Lohnsteuer-Ermäßigungsverfa... / 6 Entlastungsbetrag bei Alleinerziehenden

Alleinerziehende können für die Besteuerung nicht den Splittingtarif wählen und haben deshalb auch nicht die Möglichkeit des Lohnsteuerabzugs nach Steuerklasse III.[1]"Echten" Alleinerziehenden wird zum Ausgleich der erziehungsbedingten Mehraufwendungen ein Steuerentlastungsbetrag gewährt, wenn zu ihrem Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das dem Arbeitnehmer der Kinderfreibetrag oder Kindergeld zusteht.[2]

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beträgt 1.908 EUR und wird in Abhängigkeit der Kinderzahl gestaffelt. Für das zweite und jedes weitere Kind, das im Haushalt des Alleinerziehenden lebt, wird ein zusätzlicher Freibetrag von 240 EUR gewährt.[3]

 
Wichtig

2.100-EUR-Erhöhungsbetrag zum Steuerentlastungsbetrag für Alleinerziehende

Für die Jahre 2020 und 2021 wird Arbeitnehmern mit der Steuerklasse II zur Abmilderung der durch die Corona-Pandemie bei Alleinerziehenden entstandenen Mehrbelastungen neben dem Steuerentlastungsbetrag von 1.908 EUR ein zusätzlicher Freibetrag von 2.100 EUR gewährt. Der jährliche Gesamtentlastungsbetrag berechnet sich befristet auf 2 Jahre mit insgesamt 4.008 EUR für Alleinstehende, zu deren Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das dem Arbeitnehmer der Kinderfreibetrag oder Kindergeld zusteht. Der Erhöhungsbetrag von 240 EUR für jedes weitere zum Haushalt des Alleinerziehenden gehörenden Kindes bleibt unverändert.

Beantragung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende

Im Lohnsteuerverfahren wird der Entlastungsbetrag über die Steuerklasse II berücksichtigt. Die erstmalige Gewährung der Steuerklasse II ist im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren beim Wohnsitzfinanzamt zu beantragen.

Über die Steuerklasse II kann nur der Grund-Entlastungsbetrag von 1.908 EUR für das erste Kind berücksichtigt werden. Der "Corona-Erhöhungsbetrag" von 2.100 EUR ist als zusätzlicher Freibetrag ausgestaltet und deshalb neben der Steuerklasse II als ELStAM beim Wohnsitzfinanzamt zu beantragen. Dasselbe gilt für den Zusatz-Entlastungsbetrag von 240 EUR für jedes weitere haushaltszugehörige Kind, der als Freibetrag im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren ausgestaltet ist.[4] Steht dem Arbeitnehmer ein erhöhter Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zu, kann er bei seinem Wohnsitzfinanzamt die Bescheinigung eines Freibetrags für das zweite und jedes weitere Kind in der ELStAM-Datenbank beantragen. Die Antragsgrenze von 600 EUR findet keine Anwendung. Die Bescheinigung des Erhöhungsbetrags von 240 EUR für das zweite und jedes weitere Kind im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren bewirkt nicht, dass der Arbeitnehmer zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung nach Ablauf des Jahres verpflichtet ist.[5] Der Erhöhungsbetrag wird auf die verbleibenden Lohnzahlungszeiträume verteilt, die auf den Monat der Antragsstellung folgen. Die ELStAM-Bescheinigung des Freibetrags erfolgt auf Antrag für 2 Jahre.

 
Hinweis

Vereinfachtes Antragsverfahren für Corona-Entlastungsbetrag

Der 2.100-EUR-Erhöhungsbetrag kann auch ohne formelle Antragstellung im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren dem Alleinerziehenden mit der Steuerklasse II als Freibetrag in seinen ELStAM-Daten bescheinigt werden. Der Gesetzgeber räumt dem Wohnsitzfinanzamt die Befugnis ein, von Amts wegen für den Erhöhungsbetrag von 2.100 EUR einen Freibetrag in die ELStAM einzutragen. Der zeitlich begrenzte Erhöhungsbetrag zum Steuerentlastungsbetrag für Alleinerziehende kann natürlich auch unter Verwendung des amtlichen Antragsformulars (Hauptvordruck mit Anlage Kind) für das Lohnsteuerverfahren beantragt werden.

Der beantragte Zusatz-Entlastungsbetrag wird auf die restlichen Monate des Jahres verteilt. Bei einer Eintragung bereits im Jahr 2020 beträgt der monatliche Freibetrag in 2021 monatlich 175 EUR (2.100 EUR : 12 Monate), der bei der Lohnabrechnung vom steuerpflichtigen Arbeitslohn abgezogen wird. Die Bescheinigung erfolgt für 2 Jahre, sofern die Steuerklasse II für 2020 und 2021 Gültigkeit hat. Eine erneute Antragstellung für 2021 ist nicht erforderlich.

Sofern bei anspruchsberechtigten Arbeitnehmern im Einzelfall die Eintragung eines Freibetrags unterbleibt, kann die Entlastung für Alleinerziehende im Rahmen einer späteren Antragsveranlagung zur Einkommensteuer 2020 oder 2021 immer noch nachgeholt werden. Der Freibetrag wegen Erhöhung des (Grund-)Entlastungsbetrags führt – wie der Erhöhungsbetrag von 240 EUR für jedes weitere Kind – nicht zu einer Pflichtveranlagung.

Praktische Umsetzung in den Finanzämtern

Die Finanzämter haben in zahlreichen Fällen im August 2020 den Corona-Entlastungsbetrag von Amts wegen bescheinigt, wenn in den ELStAM-Daten des Arbeitnehmers zu diesem Stichtag die Steuerklasse II bescheinigt war. Für Arbeitnehmer, die erstmals ab August 2020 die Voraussetzungen für die Steuerklasse II erfüllen, empfiehlt es sich sorgfältig zu prüfen, ob der zusätzliche Entlastungsbetrag beim Lohnsteuerfahren 2020 zum Abzug gekommen ist. Ist dies nicht der Fall, bleibt die Möglichkeit, durch Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2020 den Steuerfreibetrag von ...

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