Lohnsteuerrechtliche Bewert... / 6.4 Finanzielle Beteiligung an der Haushaltsführung

Ausdrücklich geregelt ist die finanzielle Beteiligung an den Kosten der Lebensführung in der Haupt- bzw. Familienwohnung. Bereits bisher war eine Beteiligung des Steuerzahlers an den Miet- oder Unterhaltskosten der Wohnung notwendig. Es war auch ausreichend, wenn er die entsprechenden Ausgaben der gemeinsamen Lebensführung getragen hatte.

Die Finanzverwaltung verlangt eine haushaltsbezogene Kostenübernahme. Eine finanzielle Beteiligung an der Haushaltsführung liegt vor, wenn der Steuerzahler einen Teil der Haushaltungskosten für die Hauptwohnung übernimmt. Zu den Haushaltungskosten gehören die Miete, die Mietnebenkosten, die Kosten für Lebensmittel sowie Dinge des täglichen Bedarfs, wie z. B. Toilettenartikel, Reinigungsmittel, Kosten des gemeinsamen Telefonanschlusses. Wie bereits ausgeführt, ist es nicht notwendig, dass sämtliche Kosten anteilig vom Arbeitnehmer getragen werden. Es reicht vollkommen aus, wenn er aus eigenem Einkommen oder Vermögen Geldbeträge in die gemeinsame Haushaltsführung einbringt. Allerdings ist eine Beteiligung mit Bagatellbeträgen nicht ausreichend. Die Lebensgemeinschaft bei Ehegatten und Partnern einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ist üblicherweise von einer gemeinsamen personellen und finanziellen Lebensführung geprägt. Die Finanzverwaltung verzichtet daher bei diesem Personenkreis auf eine Prüfung der Kostenbeteiligung.

 

Wichtig

Bei Ehegatten wird finanzielle Beteiligung unterstellt

Die Finanzverwaltung hat für Ehegatten und Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft eine großzügige Vereinfachungsregelung festgelegt. Bei Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern mit den Steuerklassen III, IV oder V kann eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung ohne weiteren entsprechenden Nachweis unterstellt werden. Bei diesem Personenkreis ist eine gemeinsame Haushaltsführung üblich und deshalb ohne Prüfung anzuerkennen.

Finanzielle Beteiligung oberhalb der 10-%-Bagatellgrenze

Für die übrigen, insbesondere alleinstehenden Steuerpflichtigen (= Arbeitnehmer mit den Steuerklassen I, II und VI) wird zur Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens eine 10-%-Bagatellgrenze als prozentuale Untergrenze eingeführt. Betragen die Barleistungen des Arbeitnehmers mehr als 10 % der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Haushaltsführung für die Haupt- bzw. Familienwohnung, ist von einer ausreichenden finanziellen Beteiligung des Arbeitnehmers auszugehen. Sobald der Steuerzahler mehr als 10 % durch eigene Geldleistungen zur gemeinsamen Haushaltsführung beisteuert, ist die gesetzliche Vorgabe "finanzielle Beteiligung" erfüllt und die doppelte Haushaltsführung grundsätzlich steuerlich anzuerkennen, sofern die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind.

 

Praxis-Beispiel

Finanzielle Beteiligung durch gemeinsame Haushaltskasse

Eine Arbeitnehmerin lebt gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten in dessen Eigentumswohnung in Stuttgart, wo sich auch der Lebensmittelpunkt befindet. Sie arbeitet in Frankfurt und bewohnt dort während der Woche ein kleines Appartement. Der Lebensgefährte trägt alle Kosten der Hauptwohnung in Stuttgart i. H. v. monatlich 800 EUR. Die Arbeitnehmerin überweist monatlich pauschal 400 EUR auf ein gemeinsames Haushaltsgeld-Konto, von dem die Kosten für Lebensmittel und sonstigen Bedarf bezahlt werden.

Ergebnis: Die Arbeitnehmerin beteiligt sich finanziell an der gemeinsamen Haushaltsführung. Es spielt keine Rolle, dass die eigentlichen Wohnungskosten alleine vom Lebensgefährten getragen werden. Ihr Beitrag von 400 EUR übersteigt auch die Bagatellgrenze von 10 % der laufenden Gesamtkosten in Höhe von 1.200 EUR für die Haushaltsführung. Da die Arbeitnehmerin einen eigenen Hausstand unterhält, liegt eine berufliche doppelte Haushaltsführung vor.

Bei Ehegatten "finanzielle Beteiligung" ohne weiteren Nachweis unterstellt

Auf die Berechnung der Bagatellgrenze kann verzichtet werden, wenn der gemeinsam Haushalt in der Hauptwohnung im vorigen Beispiel von Ehegatten geführt wird. Auch wenn die verheiratete Arbeitnehmerin keine monatliche Haushaltsgeldzahlungen von mindestens 120 EUR (= 10 % der Kosten für die Haushaltsführung) leistet, ist in den Fällen der Steuerklassen III, IV und V von einer ausreichenden finanziellen Beteiligung auszugehen, die einen eigenen Hausstand in der Stuttgarter Wohnung begründet.

Finanzielle Beteiligung auf andere Art und Weise

Auch eine Beteiligung von weniger als 10 % kann ausreichen, wenn der alleinstehende Steuerzahler eine hinreichende finanzielle Beteiligung auf andere Art und Weise darlegen kann. Denkbar ist z. B. der Nachweis, dass sich der Steuerzahler mit wesentlichem finanziellem Aufwand an der Möblierung oder Renovierung der Hauptwohnung beteiligt hat.

 

Wichtig

Volljährige Kinder müssen Kostenbeteiligung nachweisen

Nach der geänderten Rechtsprechung des BFH ist bei erwachsenen, wirtschaftlich eigenständigen Kindern ein eigenes Wohnen und damit ein eigener Hausstand im Haushalt der Eltern möglich. Aufgrund der eindeutigen gesetzlichen Vorg...

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