Lang-Zeitkonten und Sabbati... / 9 Tipps für die Gestaltung von Lang-Zeitkonten

Nachfolgend sind die wichtigsten Gestaltungsmöglichkeiten für Lang-Zeitkonten/Lebensarbeits-Zeitkonten aufgeführt.

Ansparen mit Zeit, die in Geld umgewandelt wird

  1. Ansparen von Zeit, die in Geld umgewandelt wird.

    • Das Konto wird durch Plusstunden, Zeitzuschläge etc. aufgefüllt. Auch Beschäftigte, die ansonsten keiner Zeiterfassung unterliegen (z. B. AT-er oder Beschäftigte mit Vertrauensarbeitszeit) können planmäßig Plusstunden ansparen, indem sie ihr Entgelt in Form von Gehaltsverzicht auf Teilzeitarbeit wechseln und ihre bisherige regelmäßige Arbeitszeit aber weiterhin leisten
  2. Ansparen mit Entgeltbestandteilen

    • Das Konto bietet grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten wie ein durch Zeit angespartes Konto: Alle Zeiten beinhalten einen Entgeltanspruch, der eingestellt wird.
    • Unabhängig von der vereinbarten Arbeitszeitregelung können alle Beschäftigten Teile ihres Entgelts in das Lang-Zeitkonto einstellen. Dies ermöglicht eine flexible Handhabung vor allem für Führungskräfte und Außendienstmitarbeiter/innen.
    • Die Mitarbeiter/innen müssen sich für die Einstellung ins Lang-Zeitkonto entscheiden, bevor sie die Bezüge erarbeiten.
    • Das planmäßige Ansparen eines Freizeitanspruchs ist durch Anlage einer festen monatlichen Summe möglich.
    • Das Lang-Zeitkonto wird hierbei zum Teil eines Cafeteria-Systems: Mit dem eingestellten Entgelt kann ein zusätzlicher Freizeitanspruch "erkauft" werden.

Entnahmemöglichkeiten

Es ist zu klären, welche Entnahmemöglichkeiten es seitens des Betriebs gibt (z. B. zur kollektiven Beschäftigungsabsenkung oder für Brückentage, Werksferien). Bei der Anordnung von Kurzarbeit sind – mit Ausnahme der Lebensarbeitszeitkonten – i. d. R. zunächst die Lang-Zeitkonten abzubauen.

Weiterer Regelungsbedarf besteht hinsichtlich der Ankündigungsfristen, möglicher Mindestentnahmen und der Entnahmemöglichkeit in Kombination mit Urlaub.

Für Lang-Zeitkonten, die Freizeitblöcke der Beschäftigten vorsehen (z. B. Sabbaticals) sind die Ablehnungsmöglichkeiten des Arbeitgebers zu klären. Beispielsweise kann die Möglichkeit einer einmaligen Ablehnung vereinbart werden. Aber in der Regel gilt, dass Entnahmewünsche normalerweise nicht abgelehnt werden können, sofern nicht schwerwiegende betriebliche Gründe dagegen sprechen.

Lang-Zeit- oder Lebensarbeits-Zeitkonto

Wenn eine Entnahmemöglichkeit nur für den vorgezogenen Ruhestand gegeben sein soll, handelt es sich um ein Lebensarbeitszeitkonto.

  1. Führen in Geld

    • Eingebuchte Zeitguthaben werden umgerechnet.
    • Möglichkeit der Vereinbarung eines Zinssatzes nach verschiedenen, vertraglich festzuhaltenden Kriterien (Zinsmodell).
    • Alternativ Kapitalanlagemodell: Möglichkeit der Anlage in externen Wertpapierfonds (beinhaltet Insolvenzsicherung und Bildung von Rückstellungen ohne zusätzlichen Verwaltungsaufwand).
    • Entgeltbestandteile (z. B. 13. Monatsgehalt, Bonifikationen etc.) können direkt eingebucht werden.
    • Empfehlenswert für Lebensarbeitszeitkonten, da hier keine zwischenzeitlichen Freizeitentnahmen geplant sind und längerfristig höhere Renditechancen erzielt werden.
    • Attraktiv für die Beschäftigten durch die nachgelagerte Besteuerung und die nachgelagerte Verbeitragung.

Informationspflicht

Ein Mal pro Jahr und auf Nachfrage der Beschäftigten ist eine Übersicht über aktuelle Salden zu erstellen.

Rückstellungen

Aus dem laufenden Betriebsergebnis werden Rückstellungen in Höhe der aufgelaufenen Zeitguthaben entsprechend den steuerlichen Vorschriften gebildet und mit Hilfe separater Konten verwaltet. Dies ist sowohl aus Gründen des Insolvenzschutzes als auch zur liquiditätsmäßigen Vorfinanzierung der aus dem Wertguthaben resultierenden Verpflichtungen erforderlich.

Abhängig von der Rechtsform des Unternehmens sind die Rückstellungen ggf. dem Wirtschaftsausschuss jährlich nachzuweisen.

Insolvenzschutz (s. o.)

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, für einen Insolvenzschutz zu sorgen. Der Insolvenzschutz muss über das Wertguthaben des Mitarbeiters hinaus die darauf entfallenden Arbeitgeberanteile am Gesamtsozialversicherungsbeitrag beinhalten, da diese bei jeder Einbringung des Mitarbeiters direkt einzubuchen sind. Zeitwertkonten werden grundsätzlich im Rahmen einer Treuhandlösung abgesichert, die aber durch eine andere gleichwertige Sicherung ersetzt werden kann.

Ausscheiden eines Mitarbeiters (s. o.)

Seit 2001 ist die Möglichkeit eines Übertrags an einen neuen Arbeitgeber gesetzlich geregelt. Ist ein Übertrag nicht möglich, kann die Freizeitentnahme zum Ende der Beschäftigung oder die Ausbezahlung des Saldos vereinbart werden. Bei der Ausbezahlung ist die Verbeitragung nach dem Entstehungsprinzip erforderlich, d.h. für den Saldo erfolgt eine rückwirkende Erfassung pro Kalendermonat.

Darüber hinaus besteht seit 1.1.2009 mit dem neuen "Flexi II" die Möglichkeit, dieses Guthaben auf die Deutsche Rentenversicherung Bund zu übertragen. Danach ist kein Übertrag an einen weiteren neuen Arbeitgeber mehr möglich.

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