Lang-Zeitkonten und Sabbati... / 2 Wie funktionieren Zeitkonten und Lang-Zeitkonten?

Die Einführung von Zeitkonten bedeutet eine Ausweitung des Zeithorizonts. An die Stelle einer starren täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit tritt die Einführung z. B. einer Jahresarbeitszeit (sofern eine Öffnungsklausel im Tarifvertrag dies ermöglicht) und die Verbuchung von längeren und kürzeren Arbeitszeiten in Form von Plus- oder Minusstunden - ähnlich wie auf einem Girokonto. Für jeden Beschäftigten wird ein Konto geführt, auf dem die tatsächliche Arbeitszeit gutgeschrieben und mit der vertraglichen Arbeitszeit saldiert wird. Der Saldo kann nach oben und unten begrenzt werden und es ist ein Ausgleichszeitraum (z. B. halbjährlich, jährlich, rollierend oder Zeitpunkt) zu vereinbaren, in dem Plus- und Minusstunden sich ausgleichen.

Während die Ableistung der Arbeitszeit im Jahresverlauf variiert, wird das Arbeitsentgelt wie bisher ausbezahlt. Für Plusstunden fallen i. d. R. keine Zuschläge an, es sei denn, es handelt sich um angeordnete, zuschlagspflichtige Mehrarbeit. Umgekehrt erfolgt auch kein Entgeltabzug bei Minusabweichungen des Zeitsaldos.

Abb. 1: Arten von Zeitkonten

Kurzzeitkonten wie z. B. Gleitzeitkonten oder Jahresarbeitszeiten fangen unterjährige Auslastungsschwankungen auf und sind nach spätestens einem Jahr auszugleichen. Häufig werden Obergrenzen definiert, in denen die Beschäftigten nach Absprache im Team ihre Arbeitszeiten eigenverantwortlich gestalten können. Zur aktiven Steuerung werden Ampelkonten empfohlen, die den tatsächlichen Ausgleich rechtzeitig ins Auge fassen und realistisch umsetzen (siehe Kapitel Arbeitszeitmanagement).

Die noch nicht so weit verbreiteten Beschäftigungs-Zeitkonten werden zur Sicherung der Beschäftigung insbesondere zur Vermeidung von Personalabbau und Kurzarbeit eingesetzt. Das Unternehmen kann eine Freistellung von der Arbeit und/oder vorübergehende kürzere Arbeitszeit ohne Entgelteinbußen veranlassen. Die Gehaltszahlungen bleiben gleich, die anfallenden Minusstunden werden mit dem Zeitkonto verrechnet. Eine weitere Form des arbeitgeberseitigen Zugriffs ist die planmäßige Verwendung für Werksferien und Brückentage.

Ausgleich von Schwankungen - arbeitgeberseitiger Zugriff

Je nach Zielsetzung können Lang-Zeitkonten einen arbeitgeberseitigen Zugriff zulassen. Beispielsweise kann zur Stabilisierung der Beschäftigung bei andauernden Auftragsrückgängen die Arbeitszeit ohne Änderung der Arbeitsverträge kollektiv reduziert werden.

Die Kurzzeitkonten und die Beschäftigungs-Zeitkonten werden immer in Zeit geführt. Für diese Konten ist gesetzlich kein Insolvenzschutz vorgeschrieben, außer wenn die Plusstunden die Höhe des einfachen Monatsgehaltes übersteigen. Beim Jahresabschluss werden diese Plus-Zeiten im Rahmen der Bilanz rückgestellt, daher ist es wichtig, diese rechtzeitig zurückzuführen.

Abgrenzung von Lang-Zeitkonten und Lebensarbeitszeitkonten gegenüber anderen Regelungen

Schon 1998 hat die Bundesregierung mit dem "Flexi I"-Gesetz die Grundlage zur Einrichtung von Langzeitkonten geschaffen. 2009 wurde mit dem "Flexi II"-Gesetz der Insolvenzschutz verbessert und Lang-Zeitkonten (Wertguthaben) klarer von anderen Regelungen zur Flexibilisierung der Arbeit (zum Beispiel Gleitzeit) abgegrenzt. Danach sind nur solche Arbeitszeitkonten Wertguthaben, die nicht den Ausgleich von täglichen, wöchentlichen, monatlichen oder jährlichen Arbeitszeitschwankungen zum Ziel haben, sondern zum Ansparen von Geld vorrangig für längere vollständige oder teilweise Freistellungsphasen (z. B. Pflegezeit, "Sabbatical", früherer gleitender Ruhestand) gedacht sind. Im Unterschied hierzu dienen somit Lang-Zeitkonten dem Ansparen von Freizeitphasen, z. B. in der Form, dass das Entgelt reduziert und die Arbeitszeit beibehalten wird, um später die Möglichkeit zu nutzen, bei Verringerung der vertraglichen Arbeitszeit das resultierende Gehalt aufzustocken.

Bei einem Lang-Zeitkonto werden konkrete betriebliche Zielsetzungen festgelegt, woraus unterschiedliche Gestaltungsempfehlungen folgen können. Ein Unternehmensziel kann z. B. der Ausgleich konjunktureller Schwankungen sein, die unabhängig von den saisonalen Schwankungen im Jahresverlauf eintreten können und in der Regel längerfristig anhalten. Ein Mitarbeiterziel ist die bessere Anpassung der Arbeitszeit an die Lebensphasen. Lang-Zeitkonten ermöglichen die Entnahme von Freizeitblöcken mit mehr als einem Monat Dauer, z. B. im Rahmen von Sabbaticals. Einzelne Rahmentarifverträge ermöglichen den Abschluss von Betriebsvereinbarungen zur Gestaltung von Lang-Zeitkonten.

Das Lebensarbeitszeitkonto ist ein Lang-Zeitkonto mit spezieller Zielsetzung: Es dient ausschließlich der Verkürzung der Erwerbsphase – auch in den Formen eines gleitenden Übergangs in den Ruhestand und der Verkürzung der Arbeitsphase bei Block-Altersteilzeit. Nach Wegfall der Förderung von Altersteilzeitmodellen ermöglichen die Zeitguthaben auf den Lebensarbeitszeitkonten einen vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand ohne finanzielle Einbußen.

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