zur Mitarbeit, Offenheit und Vertrauen.

 
Hinweis

Eine Partei, die sich dagegen sperrt, macht den Mediationsprozess unmöglich.

1.2.4 Außergerichtliche Lösung

Neben den hohen Kosten und der Langwierigkeit einer gerichtlichen Auseinandersetzung, ist es auch die öffentliche Aufmerksamkeit, die solche Verfahren mit sich bringen, die viele Unternehmen scheuen und daher zu informellen Methoden wie der Mediation greifen lassen. Außerdem ist ein Gerichtsverfahren ein so massiver Eingriff in die Beziehung der Beteiligten, dass die Zusammenarbeit nachhaltig gestört wäre.

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